Sparkassenstiftung unterstützt Nachbarschaftshilfe

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Von links: Alfons Maierthaler und Martin Schwegler für die Sparkassenstiftung Zukunft für den Landkreis Rosenheim mit den Vertretern der Nachbarschaftshilfen: Gabriele Endter (Kolbermoor), Michael Zistl (Feldkirchen-Westerham), Johann Englhart (Tuntenhausen), Lilo Wallner (Großkarolinenfeld), Hans-Jürgen Monden (Bad Feilnbach) und Dr. Bernd Münch (Bruckmühl).

Kolbermoor - „Auf gute Nachbarschaft“ heißt das Projekt der Sparkassenstiftung Zukunft für den Landkreis, welches die sechs Nachbarschaftshilfen im Altlandkreis unterstützt.

Das Geld stammt aus der Vereinskasse des ehemaligen Unterstützungsvereins „Bedienstete der Kreissparkasse Bad Aibling“. Die Projektvorstellung und die Spendenübergaben fanden gestern im Bürgerhaus Mangfalltreff in Kolbermoor statt.

Claus Hardt, Vorstandsmitglied der Nachbarschaftshilfe Kolbermoor, betonte in seiner Begrüßung, dass sich zwar das Motto „Auf gute Nachbarschaft“ so selbstverständlich anhöre – dass „gute Nachbarschaft“ aber längst nicht mehr selbstverständlich sei. Die Familie sei oft weit weg, den Nachbarn kenne man kaum – und so seien immer mehr Lücken in der Betreuung und Versorgung gerade älterer Menschen entstanden. Krankenpflegevereine, oft von kirchlicher Seite unterstützt, entstanden; dann organisierten sich die Nachbarschaftshilfen. Sie bringen eine Vielzahl an Hilfeleistungen: Ein Ziel etwa sei es, dass der betreute Mensch möglichst lange in der eigenen Wohnung bleiben kann. Die Stadt Kolbermoor habe mit der Einrichtung des Bürgerhauses Mangfalltreff ein neues Kaptiel aufgeschlagen, würdigte Hardt den Einsatz der Stadt, – und die Fördermittel der Sparkasse seien natürlich höchst willkommen.

Als stellvertretender Vorstand der Sparkassenstiftungen Zukunft (Vorsitzender ist Landrat Josef Neiderhell) erläuterte Alfons Maierthaler, Sparkassen-Vorstandsvorsitzender, den Hintergrund der Stiftung. Das Geld war ursprünglich für plötzlich in Not geratene Mitarbeiter der Sparkasse Bad Aibling gedacht. Nach der Fusion mit der Sparkasse Rosenheim wurde der Verein aufgelöst – und der Vorstands des Vereins aus Bediensteten der Sparkasse beschloss, das verbliebene Vermögen von rund 70 000 Euro über die Sparkassenstiftung „Zukunft“ Projekten im Altlandkreis Bad Aibling zugute kommen zu lassen. Unterstützt wurde bereits etwa die Tafel Bad Aibling, und jetzt habe die Sparkasse, so Maierthaler, in den Nachbarschaftshilfen ideale Partner auch im Sinne ihrer Mission „Nachaltig.

Gutes. Tun.“ auf direkt regionaler Ebene gefunden. Es können jeweils konkrete Projekte der Nachbarschaftshilfen unterstützt werden, die den Bedarf an Hilfsangeboten für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen abdecken. Da auch einige Sparkassen-Mitarbeiter sich ehrenamtlich in Nachbarschaftshilfen einbringen, kenne er, so Maierthaler, deren gute Organisation und das hohe Engagement. „Da wurden wahre Hilfsnetze aufgebaut“, freute er sich.

Dass die Aufgaben – und damit auch die Ausgaben – stetig wachsen, bestätigten dann auch die Vertreter der Nachbarschaftshilfen Bad Feilnbach, Feldkirchen-Westerham, Tuntenhausen, Großkarolinenfeld, Bruckmühl und Kolbemoor, die aus der Stiftung bedacht werden. Sie stellten ihre Organisation und das Projekt vor, in das das Geld fließen soll.

So wird sich die Nachbarschaftshilfe Bad Feilnbach verstärkt der Betreuung von Demenzkranken zuhause widmen. In der 1991 gegründeten Organisation, wie deren Vorsitzender Hans-Jürgen Monden erläuterte, gibt es 27 angestellte Mitarbeiter; 370 Mitglieder tragen den Verein. Demenzpatienten würden jetzt auch in der Gruppe betreut, um die Angehörigen zu entlasten - hier bestehe bereits die Nachfrage nach einer zweiten Gruppe. Aber auch Mittags- und Hausaufgabenbetreuung werden übernommen.

