Startschuss für Sozialkaufhaus

+

Bruckmühl - Ein Projekt mit doppeltem Effekt: Im Sozialkaufhaus in Bruckmühl gibt es günstig Mobilar für Jedermann. Gleichzeitig wurden mit der neuen Einrichtung Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose geschaffen.

Am Dienstag eröffnete die Diakonie ihr Warenhaus der besonderen Art und ließ die Räume Am Eichpold 10 segnen.

"Stark für Andere" so lautet das Motto der Diakonie Rosenheim. Getreu diesem Leitspruch setzt man sich für sozial Schwächere ein, betonte Vorstandsvorsitzender Peter Selensky bei der Einweihung.

Lange habe man nach dem geeigneten Standort gesucht (wir berichteten). Dieser habe einige Kriterien wie Nähe zum Zentrum und eine gute Anbindung an Bus und Bahn erfüllen müssen. Die Marktgemeinde sei deshalb ausgesucht worden, um mit dem Sozialkaufhaus das Mangfalltal abzudecken. Als eine der größten Kommunen im Landkreis habe sich Bruckmühl zwischen Feldkirchen-Westerham und Bad Aibling gerade zu angeboten. "Außerdem haben wir hier schon viele Projekte in Zusammenarbeit mit der Gemeinde geschaffen. Ich denke beispielsweise an das Familien- und Jugendzentrum", erinnerte Selensky.

Einweihung Sozialkaufhaus

Das Klientel des Sozialkaufhauses lässt sich ihm zufolge in drei Bereiche teilen: Kunden, Beschäftigte und Lieferanten. Dass es letztere in Bruckmühl schon vor der Eröffnung gebe, beweise die Anlieferung von vier Anhängern voller Ware am Vortag. "Damit ist der Grundstein für das Kaufhaus bereits gut gelegt", so Selenksy nicht ohne Stolz bei einem Rundblick in die Räume.

"Wir wollen mit unseren Stellen Langzeitarbeitslosen wieder einen Arbeitsplatz geben", erläuterte der Vorstandsvorsitzende die Motivation. Zehn so genannte Zielgruppenbeschäftigte arbeiten ab sofort in Bruckmühl auf so genannter Ein-Euro-Job-Basis. "Hier geht es aber nicht ums Geld", legte Selensky gegenüber unserer Zeitung dar: Die Betroffenen erhalten wieder einen geregelten Alltag. Sie müssen pünktlich zur Arbeit erscheinen, ihre Tätigkeiten erledigen und bei Verhinderung eine entsprechende Entschuldigung vorlegen.

"Langzeitarbeitslose erhalten so wieder ein Selbstwertgefühl, trauen sich selbst wieder mehr zu und sind damit möglicherweise auch an anderen Arbeitsstellen willkommen", so der Diakonie-Vorstand. Im Kaufhaus werden die Arbeitslosen als Fahrer, Möbelpacker oder Verkäufer eingesetzt. Man arbeite schon seit Jahren auf diesem Sektor mit der Arbeitsgemeinschaft für Arbeit und Soziales (ARGE) Landkreis Rosenheim, welche seit 1. Januar Jobcenter Landkreis Rosenheim heißt, zusammen.

Diese Art der Arbeitsvermittlung habe sich bereits bei den bestehenden Sozialkaufhäusern in Wasserburg und Rosenheim bewährt. Doch diese Einrichtungen zeichnen sich nicht nur dadurch aus. Das zweite Standbein sind die Kunden und Lieferanten. "Jeder kann bei uns einkaufen, sozial Schwächere ebenso wie Schnäppchenjäger", betonte Selensky. Harald Neubauer, Leiter der Agentur für Arbeit Rosenheim, ergänzte: "Nicht jeder kann 1000 Euro für eine neue Couch oder dergleichen ausgeben. Hier gibt es gute Ware zu einem günstigen Preis."

Neubauer würdigte den Einsatz der Diakonie für den Menschen und führte gleichzeitig die niedrigen Arbeitslosenzahlen im Landkreis Rosenheim auf. Mit 2,9 Prozent stehe man mehr als nur gut da. Dennoch seien diese im Vergleich zu Land und Bund hervorragenden Zahlen kein Grund zum Ausruhen. "Wir wollen jeden Bürger unterstützen, denn es kann jeden aus gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Zwängen mit der Arbeitslosigkeit treffen", so der Chef der Agentur für Arbeit, der selbst Bruckmühler ist.

Bürgermeister Franz Heinritzi hieß die Verantwortlichen des Sozialkaufhauses als "entfernter Nachbar" des Rathauses willkommen. "Ich freue mich, dass dieses besondere Geschäft, in dem es nicht um Gewinn und Geld, sondern um Würde und den sozialen Aspekt geht, hier einen Standort gefunden hat."

Er ging überdies auf die Historie des Hauses ein. Dort war einst die Stickerei Zirger untergebracht - "in der Zeit, als die Textilbranche noch in Bruckmühl beheimatet war", so Heinritzi. Wie viele gut erhaltene Gegenstände auf dem Wertstoffhof landen würden, sprach er in diesem Zusammenhang ebenfalls an. "Oft wollen sich dann andere Wertstoffhof-Besucher diese aus den Containern fischen, was aber verboten ist", so Heinritzi.

Künftig könnten diese im Sozialkaufhaus abgegeben werden - zum Wohle desjenigen, der Sachen loswerden will, weil er für die Entsorgung nicht zahlen müsse und zum Wohle des Käufers. Der Bürgermeister überreichte zum Einstand das Gemeindewappen an Martin Gartmaier, Leiter des Kaufhauses und wünschte "Glück auf".

Pfarrer Harald Höschler und Pfarrer Titus Becze segneten die Räume und das Kreuz, das künftig im Kaufhaus hängen wird. "Es ist mittlerweile Brauch geworden, dass die Segnungen bei Neueröffnungen und dergleichen ökumenisch gemacht werden", betonte Pfarrer Höschler und sprach die Dankbarkeit Gott gegenüber und für das Leben an. Für ihn ist das Kreuz ein Zeichen der Solidarität Gottes mit den Menschen.

Gerade die Diakonie als Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirche lebe diese Solidarität, so Vorstandsvorsitzender Selensky abschließend. Montags, dienstags, donnerstags und freitags ist das Sozialkaufhaus Bruckmühl ab sofort von 9 bis 17 Uhr sowie mittwochs nur von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Warenspenden, die abgeholt werden müssen, sind bis auf Weiteres noch über Rosenheim unter Telefon 08031/ 28190 zu melden.

Mangfall-Bote

Zurück zur Übersicht: Mangfalltal

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT