Stadtrat: Kritik an zu dichter Bebauung

Bad Aibling - Für Unmut sorgen derzeit Pläne zum Bau eines Mehrfamilienhauses in der Maillingerstraße. Vorgesehen ist auf einem Grundstück ein Siebenfamilienhaus mit Tiefgarage und Stellplätzen.

SPD-Stadtrat Richard Lechner befürchtet einen Präzedenzfall und stört sich an der seiner Ansicht nach extrem dichten Bebauung.Allein die Pläne, ein vergleichsweise großes Mehrfamilienhaus samt Tiefgarage auf dem rund 785 Quadratmeter großen Grundstück an der Maillinger Straße zu errichten, sorgen bei Stadtrat Lechner nicht für Freude - höchst verärgert zeigte sich der SPD-Vertreter allerdings über die Erteilung des Einvernehmens durch das Bauamt, erfolgt auf dem Verwaltungsweg. Seine Kritikpunkte: die enorme Bebauungsdichte und Versiegelung des Geländes, zum einen durch das Gebäude, zum anderen durch die Unterkellerung (Tiefgarage) und weitere oberirdische Stellplätze.

Das Procedere an sich, Verwaltungsweg statt Bauausschuss, ist rein formell durchaus im Rahmen der Möglichkeiten, daran zweifelt auch Lechner nicht. Denn: Entsprechend der Geschäftsordnung der Stadt kann die Verwaltung in der Tat über Vorhaben der Gebäudeklasse III bis zu einer Höhe von sieben Metern selbst entscheiden - was im aktuellen Fall knapp erfüllt werde (zwei Vollgeschosse plus Dachgeschoss), wie Stadtrat Lechner bemerkte. Die Anwendung in diesem Einzelfall sei jedoch nicht "im Sinne des Erfinders", bemängelte er, eine Behandlung im Bauausschuss wäre angebracht gewesen. Er ist davon überzeugt: Das Vorhaben füge sich nicht in die Umgebung ein.

Präzedenzfall geschaffen?

Die weitere Befürchtung Lechners, die er vor dem Hauptausschuss äußerte: Es könnte ein Präzedenzfall geschaffen worden sein. Nahezu das gesamte Grundstück werde durch das Vorhaben unterkellert, die im Bauantrag angegebene Grundflächenzahl von 0,37 sei nie und nimmer korrekt - "eher 0,8 bis 0,9, offenbar wurde die Tiefgarage nicht miteingerechnet." Lechner weiter: "Ist das im Sinne der Stadtplanung?"

Unterstützung erhielt der SPD-Stadtrat von Max Leuprecht (GOL), der auch auf die nicht abzuschätzenden ökologischen Konsequenzen verwies, falls dieses Beispiel Schule mache. "Sonst werden bald alle Grundstücke in dieser Dichte bebaut", befürchtete Leuprecht. Und auch er ist der Meinung: Eine Tiefgarage müsse als bebaute Fläche gewertet werden, im vorliegenden Fall sei unterschwellig die Baudichte erhöht worden. "Die bauliche Dichte müsste auf ein verträgliches Maß reduziert werden", so Leuprecht, der überdies für eine "aktive Stadtentwicklung" plädierte und eine entsprechende Diskussion im Stadtrat anregte mit Verweis auf den Stadtentwickungsplan (STEP).

Bauamtsleiter Andreas Krämer verteidigte indes die Linie der Verwaltung: Das Vorhaben füge sich durchaus in die Umgebung ein. Ein im Süden befindliches Grundstück sei gar noch dichter bebaut, erklärte er und verwies auf die Innenstadt-Lage.

Verfahren nach der Geschäftsordnung

Krämer weiter: "Wo soll denn sonst noch nachverdichtet werden, wenn nicht in der Innenstadt?" Das Verfahren habe überdies voll und ganz der Geschäftsordnung entsprochen, sämtliche Stellplätze seien nachgewiesen, die Baudichte sei dem Umfeld angepasst: "Es gibt keinen Anlass, anders zu entscheiden", zeigte sich Krämer überzeugt, der zudem auf die bereits erteilte Genehmigung durch das Landratsamt hinwies.

Gegenüber Leuprecht betonte der Bauamtsleiter zudem, sehr auf eine "ordentliche Stadtentwicklung" zu achten.

Seine grundsätzliche Haltung, bei Mehrfamilienhäusern Tiefgaragen zu fordern, brachte CSU-Stadtrat Konrad Gartmaier zum Ausdruck: Damit würde mehr Raum geschaffen, die Stellplätze nicht den gesamten Garten verdichten.

Eine ausführliche Stellungnahme der Bauverwaltung zum Projekt Maillingerstraße erwartet sich Lechner nun in der nächsten Bauausschusssitzung (öffentlich) am Dienstag, 14. September, ab 17 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.

Mangfall-Bote

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