Das Geld reichte nie für Lebensmittel

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Bad Aibling - Prozess vor dem Amtsgericht Bad Aibling: Aus der Untersuchungshaft vorgeführt hatte man eine 41-Jährige, die dort wegen Fluchtgefahr einsitzen muss.

Aus der Untersuchungshaft vorgeführt hat man die 41-Jährige, die dort wegen Fluchtgefahr einsitzen muss. Die Höhe der zu erwartenden Gesamtstrafe hat zu dieser Maßnahme geführt. Vor dem Amtsgericht Bad Aibling hatte sie sich wegen sechsfachen Betruges im August und Oktober des vergangenen Jahres zu verantworten.

Die Zeugen bestätigten ihr bei der Verhandlung vor dem Aiblinger Amtsgericht eine unglaubliche Überzeugungsfähigkeit, die selbst mit hanebüchenen Argumenten zu überreden versteht - die klassischen Fähigkeiten eines Betrügers.

Und eine Betrügerin ist sie. Mehrfach wegen dieses Deliktes vorbestraft. Zuletzt wurde sie vom Amtsgericht Nürnberg zu einer Freiheitsstrafe von 17 Monaten verurteilt die sie zum Teil verbüßte. Ein Strafrest wurde zur Bewährung ausgesetzt. Erst Ende Februar 2009 war sie aus der Haft entlassen worden. Sie beging also diese Taten nur sechs Monate nach ihrer Entlassung, noch unter offener Bewährung. In Mittelfranken wurde ihr der Boden möglicherweise zu heiß. Nun beglückte sie Oberbayern mit ihrer Anwesenheit.

In der Endorferau/Rosenheim betrog sie einen Metzger, "Der Huberbäck" in der Münchener Straße in Rosenheim musste gleich mehrfach seiner Ware nachweinen und in Großkarolinenfeld prellte sie auch eine ansässige Metzgerei.

Immer berief sie sich auf die Reinigungsfirma, mit deren Firmenwagen sie vorfuhr, welche die Rechnung schon bezahlen würde. Diese wusste freilich nichts davon.

Die geschiedene Frau legte vor Gericht ein voll umfassendes Geständnis ab. Zwar hätte man ihr jede einzelne Straftat problemlos nachweisen können. So aber blieb dem Gericht unter dem Vorsitz von Dr. Stefanie Oberländer, eine langwierige Beweisaufnahme und Zeugenbefragung erspart.

Das war aber schon der einzige Pluspunkt, den die Angeklagte vor Gericht sammeln konnte.

Die Staatsanwältin konnte sich kurz fassen. Sie beantragte für die gebürtige Kölnerin 21 Monate Gefängnis. Bei dieser Rückfallgeschwindigkeit selbstverständlich ohne Bewährung.

Rechtsanwalt Stephan Lehmair verwies darauf, dass seine Mandantin zumindest in einem Fall einen Großteil des geschuldeten Betrages bezahlt habe und dass sie ausschließlich Lebensmittel für den eigenen Lebensunterhalt beschafft habe. Er stellte das Strafmaß in das Ermessen des Gerichtes.

Die Richterin Dr. Stefanie Oberländer verwies darauf, dass die Angeklagte gewohnheitsmäßig und gewerbsmäßig gehandelt habe. Sie verkenne nicht, dass die Frau im Wesentlichen für die eigenen Bedürfnisse gesorgt habe. Das sei aber ebenso wenig hinnehmbar. Die Strafe von 16 Monaten Haft befand sie für Straf- und Schuld angemessen. Eine Aussetzung zur Bewährung komme auf Grund der Vorgeschichte nicht in Frage.

Ein weiteres, schwerwiegenderes Verfahren vor dem Schöffengericht steht für die 41-Jährige noch aus, so dass ihr auf Jahre hinaus das Betrügen wohl unmöglich sein wird. au

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