Rentnergang kidnappt Geschäftsmann

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Chieming - Irrer Entführungsfall in Hart bei Chieming: In der Nacht auf Samstag befreit ein Sondereinsatzkommando der Polizei eine 56-jährige Geisel. Eine Rentnergang (60 bis 79 Jahre) hatte den Mann vier Tage gefangen gehalten! ** Video **

Video

Am späten Freitagabend teilte ein bisher unbekannter Hinweisgeber über Telefon der Polizeieinsatzzentrale in Rosenheim mit, dass ein Bekannter von ihm aus Speyer/Rheinland-Pfalz von Unbekannten offensichtlich gewaltsam im Raum Traunstein festgehalten wird.

Über die Polizei in Speyer wurde dann in Erfahrung gebracht, dass der besagte Mann dort seit vergangenen Dienstag abgängig und als vermisst gemeldet war. Auf Grund der festgestellten Umstände und Überprüfung der Opferwohnung in Speyer musste von einer gewaltsamen Entführung ausgegangen werden.

Als möglicher Aufenthaltsort des Vermissten konnte ein privates Wohnanwesen in der Gemeinde Chieming ausgeforscht werden. Noch in der Nacht wurde vom aufgerufenen Einsatzstab der Polizei ein Zugriff geplant. Die Hubschrauber der Einsatzkräfte landeten am alten Pfarrhof in Chieming.

 

Hubschrauber und vermummte Gestalten

Die Putzfrau des dritten Bürgermeisters von Chieming, Heinrich Wallner, hörte die merkwürdigen Geräusche. Wenige Minuten später bemerkte sie, wie rundherum um den Chiemsee Hubschrauber landen, vermummte Gestalten he­raussprangen und in der dunklen Nacht verschwanden. Auch Heinrich Wallner bekam von dem Lärm etwas mit. Als er bei der Polizei nachfragte, schwieg sie nur. Doch er merkte: „Da ist was los ...“

Etwa um vier Uhr morgens drang das  Sondereinsatzkommando aus München dann von mehreren Seiten gleichzeitig gewaltsam in das Anwesen in Hart ein. Im Keller des Hauses fanden die Beamten in einem abgesperrten Raum dann tatsächlich den Vermissten auf, er war leicht verletzt.

Im Haus befanden sich auch die Bewohner des Anwesens, das Seniorenehepaar K., sowie ein offensichtlich im Ausland lebender Mann. Der 74-jährige Ehemann und seine 79-jährige Ehefrau sowie der 60-jährige Amerikaner ließen sich widerstandslos festnehmen.

Nachbarn sahen Fluchtversuch der Geisel

Ein Nachbar ist entsetzt über die Vorwürfe gegen das Ehepaar K. Er kenne die Rentner als ordentliche Leute und hoffe, dass sich alles bald als Missverständnis kläre.

Das Ehepaar K. lebt seit 25 Jahren in dem Haus in Hart. Etwa die Hälfte des Jahres verbringen Roland K. (74) und seine Frau (79) aber in ihrem zweiten Haus in Florida (USA). Beide besitzen sowohl die deutsche als auch die us-amerikanische Staatsbürgerschaft. Ihre Nachbarn schätzen beide als „liabe Leut“, die immer akurat und ordentlich seien.

Nur neulich Nacht sei etwas Merkwürdiges passiert. Da sahen die Nachbarn plötzlich einen Unbekannten aus dem Haus des Paares auf die Straße laufen. Der Unbekannte kam etwa 100 Meter weit. Er schrie. Dann fingen ihn Roland K. und ein Begleiter ein. Besorgt hatten die Nachbarn nachgefragt, was da los sei. Doch Roland K. wimmelte sie ab: Der Mann gehöre zu ihnen, er sei verwirrt und sei ihnen ausgerückt. Die Nachbarn glaubten die Erklärung des 74-Jährigen.

Wie sich jetzt herausstelle, hatten sie jedoch den vergeblichen Fluchtversuch der Geisel bemerkt. Der 56-Jährige hatte eine „Zigarettenpause“ nutzen wollen, um zu entkommen.


Bilder vom Tatort

Tatort in Hart

 

Opfer misshandelt und in Kofferraum verschleppt

Nach ersten Ermittlungen der Kripo Traunstein wurde das 56-jährige Opfer tatsächlich gegen seinen Willen von den beiden festgenommenen Männern von seiner Wohnung in Speyer zu dem Haus im Chiemgau gebracht. Die Männer hatten ihn am Dienstagabend an seiner Wohnung abgepasst und ihn anschließend mit Klebeband gefesselt. Auch geschlagen wurde er offensichtlich, wobei er Prellungen und zwei gebrochene Rippen davontrug.

Schließlich wurde der Überfallene gefesselt im Kofferraum des Pkw des 74-Jährigen verstaut und während der Nacht nach Bayern transportiert. Im Keller des Wohnanwesens in der Gemeinde Chieming wurde er die nächsten vier Tage in einem versperrten Raum ohne Möglichkeit zur Kontaktaufnahme nach außen eingesperrt.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand sind die Hintergründe für die gewaltsame Entführung in Geschäftsverbindungen unter den Beteiligten mit angeblich offenen erheblichen Geldforderungen zu finden.

In diesem Zusammenhang wurde dem Opfer auch ein Telefonat „genehmigt“. Dabei gelang es dem Mann, den vermutlichen späteren Hinweisgeber auf seine prekäre Situation und auf seinen Aufenthaltsort aufmerksam zu machen. Dies war der ausschlaggebende Punkt für den Polizeieinsatz mit glücklichem Ausgang.

In den polizeilichen Vernehmungen zeigten sich die Schilderungen von Opfer und Tatverdächtigen zum Geschehen ziemlich deckungsgleich.

Von Anfang an war die Staatsanwaltschaft Traunstein in den Fall mit eingebunden.

 

Auch Rentnerpaar aus Schliersee festgenommen

Im Laufe der ersten Ermittlungen geriet auch noch ein Ehepaar aus dem Raum Schliersee ins Visier der Behörden. Angeblich bestehen auch ihrerseits offene Geldforderungen an den 56-Jährigen. Das Paar war während der vier Tage des Festhaltens auch einmal deswegen in dem Haus im Chiemgau. Im Laufe des Samstags wurden beide wegen Tatverdachtes der möglichen Beteiligung vorläufig festgenommen.

Die Vorführungen der fünf festgenommenen Tatverdächtigen beim zuständigen Ermittlungsrichter des Amtsgerichtes Traunstein zogen sich am Sonntag über den Zeitraum von 10 Uhr bis 22 Uhr. Gegen alle fünf Personen erging Haftbefehl wegen dringendem Tatverdachts der Beteiligung an der Geiselnahme. Alle fünf wurden in Justizvollzugsanstalten eingeliefert.

Rubriklistenbild: © fkn

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