Stadtrat rettet "Rechtschreib-Ehre"

Bad Aibling - Was ist eine Konzept-Vertiefung? Die Erklärung gab Kurdirektor Thomas Jahn in der Stadtratssitzung und präsentierte als Ergebnis ein neues Logo für die Stadt.

Man müsse mit der Zeit gehen, so sein Credo, und dies erfordere ein graphisch klares Logo.

Eine "Zeitreise" machte der vom alten aufs neue Logo übertragene Rechtschreibfehler - bei "Quellen für‘s Ich" (statt fürs) - auch. Er blieb. Schon zuvor im Hauptausschuss stieß diese Peinlichkeit auf. Nun rettete der Stadtrat seine Ehre und die der Stadt: Er entschied sich zwar mehrheitlich fürs neue Logo, aber nun mit richtiger Schreibweise ("fürs").

Seit 2003/04 gab es ein Stadt- beziehungsweise Aib-Kur-Logo, damals von einer Frankfurter Agentur entwickelt und als das Nonplusultra empfunden - eben hochmodern.

Im Jubiläumsjahr der Stadt 2004 wurde es modifiziert auf das 1200 Jahre-Ereignis, dann, seit 2005 - dem Jahr des Amtsantritts von Kurdirektor Jahn - wird überlegt und "gebastelt" an einem modernen Logo analog zu einem touristischen Vermarktungskonzept" mit einer neuen Dimension der Gastlichkei", so Jahn, wo ihm zufolge auch "der Claim abgesteckt wurde für den Untertitel "Quellen für"s Ich". Und damit der Aufnahme des Rechtschreibfehlers, den die Aib-Kur bis heute als "graphische Freiheit" erklärt.

Derweil ist die Therme gebaut, die mittlerweile ihr eigenes Logo hat, sich aber an dem von Stadt/Aib-Kur orientiere, so der Kurdirektor. Da Dinge immer in Fluss seien, müssten auch beim Logo Veränderungen Einzug halten und demzufolge habe man sich bei der Aib-Kur die Frage gestellt: "Passt das Label, das wir uns gegeben haben, noch zu dem, was wir nach außen präsentieren?"

Nein, ein Relaunch (Neustart) müsse her - eben ein Logo voller Klarheit, ohne Schnörkel, mit einfacher Farbgebung, ohne Punktverzierung über dem Schriftzug Bad Aibling und so weiter. All das sei in der Summe beim neuen Logo nun wesentlich eleganter.

Das fanden unter anderem auch Max Leuprecht (GOL) und Rudi Gebhart (ÜWG), während CSU-Stadtrat Konrad Gartmeier wohlwollend erklärte "genug gestritten übers Logo. Meinen Segen haben Sie", und auch Thomas Höllmüller (CSU) die Klarheit begrüßte - doch zugleich beim Kurdirektor einforderte: statt Werbeausdrücke wie Relaunch bitteschön Deutsch zu sprechen. Womit die Runde auch wieder beim Apostoph, dem falschen im für"s, war.

"Verzicht auf den Strich" - dieser Tenor machte sich nun breit. "Ob alt oder neu", so Richard Lechner (SPD) mit Blick aufs Logo samt dem falschen "für‘s", "deutschlandweit werden die Schulkinder mit dieser Schreibweise verdorben. Fürs wird nun mal zusammen geschrieben." Und an die Adresse Jahns: "Sie gehen ja auch nicht ins Bett mit Apostoph." Ergo beantragte Lechner, das Logo mit einem "fürs" zu versehen. Dies wurde mit der satten Mehrheit von 20:4 beschlossen, ebenso die Einführung des neuen Logos (17:7).

Gegen Letzteres hatte sich zuvor Erwin Kühnel (CSU) ausgesprochen. Er sah mit der Einführung eines anderen Logos Folgekosten (Umstellung) und konnte keinen zündenden Werbeschlag darin erkennen - zumal Jahn insistierte, dass man das neue Logo so wenig wie möglich verändert habe. Die Unterschiede entdecke man eigentlich nur, wenn alt und neu nebeneinander stünden.

Für Kühnel das Argument, es gar nicht erst einzuführen "wenn es ohnehin keinem auffällt. Dann können Sie es auch lassen." Er erinnerte den Kurdirektor im Übrigen an die nicht gerade geglückte Veränderung bei der Namensgebung des Kurhaus-Restaurants. "Café im Park" käme in der Bevölkerung nicht an, diese würde weiterhin vom "Allegro" sprechen. Dafür habe der Stadtrat seinerzeit auch munter diskutiert, die Aib-Kur allerdings sei nicht gesprächsbereit gewesen.

Im weiteren Verlauf der Sitzung tauchte das Restaurant thematisch noch einmal auf. Stadtrat Sepp Glaser (SPD) regte an, dass in einer der nächsten Ratssitzungen die Aib-Kur über den Eigenbetrieb im Kurhaus berichtet. Dem Vernehmen nach soll sich seit Übernahme der Gastronomie vor fünf Monaten ein dickes Minus aufgetan haben - mehrere zehntausend Euro.

Kritik übten die Ratsmitglieder Dr. Rainer Keller (SPD) und Stefan Roßteischer (ÜWG) an der Nichtpräsenz von Therme-Verantwortlichen beim kürzlichen Bäderlauf. "In der Bibel heißt es schon, wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Aber leider war die Therme nicht unter uns", so Dr. Keller. Es habe Gutscheine für die Thermencup-Gewinner von anderer Seite gegeben, aber nicht einmal eine kleine Aufmerksamkeit seitens der Therme Bad Aibling.

Auch Roßteuscher hieb in diese Kerbe: Nachdem man allgemein so begeistert gewesen sei über das Marketing-Konzept der Therme (vorgestellt vor kurzem im Stadtrat durch den Stadtwerkeleiter, wir berichteten), sei eine jetzige Anerkennung für die Läufer wohl nicht mehr nötig gewesen, monierte Roßteuscher.

Elke Wrede-Knopp/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © wikipedia

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