"Kinder sind unser kostbarstes Gut"

Feldkirchen-Westerham - Am Thema Schulwegsicherheit kommt der Verkehrswacht Rosenheim zufolge kein Autofahrer vorbei – auch die Mehrzahl der Radfahrer und Fußgänger nicht.

Bei der gestrigen Auftaktveranstaltung der Gemeinschaftsaktion „Sicher zur Schule – Sicher nach Hause“ für den Landkreis Rosenheim stand die Rücksicht auf die jüngsten Verkehrsteilnehmer im Mittelpunkt.

Über 1000 Schulweghelfer sind in Stadt und Landkreis bei Wind und Wetter im Einsatz. "Dieses ehrenamtliche Engagement ist enorm. Schulwegunfälle konnten dadurch reduziert werden", ist Walter Klingseisen, Vorsitzender der Verkehrswacht Rosenheim, überzeugt. Sein Ziel: die Statistik dauerhaft auf null zu halten.

Klingseisen hob zudem die verpflichtende Radfahrausbildung in den vierten Klassen hervor - "damit finden sich die Buben und Mädchen besser im Verkehr zurecht." Er und Hauptkommissar Bernd Heller vom Polizeipräsidium Rosenheim erinnerten in diesem Zusammenhang an die Vorbildfunktion von Erwachsenen. "Woher sollen Kinder lernen, dass Regeln eingehalten werden müssen, wenn Mütter oder Väter selbst bei Rot über die Ampel gehen oder zu schnell fahren?", so Heller. Er erklärte, dass Kinder 20 bis 30 Prozent weniger aus ihrem Umfeld wahrnehmen würden als Erwachsene, da sie kleiner und oftmals abgelenkt seien. "Hier gilt es, Rücksicht walten zu lassen", sagte Heller.

An den ersten beiden Schultagen hätte die Polizei rund 4000 Autos im Bereich von Schulen kontrolliert. Ergebnis: Jeder Zehnte musste beanstandet werden. "Entweder wurde zu schnell gefahren oder es war kein Gurt angelegt", erläuterte Heller und ermunterte die Kinder, ein "wachsames Auge" auf ihre Eltern zu haben. "Korrigiert sie ruhig, wenn sie Fehler im Straßenverkehr machen." In den ersten acht Monaten des Jahres ist es ihm zufolge im Landkreis zu elf Schulwegunfällen gekommen.

Sein ehemaliger "Kollege" und jetzt Bürgermeister von Feldkirchen-Westerham, Bernhard Schweiger, lobte die gute Präventionsarbeit sowie Verkehrserziehung der Polizei an den Schulen. "Doch hier sind auch die Eltern in der Pflicht, das richtige Verhalten zu lehren und vorzuleben", so Schweiger und dankte gleichzeitig den 80 Schulweghelfern im Gemeindegebiet für ihren Dienst.

Auch Schulrätin Gabriele Maierbacher honorierte den Einsatz der Schulweghelfer, denn: "Kinder haben das Recht darauf, Kind zu sein. Dies gilt nicht nur in der Schule, sondern auch außerhalb", so die Vertreterin des staatlichen Schulamtes Rosenheim. Nur durch effiziente Verkehrserziehung und Sensibilisierung für Gefahrensituationen per Schulwegtraining könnten Unfälle vermieden werden.

Als Vertretung für den Schirmherrn der Aktion, Landrat Josef Neiderhell, wies Josef Huber auf die in seinen Augen alarmierende Zahl von rund 5900 Verkehrsunfällen im vergangenen Jahr im Landkreis hin, bei denen 18 Menschen starben. Ihm zufolge muss darauf geachtet werden, dass der kürzeste Weg oft nicht der sicherste sei - gerade bei Schulkindern. Er dankte ebenso den Schulweghelfern für deren wichtige Arbeit. "Sie opfern dafür ihre Freizeit. Ihr Lohn ist aber, dass jeder Schüler sicher nach Hause kommt. Schließlich sind Kinder unser kostbarstes Gut", so Huber und bat um weitere freiwillige Helfer.

Adolf Dinglreiter, Vizepräsident der Landesverkehrswacht, ehrte abschließend verdiente Schulweghelfer aus Feldkirchen-Westerham und würdigte die Leistung der bayernweit 31000 aktiven Helfer. "Dieses Engagement ist bundesweit einmalig", so Dinglreiter. Und weiter: 2009 habe es keinen tödlichen Schulwegunfall gegeben, wo Schulweghelfer auf Verkehrsinseln oder am Fahrbahnrand im Einsatz gewesen seien.

Umrahmt wurde die Feier von Feldkirchener Grundschülern, die themenbezogene Lieder rund um Ampeln und die richtige Schulwegkleidung vortrugen.

Silvia Mischi/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa

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