Sexersatz führte vor den Richter

Bad Aibling - Weil sich in seiner Ehe angeblich nichts mehr abspielte, suchte sich ein Aiblinger "Ersatz" im Internet: Er lud pornografische Bilder herunter. Das führte ihn vors Schöffengericht Rosenheim. Der Mann wurde auf Bewährung verurteilt.

"In meiner Ehe findet Sexualität kaum noch statt." So berichtete der 48-jährige Handwerker. "Meine Frau ist nur noch auf die Kinder fixiert. Da herrscht im Schlafzimmer Stille" Deshalb habe er sich pornografische Bilder aus dem Internet heruntergeladen. Ohne dass er extra danach gesucht habe, seien dann auch Bilder mit Kinderpornografie dabei gewesen.

Im Februar 2009 hatte die Kripo die Wohnung des Angeklagten aus Bad Aibling durchsucht. Eigentliche Ursache war der Verdacht auf rechtsradikale Umtriebe. Er hatte sich auch nationalsozialistisches Schriftgut heruntergeladen. Deshalb war sein Computer beschlagnahmt worden. Entsetzen bei der Polizei, als man neben diesen Schriften 25 Bilder mit kinderpornografischen Abbildungen übelster Machart fand. Dagegen war der Vorwurf rechtsradikaler Umtriebe nachrangig und wurde nach Paragraf 154 der Strafprozessordnung eingestellt.

Er habe nicht gewusst, dass der Besitz solcher Bilder strafbar sei - so seine Einlassung. Als er zum ersten Gerichtstermin Anfang Mai nicht erschien, ordnete der Vorsitzende Richter Heinrich Loeber die Vorführungshaft an. Dabei war er mit einem echt pädophilen Täter in eine Zelle gesperrt worden. "Da habe ich erst begriffen, wo ich da hineingeraten bin." Er sei nicht pädophil, aber bereit, sich jederzeit einer psychiatrischen Untersuchung zu stellen und gegebenenfalls auch eine Therapie durchzuführen. Im Übrigen gestand er den Sachverhalt ein.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft erklärte dem Angeklagten, warum sein Verhalten strafbar sei und dass er durch die Nachfrage nach solchen Bildern diesen "schmutzigen Markt" erst ermögliche. Konsumenten wie er seien die eigentliche Ursache, dass Kinder zu solchem Tun gezwungen würden. Sie beantragte eine Gefängnisstrafe von 22 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne, weil der Angeklagte nicht vorbestraft und eine Wiederholung der Tat mit seiner Therapiebereitschaft von sich aus zu verhindern bereit sei.

Die Verteidigerin, Rechtsanwältin Gabriele Sachse, stimmte der Staatsanwältin zu, dass derlei Übel bereits an der Wurzel angegriffen werden müsse. Ihren Mandanten betreffend wies sie aber darauf hin, dass er ein Ersttäter in jeder Hinsicht sei und durch sein von vorneherein umfängliches Geständnis Reue und Einsicht gezeigt habe. Sie hielt 14 Monate Gefängnis für ausreichend und sprach sich ebenfalls dafür aus, dass diese Strafe zur Bewährung ausgesetzt werde.

Das Gericht erkannte auf eine Strafe von 18 Monaten Haft und setzte diese auf drei Jahre zur Bewährung aus - verbunden mit der Auflage, dass sich der Verurteilte einer psychiatrischen Untersuchung zu unterziehen habe und gegebenenfalls eine Therapie aufnehmen müsse. "Wir können es nicht riskieren, dass eine tickende Zeitbombe auf unseren Straßen herum läuft", so der Richter.

au/Mangfall Bote

Rubriklistenbild: © pa

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