Straßen: Todesfalle fürs Wild

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Jahr für Jahr fallen im Landkreis Rosenheim dem Straßenverkehr zahlreiche Wildtiere zum Opfer.

Rosenheim - Der Welttierschutztag am Sonntag mahnt zum artgerechten und respektvollen Umgang mit den Tieren. Eine nicht zu unterschätzende Gefahr für das heimische Wild stellt die zunehmende Zersiedelung der Landschaft dar.

Immer mehr Straßen zerschneiden die Lebensräume, so dass viele Tiere auf dem Asphalt den Tod finden.

3758 Stück Rehwild umfasst der gesamte „Abgang“ im Jagdjahr 2008/09 in den Hegeringen der Jägervereinigung Rosenheim. 504 dieser Rehe sind jedoch verendet, ohne dass ein Schuss abgegeben wurde. Der Tod ereilte die Tiere in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nicht im Wald, sondern auf der Straße - unter den Rädern eines Autos, bedauert der Vorsitzende der Kreisgruppe Rosenheim, Werner Zwingmann. Derzeit lebt das heimische Wild nach seinen Erfahrungen besonders gefährlich: Wenn die Bauern die Ernte eingefahren haben, Feld und Flur leer geräumt sind, suchen die Tiere nach neuen Einständen. Sie wechseln dabei in andere Lebensräume, wobei sie so manche Straße überqueren müssen - mit fatalen Folgen.

Fotostrecke: Bedrohte Tierarten

Tierarten kurz vor dem Aussterben

Einer der neuralgischsten Punkte im Landkreis Rosenheim stellt laut Zwingmann der Vogtareuther Wald dar: Zwar kennen viele Autofahrer, die regelmäßig auf dieser Verbindungsstraße zwischen Wasserburg und Rosenheim unterwegs sind, die Problematik des plötzlich im Scheinwerferlicht auftauchenden Wildes. Trotzdem wird auch in diesem Herbst hier so manches Tier wohl den Tod finden. Der Welttierschutztag, der traditionell am Gedenktag für den Heiligen Franz von Assisi und Schutzpatron der Tiere stattfindet, sollte auch für diese Gefahren sensibilisieren, so Zwingmann. Sein Appell: "Vorsichtig fahren in der Nähe von Waldgebieten." Abbremsen und sofort abblenden, lautet eine weitere Empfehlung. Wer das Licht aufblende, schocke das Wild, so dass es wie erstarrt auf der Straße stehen bleibe. "Außerdem muss jeder Autofahrer damit rechnen, dass einem Reh weitere folgen, denn das Wild flüchtet oft in Gruppen." Besonders intensiver Wildwechsel finde in der Dämmerung - morgens und abends - statt.

Kommt es zu einem Zusammenstoß, muss - nicht nur aus versicherungsrechtlichen, sondern auch aus Gründen des Tierschutzes - die nächste Polizeidienststelle informiert werden, erläutert Zwingmann die Vorgehensweise. Die Beamten setzen sich mit dem zuständigen Revierinhaber in Verbindung. Ist dieser nicht zu erreichen, stehen die Ordnungshüter in der Pflicht, das verletzte oder getötete Tier von der Straße zu bergen. Dies sollten Autofahrer nur dann selbst erledigen, wenn das Wild auf der Straße ein gefährliches Hindernis darstellt. Bei solchen Sicherungsvorgängen sollte man die Straße mit einem Warndreieck absichern und eine Warnweste anziehen.

Ein verletztes Wildtier - egal ob Reh oder Hasen, Füchs, Dachse oder Marder, könne in der Regel nicht ärztlich versorgt werden. "Tierschutz heißt in diesem Fall: dem Tier unnötige Leiden ersparen", betont der Vorsitzende der Jägervereinigung. Dies sei auch wichtig, wenn beispielsweise Füchse angefahren würden und es ihnen trotzdem noch gelinge, von der Straße zu flüchten. Denn häufig würden sie nur wenige Meter vom Unfallort entfernt elend verenden. Dieses Leiden könne ein Jäger ebenfalls verhindern, wenn er - etwa mit seinem Hund - die Fährte aufnehme.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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