Die Nachbarschaftshilfe Feldkirchen-Westerham stellte Michael Zistl vor, der auch Dritter Bürgermeister der Gemeinde ist. "Auch auf dem Land hat die soziale Nähe abgenommen", räumte er ein. Neuzogezogene hätten oft keinen Kontakt zu den "Alten". Um das soziale Miteinander zu stärken, habe man eine Projektarbeit mit einer Sozialarchitektin gestartet; am 1. März werde der Verein "Soziales Netzwerk Feldkirchen-Westerham" gegründet. In einem sozialen Servicezentrum sollen Aktionen gebündelt, Angebote überschaubar gemacht werden. "Wir wollen, dass unsere Senioren beruhigt alt werden können", sagte Zistl, "und für die Jugend brauchen wir einen Treff."

Die Nachbarschaftshilfe Tuntenhausen wird, so der Vorsitzende Johann Englhart, mit dem Geld vor allem das Projekt "Kinder- und Jugendraum" unterstützen. Der Raum als Treffpunkt wurde im September nach engagierter Eigenleistung eröffnet, aber die Küche gehört verbessert, eine Tischtennisplatte und ein Schlagzeug würden zu den Wünschen der Kinder gehören. Vor 16 Jahren war die Organisation gegründet worden von einer Frau, die damals vergeblich Hilfe für ihre kranke Mutter gesucht hatte. Jetzt werden auch Haushaltshilfe, Hausaufgaben- und Mittagsbetreuung oder Hilfe bei Behördengängen angeboten.

Vor über 30 Jahren ist die Nachbarschaftshilfe Großkarolinenfeld entstanden, so deren Pflegedienstleiterin Christine Boos. 230 Mitglieder sind dabei; es wird die klassische ambulante Pflege geboten, dazu Familienhilfe - und es gibt den Kontakt-Stadel. Dort treffen sich zweimal pro Woche demente, psychisch kranke, behinderte oder vereinsamte Personen. Die Gruppe sei gut zusammen gewachsen, bekomme oft auch Besuch von Sport- und Musikgruppen, von Kindergartenkindern, von Firmlingen und vom Bürgermeister. "Die Abrechnung hier ist schwierig", so Boos, "und der Bedarf steigt." So sei man jetzt auf der Suche nach neuen Räumen, die man öfter als zweimal in der Woche benutzen könne und die nahe der Sozialstation lägen.

"Ein bissl anders als bei den anderen", so Zweiter Vorstand Dr. Bernd Münch, "ist es bei uns, bei der Nachbarschaftshilfe Bruckmühl". Hier wird - ohne Angestellte - rein ehrenamtlich gearbeitet. Da man vom Salus-Haus immer unterstützt worden sei, habe man oft materielle Hilfe leisten können, also Familien oder Alleinerziehende unterstützen können. Da bekommt ein Kind einen Zuschuss für die ansonsten nicht finanzierbare Klassenfahrt, es gibt eine Geschenkaktion zu Weihnachten, den sozialen Mittagstisch und den Besuchsdienst. Auch eine Demenzhelferin ist im Einsatz.

Die Arbeit der Nachbarschaftshilfe Kolbermoor stellte schließlich Geschäftsführerin Gabriele Endter vor. 1986 gegründet, engagiert man sich in Familienhilfe und in der Unterstützung Bedürftiger. Großes Thema sei jetzt die Demenzhilfe. Vor fünf Jahren habe man hierzu die Idee mit dem Betreuten Wohnen zuhause gehabt - dank der finanziellen Hilfe könne man dies jetzt anpacken. Geplant ist, dass der alte Mensch einen "Betreuungsvertrag" mit der Nachbarschaftshilfe abschließt. Dann kommt einmal pro Woche eine Helferin, die zum Arzt begleitet, Essen auf Rädern und das Notruftelefon organisiert, Zeit für ein Gespräch oder einen Spaziergang hat. Einmal im Monat kommt eine zusätzliche Mitarbeiterin. So soll gewährleistet werden, dass der alte Mensch möglichst lange in seinem eigenen Umfeld bleiben kann - und auch seine Familie beruhigt sein kann.

Gabriele Endter lud schließlich zum kalten Bufett in die Cafeteria des Bürgerhauses ein, wo die Vertreter der Nachbarschaftshilfen sich austauschen und sowohl Alfons Maierthaler als auch Martin Schwegler, dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied der Sparkassenstiftungen Zukunft, nochmals für die Unterstützung danken konnten.

fl

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