Sendemast sorgt weiter für Zündstoff

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Zwei Standorte, die für einen Funkmasten in Frage kämen: Direkt an einer Bushaltestelle an der Staatsstraße 2078 und etwas östlich davon, näher an der Gemeindegrenze zwischen Feldkirchen-Westerham und Aying.
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Feldkirchen-Westerham - Nach wie vor heftig umstritten ist in der Gemeinde die Einführung des Tetra-Funks. Pro und Contra wurden jetzt bei einem runden Tisch im Rathaus diskutiert.

So bezeichnen Vertreter von Polizei und Feuerwehr die Technik als unbedingt notwendig und überlebenswichtig. Die Bürgergruppe Aschbach lehnt das System dagegen vehement ab und kommentierte Tetra als „Unding“.

Warum der Tetra-Funk so wichtig für die örtlichen Feuerwehren ist, erklärte Zugführer Michael Weber als Vertreter der Feuerwehr Feldkirchen-Westerham. Anhand eines praktischen Beispiels veranschaulichte er, dass es bei einem größerem Brand in Unterlaus, zu dem die Feuerwehren aus Unterlaus, Feldkirchen-Westerham sowie Großhelfendorf und Glonn gerufen würden, derzeit Kommunikationsschwierigkeiten gebe. Denn: Die vier Wehren können sich mit dem derzeitigen Funksystem aus den 50er- und 60er-Jahren nicht miteinander verständigen.

Grund hierfür sind die unterschiedlichen Frequenzen der Feuerwehren in den Landkreisen (in diesem Beispiel Rosenheim, München und Ebersberg). „Wir haben keine Möglichkeit, mit den Kollegen zu kommunizieren, weil der Analogfunk dafür nicht entsprechend weiterentwickelt wurde“, erklärte Weber gegenüber unserer Zeitung. Bei so genannten Großschadensereignissen sei genau dies aber notwendig.

Ein möglicher Standort für einen Funkmasten wäre in der Nähe dieser Haltestelle. Das Grundstück ist bereits im Besitz des Freistaats Bayern.

Die steigenden Anforderungen an die Feuerwehrmänner sowie komplizierte Einsätze würden die Einführung des Tetra-Funks in Webers Augen unumgänglich machen. Ins gleiche Horn stieß Polizeidirektor Gerhard Schusser, Leiter des Sachgebiets Einsatzzentrale und Lage im Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim. Der Analogfunk sei nicht mehr abhörsicher. Dies stelle eine erhebliche Gefahr für die Einsatzkräfte dar, so Schusser – insbesondere wenn personenbezogene Daten oder Fahndungsdaten per Funk übermittelt werden müssten. Auch er sprach sich vehement für den Digitalfunk aus, ebenso Jürgen Skrzypczak, erster Kriminalhauptkommissar vom bayerischen Innenministerium.

Als „gesundheitlich unbedenklich“ im Vergleich zu den Belastungen anderer Strahlen bezeichnete Professor Dr. Bernhard Liesenkötter aus Rosenheim das Tetra- Funk-System. Er war an der Hochschule Augsburg als Spezialist für Hochfrequenzund Mikrowellentechnik tätig. Die Belastungen, die vom Fernsehen und vom digitalen Mobilfunknetz ausgingen, seien wesentlich stärker als die von Tetra-Funk.

Anderer Meinung war Dr. Barbara Dohmen, Fachärztin für Allgemein- und Umweltmedizin aus dem Schwarzwald. Ihr zufolge gibt es eine stark wachsende Patientengruppe, welche auf die von Funkanlagen ausgehenden Mikrowellen besonders sensibel reagiert. Immer mehr Personen würden beispielsweise durch so genannte hochfrequente Felder – teils mit Zeitverzögerung – Funktionsstörungen der Organe erleiden. „Die Langzeitauswirkungen des Systems sind heute noch gar nicht absehbar“, kritisierte die Ärztin.

Ähnlich äußerte sich Theo Schneider, Sprecher der Bürgergruppe Aschbach. Die Dauerstrahlung des Systems sei mit 24 Stunden am Tag unnötig hoch. „Selbst wenn niemand funkt, ist das System aktiviert und strahlt durch dicke Hauswände“, erläuterte er. Seiner Meinung nach wären die Pulsungen in zeitlichen Abschnitten erträglicher. Werde der Mensch aber auch im Schlaf „bestrahlt“, könne sich der Körper nicht mehr regenerieren.

Für die Bürgergruppe, welche sich klar gegen Tetra-Funk ausspricht, sei das System unzuverlässig und teilweise nicht sicher genug. Dies hätten Tests in verschiedenen Ländern gezeigt. Außerdem seien wichtige Finanzierungs- und Haftungsfragen nicht geklärt.

Besonders heikel: Auch mit der Einführung des Systems gebe es weiterhin Funklöcher, in der Fachwelt als weiße Flecken bezeichnet. Betroffen wären laut Schneider in der Gemeinde die Bereiche um den Lauser Weiher sowie an der Bahnstrecke Richtung Kreuzstraße. Diese Lücken seien ein weiterer Grund, Tetra-Funk komplett abzulehnen.

Laut Regierungsvertretern können mit dem System nur 96 Prozent des Freistaats funktechnisch abgedeckt werden. Im Gemeindebereich von Feldkirchen-Westerham ist der Freistaat im Besitz eines Grundstückes, welches potenzieller Standort für einen Tetra-Funk- Masten sein kann.

Funkmasten möglichst weit weg von Häusern

Dass trotz einer ablehnenden Haltung des Gemeinderats dort ein Masten einfach errichtet wird, scheint dem Vernehmen eher unwahrscheinlich. Als Alternativstandort gelte derzeit eine Fläche weiter östlich am Wasserbehälter, ebenfalls in Aschbach. Diesbezüglich laufen laut Bürgermeister Bernhard Schweiger Grundstücksverhandlungen.

Wie berichtet hatte sich der Gemeinderat Ende April 2010 darauf geeinigt, dass ein Funkmasten in Feldkirchen-Westerham möglichst weit von bebautem Gebiet entfernt entstehen soll. Bevor das Thema Tetra-Funk erneut im Gremium behandelt wird, soll das Innenministerium zunächst einen Fragenkatalog der Kommune beantworten. Dies sicherten die Regierungsvertreter gegenüber den Diskussionsteilnehmern am runden Tisch zu.

Martin Aerzbäck/Mangfall-Bote

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