Stadt fördert weiter Film-Festival

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Das Nonfiktionale-Team.

Bad Aibling - Für das deutschsprachige Dokumentar-Filmfestival "Nonfiktionale" in Bad Aibling geht es die nächsten Jahre weiter. Die Stadt hat ihre finanzielle Unterstützung weiter zugesagt.

Seit 2007 unterstützt die Stadt das kulturelle Ereignis mit jährlich 20.000 Euro und beschloss, dies weiterhin zu tun. Das Echo aufs Festival ist in Fachkreisen groß, die Macher erhalten auch Lob für die medienpädagogische Jugendarbeit. Das örtliche Gymnasium ist seit Beginn eingebunden, die Ausweitung auf Bruckmühl angedacht.

Als Erfolgsstory präsentierten die Verantwortlichen der "Nonfiktionale" das Festival, das sich in drei Saisons (diesmal vom 23. bis 26. September) zu einem renommierten, stimmigen Höhepunkt nicht nur im westlichen Landkreis entwickelt hat. Ort des Film-Geschehens ist das alte Lindenkino.

Der Bezug zu Bad Aibling als Austragungsstätte und zugleich als Bayerns ältestes Moorbad stellen die Initiatoren und Organisatoren des Filmfestes - Boris Tomschiczek und Lutz Kager - durch eine kreierte Leitfigur heraus: das Moormännchen.

Hinter der "Maske" verbirgt sich in jeder Saison ein anderer bekannter Regisseur, dessen Identität bei die Preisverleihung der eingereichten Doku-Filme gelüftet wird. Das Foto-Shooting fürs "Moormännchen" findet stets in der Therme statt. Die Leitfigur repräsentiert für ein Jahr das Festival und macht es den Verantwortlichen zufolge bundesweit bekannt. Denn die Sieger-Filme werden auf Wettbewerbe geschickt.

Die Verknüpfungen mit dem Standort und die Bedeutung des Filmfestivals im Hinblick auf die medienpädagogische Jugendarbeit stellten Tomschiczek und Kager in ihrem Bericht zur Durchführung der "Nonfiktionale" von 2007 bis 2009 gegenüber dem Stadtrat heraus. Er hatte zu entscheiden, ob die jährliche Förderung von 20.000 Euro weiterlaufen soll. Ohne die Hilfe kann den beiden Organisatoren zufolge das Festival nicht fortgesetzt werden.

Kager verdeutlichte, dass Sponsoren und private Spender dann bereitwillig(er) auf den "Zug aufspringen" würden. So habe man vor drei Jahren 14.000 Euro an Spendengeldern dazu aquirieren können, 2008 habe der gemeinnützige Verein Nonfiktionale ein Gesamtvolumen von 43.000 Euro gehabt, im Vorjahr 40.000 Euro. Einige Sponsoren seien abgesprungen, viele kleine private Spender hinzugekommen. Ein Beispiel freute Kager besonders: "Vor dem Lindenkino stand ein Aiblinger, der begeistert war und 50 Euro spendete, damit wir weitermachen."

Beim Festival kann jeder Filmemacher seinen Dokufilm einreichen. Die besten werden gezeigt und daraus die Preisträger ermittelt. Ein Chiropraktiker, so berichtete Organisator Tomschiczek jetzt, wolle für Studenten 500 Euro ausloben, damit es sich für diese lohne, Beiträge einzureichen.

Im Endeffekt "geben Sie 20.000 Euro aus und wir machen ein Festival für 66.000 Euro", warb Kager beim Stadtrat für die Zukunft der "Nonfiktionale" - hochgerechnet kostet das Festival 66000 Euro, wenn der Verein alle Mitarbeiter, Handwerker und Helfer bezahlen würde. "Die 66.000 Euro sind quasi Eigenleistungen".

Wo bleibt das Geld? 65 Prozent in der Region (Übernachtung, Druckkosten, Beköstigung der Gäste etc.); 10 Prozent in München, wo der Verein ein kleines Büro hat, der Rest von 25 Prozent geht in Reisekosten, Moderatoren, Filmmiete etc. Aktuell verriet Tomschiczek, dass der Regierungsbezirk Oberbayern das Festival 2010 ebenfalls unterstützen wolle.

"Wir wollen das kulturelle Engagement in Bad Aibling ausbauen", erklärte Kager. Dazu gehört die weiterte Einbindung junger Leute. Aiblinger Gymnasiasten schreiben Filmkritiken (im Mangfall-Boten veröffentlicht), diskutieren mit den Regisseuren und werden durch die Festival-Betreuer an das Genre herangeführt. Anfragen von Schulen nehmen laut Tomschiczek stark zu, doch sei zunächst an eine weitere Einbindung der Bruckmühler Gymnasiasten gedacht.

Jörg Schönmetzler, Kulturreferent des Landkreises Rosenheim und Begleiter der Nonfiktionale, stellte nicht nur den Enthusiasmus des Teams und des Publikums heraus - er skizzierte auch den Charakter des Festivals, das jedes Jahr einen anderen thematischen Schwerpunkt hat. Diesmal: "Innenwelten".

Das Festival wurde 2008 erweitert durch die "FotoDoks", ein Dokumentarfotografier-Wettbewerb. Auch dabei werden Preise vergeben und im Rahmen der Nonfiktionale verliehen.

Der Stadtrat war bereit zur weiteren Unterstützung, merkte aber an: Diskussionen mit den Filmemachern nach der Vorführung sollten nicht vorzeitig beendet werden (Stadtrat Richard Lechner, SPD); Terminüberschneidungen mit Ratssitzungen sollten vorher abgeklärt werden (Erwin Kühnel, CSU), "dann braucht man sich nicht wundern, wenn wir Stadträte nicht kommen" - so geschehen zuletzt.

Und: Dr. Alois Kreitmeier (CSU) plädierte für einen Kostennachweis bezüglich des städtischen Zuschusses. Laut Kager werden bereits Abrechnungen dokumentiert. Eva Loos (SPD) sorgte sich, dass bei einer Fixierung des städtischen Zuschusses andere Ideen nicht mehr aufgenommen werden könnten. Letztlich nickte der Stadtrat die weitere Hilfe für die Nonfoktionale aber ab.

Elke Wrede-Knopp (Mangfall-Bote)

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