Strom für 800 Haushalte im Jahr

Bad Aibling (MB) - Man traf sich quasi in der Mitte: Die Module im geplanten Solarpark Mietraching (B&O-Gelände) werden nicht maximal elf oder 9,50 Meter hoch, auch nicht die vom Bauausschuss empfohlenen 6,50 Meter.

Der Stadtrat revidierte Letzteres angesichts der technischen Erläuterungen von Diplom-Ingenieur Wolfram Schröder (B&O-Wohnungswirtschaft) und legte die Modulhöhe im Bebauungsplan "Solarpark" auf höchstens 8,50 Meter fest. Damit lässt sich arbeiten.

Zweifel hatte der Bauausschuss ohnehin schon an seiner festgelegten Maximalhöhe von sechs Metern gehegt ("Macht das überhaupt Sinn?"). In seinen Ausführungen bestätigte dies nun der Leiter der Abteilung Forschung, Entwicklung und Energieeffizienz, Schröder. Er umriss dabei noch einmal das Ziel - die Nullenergie-Stadt auf dem B&O-Gelände (wir berichteten) -, wozu der Solarpark (Naturkraft zu Architektur und energetischer Effizienz) beitragen soll.

Auf dem dafür vorgesehenen und insgesamt 59000 Quadratmeter umfassenden Areal sollen drei Zonen mit gestaffelten Modulhöhen von Ost nach West entstehen. Absichtlich in dieser Ausrichtung - damit die Satelliten-Empfangsantennen der Fernmeldeweitverkehrsstelle (BND) nicht durch mögliche Störfaktoren beeinflusst werden - aber zur Verwunderung von Stadträtin Anita Fuchs (Grüne). Sie hatte, wie insgesamt der Stadtrat, eine eher westliche Ausrichtung erwartet - wegen der Nutzbarkeit der Nachmittagssonne.

In der "Ostzone" des Solarparks bewegt man sich in der Schutzzone I. Eine Fläche, die frei von jeglicher Bebauung bleiben muss, wie Stadtrat Richard Lechner (SPD) anmerkte. Laut B&O-Geschäftsführer Dr. Karl-Josef Schaltenberg aber hat die Firma die Genehmigung der Bundeswehrverwaltung Süd eingeholt, zudem sei man mit der Fernmeldeweitverkehrsstelle im engen Gespräch.

Drei Modulfelder werden konzipiert: In Zone 1 (östlicher Bereich) ist eine fest installierte und 2,50 Meter aufgeständerte Anlage beabsichtigt, anschließend 4,50-Meter-Module und in Zone 3 eine Anlage mit maximal 8,50 Metern. Alle Felder sind laut B&O über 400 Meter weit von der Fernmeldeweitverkehrsstelle entfernt.

Die gesamte Fläche darunter bietet Schröder zufolge Freiraum genug, auch für landwirtschaftliche Maschinen, und ist daher voll und vielseitig nutzbar. Die Statik sei zudem bei den höchsten Modil-Bauwerken stabil - auch sie würden bei Sturm eine nur minimale Angriffsfläche bieten (Anfrage Thomas Höllmüller, CSU).

Die Firma B&O installiert die Anlagen nicht selber, sie stellt ihre Fläche Investoren zur Verfügung. Bei dieser Anfrage hatte Dr. Birgitt Matthias (SPD) daran erinnert, dass die Bundesregierung Subventionskürzungen für Solarstromanlagen vornehmen will (nur Neuanlagen). Die Zeit dränge also.

Für Freiflächen soll die Kürzung der Fördermittel nach den Plänen von Bundesumweltminister Norbert Röttgen ab Juli gelten und für Anlagen auf Ackerflächen etwa 25 Prozent betragen (Dachanlagen ab April: 15 Prozent Kürzung). Auslöser für die Pläne war ein Preissturz bei Solaranlagen, der die Renditen der Betreiber steigerte. Nun will das Ministerium über reduzierte Vergütungssätze für Solarstrom gegensteuern und diese den gesunkenen Preisen für Fotovoltaik-Anlagen anpassen.

Eingespeist wird der Mietrachinger Strom aus der Solarenergie künftig in Adlfurt - da aus technisch-wirtschaftlicher Sicht der beste Standpunkt - und zwar ins Eon-Netz, wie mit den Stadtwerken Bad Aibling vorher abgeklärt. Die sind darüber nicht ungehalten, hat man doch als Netzbetreiber mehr Lasten als Nutzen.

Laut Diplom-Ingenieur Schröder sollen durch den gewonnenen Solarstrom einnes Tages 800 Haushalte versorgt werden - basierend auf dem Durchschnittsverbrauch von 3000 und 4000 Kilowatt pro Jahr und Haushalt (drei bis vier Personen).

Der Stadtrat war sich am Ende der kurzen Präsentation einig: "Die im Bebauungsplan getroffene Festsetzung mit einer maximalen Höhe für Fotovoltaik-Module von 9,50 Metern auf 8,50 Meter ist zu reduzieren", beschloss er einstimmig und legte gegenüber dem Bauausschuss damit die von B&O präferierte Höhe der Module neu fest.

Mit der Einleitung des Verfahrens wurde auch der Flächennutzungsplan geändert. Nächster Schritt: Offenlegung des Bebauungsplans mit Beteiligung von Bürgern und Behörden.

Elke Wrede-Knopp (Mangfall-Bote)

Rubriklistenbild: © dpa

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