Was wird aus den Zivis?

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Altötting/Mühldorf - Der Plan von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, die Wehrpflicht auszusetzen, hätte auch Folgen für den Zivildienst.

"Wir sind natürlich überhaupt nicht begeistert von den Plänen von Herrn Guttenberg", meint Boris Hillmann, Pressesprecher beim Kreisverband Mühldorf des Bayerischen Roten Kreuzes. Erst zum 1. Juli sei ein neues Modell beschlossen worden, das die Pflichtzeit für Zivildienstleistende von neun auf sechs Monate verkürze. "Dieses Modell ist noch gar nicht richtig umgesetzt, da kommt schon ein neuer `Schlag´. Wir brauchen Planungssicherheit im sozialen Bereich", so Hillmann. Derzeit herrsche aber eher eine "Hin-und Her-Politik".

In ganz Bayern traten beim BRK zum 2. August insgesamt 196 Zivis ihren Dienst an, vor einem Jahr waren es 242. Im Kreisverband Mühldorf gibt es derzeit zehn Zivis, die im Rettungsdienst, in der Verwaltung und im Patientenfahrdienst tätig sind. 15 junge Menschen leisten im Landkreis Altötting den sozialen Dienst beim Roten Kreuz. Ab 1. September kommen dort noch fünf dazu.

Herbert Späth vom Caritas Zentrum Mühldorf.

"Der Zivildienst motiviert viele junge Menschen, im sozialen Bereich zu bleiben. Bei uns dürfen sie gleichzeitig eine Rettungssanitäterausbildung machen", erklärt Hillmann. Nur ein Zivildienstleistender ist derzeit im Caritas Zentrum in Mühldorf anzutreffen. "Wir wissen ihn sehr zu schätzen und sind froh, dass er da ist", meint Geschäftsführer Herbert Späth. Viele junge Männer würden keinen Zivildienst leisten, wenn sie nicht müssten. "Wenn sie aber erstmal da sind, ist es ein Gewinn für sie", betont Späth. Grundsätzlich spiegle der Zivildienst eine Win-Win-Situation sowohl für den Zivi, als auch für die soziale Einrichtung wider.

Aber nicht nur Zivis, auch die Kathastrophenschutzverpflichteten wären von einer Aussetzung der Wehrpflicht betroffen. Sie sind vom Wehr- und Zivildienst befreit und können einem Beruf nachgehen. Sie verpflichten sich aber dafür für sechs Jahre, an diversen Übungen und Einsätzen des BRK teilzunehmen. "Wird die Wehrpflicht ausgesetzt, wären die K-Schutz-Helfer von einem Tag auf den anderen weg. Das würde alle Hilfsorganisationen betreffen", ist sich Hillmann sicher.

"Ich kann nicht erkennen, dass in irgendeiner Form ein Konzept für eine Alternative ausgearbeitet worden ist, zum Beispiel den Freiwilligen-Dienst oder das FSJ auszubauen", so Hillmann weiter. Für Herbert Späth vom Caritas Zentrum ist die einzig sinnvolle Lösung ein Pflichtjahr für alle jungen Männer einzuführen. "Besonders Männer haben oft keinen Zugang zum sozialen Bereich. Sie sollten aber in jedem Fall Erfahrungen darin sammeln."

Fallen die Zivis und die K-Schutz-Helfer wirklich künftig wegfallen, werden soziale Dienstleistungen schlicht teurer. "Im Rettungsdienst sind momentan beispielsweise 20 Prozent Ehrenamtliche. Wenn diese mit bezahlten Kräften ausgeglichen werden müssten, werden wir als Beitragszahler der Krankenkassen sehr viel Geld mehr für den Rettungsdienst bezahlen müssen. Gleiches gilt für die Pflegeheime", sagt Hillmann.

Am 6. September kommt der Verteidigungsminister nach Waldkraiburg. Beim Zukunftsforum von CSU-Bundestagsabgeordnetem Stephan Mayer wird zu Guttenberg seine Pläne zum Thema "Wie sieht die Zukunft der Bundeswehr aus" ausführen. Beginn ist um 18 Uhr im Haus der Kultur.

Anette Mrugala

Rubriklistenbild: © Anette Mrugala

Zurück zur Übersicht: Mangfalltal

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser