Lkw-Zufahrt statt „Moor-Pipeline“

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Das Moorbadehaus ragt über den Triftbach hinaus. Beliefert werden soll es per Lkw (rechts).

Bad Aibling - Das schwarze Gold soll sich in Bad Aibling wieder etablieren. Ein modernes Konzept sieht die Einbindung eines Moorbadehauses in das Thermengelände vor.

Während die Stadtwerke derzeit dabei sind, diverse technische Hindernisse aus dem Weg zu räumen, bewegen bereits Themen wie Ticketregelung, Moortemperatur und der richtige Umgang mit dem natürlichen Heilmittel die Gemüter die Stadträte.

Eines der Hauptprobleme dreht sich laut Stadtwerkeleiter Fritz-Walter Keilhauer rund um die Anlieferung des Moores. Verworfen habe man Variante eins, die einen unterirdischen Transport vom Betriebshof bis zum Thermengelände vorsah: "Da das Moor ziemlich zähflüssig ist, bräuchte man dazu eine aufwändige Fördertechnik. Außerdem müsste im E-Werkhof noch ein Bauwerk errichtet werden für die Technik, mit der man das angelieferte Moor flüssig halten kann", erläuterte Keilhauer im Stadtrat.

Stimmungsvoll am Triftbach gelegen: das geplante Moorbadehaus auf dem Gelände der Therme Bad Aibling.

Als ebenfalls aufwändig, teuer und störanfällig bezeichnete er Variante zwei, bei der das Moor von der Soinstraße aus über den Triftbach gepumpt werden würde. Zudem seien dort Probleme mit den Anwohnern voraussehbar, da die Pumpen sehr laut seien und auch nicht, wie von Stadtrat Markus Stigloher (CSU) angeregt, eingehaust werden könnten. Hinzu komme, dass die bei dieser Lösung erforderliche Rohrbrücke allein schon mit 80.000 bis 100.000 Euro zu Buche schlagen würde.

Die nun favorisierte Variante drei sieht die Anlieferung mittels Lkw über die Feuerwehrzufahrt vor, die allerdings noch befestigt werden müsste: "Der vorhandene begrünte Schotter würde die zwei bis drei Lieferungen pro Woche nicht aushalten", erklärte Keilhauer.

Der Lkw könnte im E-Werkhof wenden und dann rückwärts auf zwei Spuren bis zum Moorhaus fahren. Keilhauer kündigte aber gleich an, dass man in der Entstehungsphase die Triftbachsauna für einige Zeit sperren müsste. "Das geht leider nicht anders."

Zudem ging er auf das Technikkonzept des Moorhauses ein. Hier habe man viele Fragen mit einem Fachmann aus Bad Feilnbach abklären können und sei auf einem guten Weg. Wie man denn die Temperatur des Moores regeln werde, wollte hier zum Beispiel Dr. Reiner Keller (SPD) wissen. Laut Keilhauer wird es mit 42 bis 45 Grad angeliefert und soll dann mittels Abwärme temperiert werden.

Da der Besuch des Moorhauses nur in Kombination mit einer Thermeneintrittskarte möglich sein wird (Anfrage Rudi Gebhart, ÜWG), sorgte sich Thomas Höllmüller (CSU) um die Gesundheit der Besucher, wenn diese nach einem Moorbad nicht die üblicherweise erforderliche Nachruhe einhielten, sondern den Kreislauf danach auch noch beim Thermenbesuch belasteten.

Keilhauer gab Entwarnung: "Der Ablauf wird so gesteuert, dass ein Moorbad erst am Schluss des Thermenbesuchs stattfindet - der Betreiber wird den Badegästen die entsprechenden Verhaltensregeln erläutern und die Moorbademeister werden nach dem Moorbad auf die erforderliche Ruhe hinweisen."

Nicht teilen mochte der Stadtwerkeleiter die Befürchtung von Höllmüller, dass viele Interessierte ausbleiben könnten, weil eine separate Nutzung des Moorhauses nicht möglich sei.

Finanzen anderer Art beschäftigten Stefan Roßteuscher (ÜWG). Er finde es zwar toll, dass sich das Moor in Bad Aibling wieder etwas etabliere. Doch: "Kommen da nicht wieder höhere Kosten auf die Stadt zu? Kann man abschätzen, in welcher Größenordnung die sich bewegen und wird dann auch der Stadtrat darüber abstimmen?" Laut Keilhauer wird der Beautykuppelbetreiber MMKS die Miete für 20 Jahre im Voraus zahlen und dabei bis zu einem Betrag von 750000 Euro gehen. Dadurch könne ein Großteil der Bausumme abgedeckt werden. Den Rest würden die Stadtwerke tragen, wobei man hoffe, bei den Baukosten unter der Eine-Million-Euro-Grenze bleiben zu können.

Ebenso wie Bürgermeister Felix Schwaller zeigte sich der Stadtwerkeleiter überzeugt davon, dass das Moor eine Renaissance erlebe und sich die Investitionen rechnen werden. Seit Bekanntwerden des Vorhabens auf dem Thermengelände gebe es immer wieder Anfragen von Interessierten, die enttäuscht reagierten, wenn sie hörten, dass das Projekt noch in der Planung stecke

Denn derzeit wird erst die Genehmigungsplanung erstellt. Voraussichtlich werde man diese im Januar einreichen und könne, wenn alles gut laufe, Mitte 2011 mit den Vertragsverhandlungen beginnen. Keilhauer: "Ende 2011 oder eher Mitte 2012 könnten wir dann in Betrieb gehen".

Am Ende der Diskussion wollte Dieter Bräunlich (ÜWG) wissen, ob es etwas Neues hinsichtlich des Thermalwasseranteils in der Therme gebe, der Gerüchten zufolge lediglich zwischen drei und fünf Prozent liege. Dem widersprach Keilhauer nicht - die Anlage befinde sich immer noch in der Umbauphase und man könne momentan den Anteil nicht erhöhen. Derzeit werde die Ultrafiltrationsanlage auf Kosten des Herstellers wieder ausgebaut. Man stehe auch in Kontakt mit der Therme in Bad Wörishofen, die mit genau den gleichen Problemen zu kämpfen habe.

re/Mangfall-Bote

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