Am Sonntag entscheidet der Bürger

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Der Kiesabbau in Noderwiechs steht zurzeit im Brennpunkt der Diskussion.

Bruckmühl - Die Qual der Wahl: Bei Bruckmühls erstem Bürgerentscheid wird am Sonntag über die weitere Vorgehensweise in punkto Kiesgrubengelände in Noderwiechs abgestimmt.

Dann gilt es, die Frage "Soll der Markt Bruckmühl alles rechtlich Zulässige unternehmen, damit in Noderwiechs ein zweites Betonwerk nicht mehr zulässig ist?" mit Ja oder Nein zu beantworten.

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Im Rathaus laufen die Vorbereitungen für diesen Wahlsonntag am zweiten Advent seit drei Wochen auf Hochtouren. Bis dato haben nach Angaben von Wahlleiterin Elfriede Bengl Kimmel 390 Bürger ihre Meinung per Briefwahl kundgetan. Insgesamt sind 12524 Bruckmühler aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Wer nicht postalisch am Entscheid teilnimmt, dem stehen am Sonntag 14 Wahllokale von 8 bis 18 Uhr zur Verfügung. Nach deren Schließung erfolgt ab 18 Uhr die Auswertung per Hand. Im Einsatz sind 84 Wahlhelfer.

Zum Bürgerentscheid war es gekommen, da die Interessengemeinschaft "Bestandschutz Naherholungsgebiet Bruckmühl" (IG BNB) Unterschriften gegen die geplante Errichtung einer halbmobilen Transportbetonanlage der Firma Südbayerische Portlandzementwerke Rohrdorf (SPZ) gesammelt hatte. In einer ersten Aktion waren knapp 3000 Unterzeichnungen zusammengekommen. Wegen Formfehlern war eine zweite Sammlung notwendig - hier wurden über 2000 Unterschriften erzielt. Danach stimmte der Gemeinderat dem Bürgerentscheid zu.

Die Historie des Naherholungsgebietes samt Sonderbereich "Kiesabbau" in Högling/Noderwiechs geht über mehrere Jahrzehnte. So gibt es seit über 40 Jahren den Bebauungsplan "Kiesgrubengelände". Acht Änderungen wurden daran bereits vorgenommen. 2001 haben deshalb Gemeinde, Betreiber und das Landratsamt Rosenheim einen konkreten Bebauungsplan für Naherholung und Kiesabbau erstellt. Darin enthalten war auch, dass die Betreiber für jeden Abbauabschnitt eine Rekultivierungs-Auflage und Wiederaufschüttungen leisten. Ohne diesen Plan hätten die Kiesabbau-Unternehmen damit rechnen müssen, dass laut Gesetz nach Ende des Abbaus alle Betriebseinrichtungen beseitigt werden müssen. Durch das Sondergebiet "Kiesabbau" konnte dies aber verhindert und die Standorte somit gesichert werden.

Die Abgrabungsfläche in diesem Bebauungsplan liegt bei zirka 110 Hektar. Das Sondergebiet "Kiesabbau" umfasst rund zehn Prozent des gesamten Areals. 95.500 Quadratmeter stehen davon der Firma Beton-Hafner zur Verfügung sowie 19.000 Quadratmeter der Marinus Schmid Kies GmbH. Letztere will einen Teil des Areals an die Firma Südbayerische Portlandzementwerke Rohrdorf (SPZ) verpachten, welche dort die umstrittene halbmobile Transportbetontransportanlage errichten will. Seit zehn Jahren gibt es für den geplanten Standort ein entsprechendes Baurecht. Geplant ist die Anlage 30 Meter entfernt zum Grundwassersee. Sie würde eine Betonplatte samt Sicherheitscontainer und Auffangwanne haben. Der Standort wäre einen Meter über dem bisherigen höchsten Grundwasserstand.

Doch hier haken die "Gegner" ein: Sie befürchten Umweltverschmutzungen durch die Anlage, da für diese keine Bodenversiegelung notwendig sei und schließlich mit Chemikalien im Kiesabbau gearbeitet würde. Dementsprechend läuft derzeit auch eine Petition im Landtag (wir berichteten auf ovb-online.de): Diese soll nach Einholung der Stellungnahmen aller Behörden voraussichtlich im Januar im zuständigen Ausschuss behandelt werden.

Parallel zum Kiesabbau erfolgte in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt die Gestaltung des Naherholungsgebietes. Rund zehn Grundstückseigentümer im nordwestlichen Bereich des Areals sind bei der Schaffung des Naherholungsgebietes zu berücksichtigen. Es ist aber nicht abzusehen, ob und wann diese ihre Flächen verkaufen. Maßnahmen hierzu waren jüngst die Verwirklichung des Grillplatzes mit zwei Feuerstellen am Badebereich. Zudem haben die beiden Kiesabbau-Betriebe zugunsten der Badegäste und Sonnenanbeter zurückgesteckt und unter anderem Zugangsmöglichkeiten geschaffen. Durch eine angedachte Verlegung der Ortsverbindungsstraße von Noderwiechs nach Högling sollen die Unternehmen wiederum mehr Betriebsfläche erhalten. Für Erholungssuchende gibt es dadurch im Laufe der Zeit gleichzeitig mehr Uferbereiche.

Doch genau hier liegt für die IG der "Hund begraben". Sie hat Zweifel an der aufwendigen Realisierung der Straße. Kritik übt sie auch an dem dort vor kurzem verlegten Abwasserkanal. Dieser Bereich müsste bei der angedachten Verbindungsstraße wieder aufgerissen und der Kanal abgesenkt werden.

In den gegenseitigen Argumentationen ist von Schützenhilfe für den ortsansässigen Betrieb zu hören, andere wiederum sprechen von "Mauschelei".

Silvia Mischi ( Mangfall-Bote)

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