Schneelast: Sporthallendach unter Beobachtung

Bad Aibling - Entwarnung gaben am Dienstag die Statiker für die Sporthalle auf dem B&O-Gelände in Mietraching. Diese war an den beiden vergangenen Wochenenden witterungsbedingt vorsichthalber gesperrt worden.

Jetzt ließ die Stadt Bad Aibling die Situation vor Ort durch ein Fachbüro untersuchen. Dessen Fazit:"Keine aktuelle Gefahr in Verzug". Gestern gab die Verwaltung die Halle zumindest bis auf Weiteres wieder frei.

Wenn es längere Zeit stark schneit, werden in vielen Kommunen die Erinnerungen an den Einsturz der Eislaufhalle in Bad Reichenhall im Januar 2006 wieder wach. Gerade ältere Gebäude mit flachen Dächern rücken dann ins Visier der Sicherheitsvorkehrungen. So auch die Sporthalle in Mietraching, in der üblicherweise reger Trainings- und auch Punktspielbetrieb der Aiblinger Sportler herrscht. Das Gebäude hat etliche Jahrzehnte auf dem Buckel und mittlerweile auch eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach.

Wie groß die Belastung durch die Schneefälle in den letzten Wochen und damit die Gefahr eventueller Schäden am Dach war, vermochte niemand genau zu sagen. Um keine Menschenleben zu gefährden, wurde die Halle deshalb zweimal kurzfristig für den Betrieb gesperrt, bevor am Montagnachmittag die Mitarbeiter eines Statikbüros die Halle genauer unter die Lupe nahmen.

Wie Stadtbaumeister Andreas Krämer auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, seien die Fachleute zu dem Schluss gekommen, dass die Statik des Gebäudes sehr stabil sei. Man habe bei der Begehung und der Überprüfung der Hauptbinder keine Auffälligkeiten festgestellt, so dass für die Tragsicherheit aktuell keine Gefahr in Verzug sei. Jedoch würden weitere Bemessungen des Binders erforderlich sein. Außerdem müssten eine Materialprüfung und Bauteilversuche veranlasst sowie die Stahlgüte überprüft werden.

Von den 50 Zentimeter breiten Dachplatten, die sich jeweils über eine maximale Länge von 1,70 Meter spannen, gehe keine große Gefahr aus. Bis man allerdings das Dach gefahrlos von oben begutachten kann, dauert es voraussichtlich eine Weile, da derzeit alles vereist und durch die Aufbauten und Kabel schwer zugänglich sei.

Bis dahin will die Stadt die Situation flexibel handhaben. "Der Sportbetrieb ist auch den Winter über gewährleistet. Nur wenn es kritisch wird und kräftig schneit, wird die Halle sicherheitshalber gesperrt", so Krämer. Kontrolliert werde die aktuelle Situation durch Bauhof und Bauamt.

Verständnis für die Situation zeigt der TuS Bad Aibling, der - neben anderen Aiblinger Vereinen - die Halle mit den Fußballern, Leichtathleten und Basketballern nutzt. "Man hat Bad Reichenhall einfach immer im Hinterkopf", erklärte Vorstand Günter Kobl im Gespräch mit unserer Zeitung. An den vergangenen beiden Wochenenden habe man kurzfristig auf eine Halle des Landkreises ausweichen können. Wenn eine Sperrung allerdings länger dauern würde, wäre das kritisch für den Sportbetrieb.

Nicht ganz verstehen könne man, weshalb das Dach nicht einfach vom Schnee befreit wird. Dazu müsste nach Auskunft der Stadtverwaltung die Photovoltaikanlage abmontiert werden, was kurzfristig auch im Gespräch gewesen sei. Da das Dach aber durch deren Gewicht nicht erheblich beeinträchtigt werde, sehe man davon ab.

Für die Zukunft sei eine Dachverstärkung aber ohnehin unumgänglich. Die statische Prüfung, die im Rahmen der Feinuntersuchung des gesamten Sportgeländes vorgesehen sei, werde nun aufgrund der aktuellen Probleme vorgezogen.

Die Sporthalle stammt nach Angaben von Krämer aus der Zeit des Dritten Reiches. Deswegen lägen auch keinerlei Statikunterlagen zu diesem Gebäude vor - lediglich Daten von ähnlichen Bauwerken, auf die man sich jedoch nicht stützen könne und wolle. Aus diesem Grund muss die Statik der Halle komplett nachgeprüft werden. Dies hätte laut Vertrag nach Angaben der Stadtverwaltung eigentlich bereits der Vorbesitzer, die Firma B&O, veranlassen müssen, bevor die Stadt die Halle - auf deren Dach zwischenzeitlich auch die besagte Photovoltaikanlage installiert worden war - erwarb. Ein Versäumnis, das nun nachgeholt wird.

Eva Langwieder/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa

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