"Obacht ist durch nichts zu ersetzen"

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Rosenheim - Nach dem tödlichen Bade-Unfall eines Vierjährigen im Freibad rätseln die Verantwortlichen: Wie konnte das passieren? Der Geschäftsführer der Stadtwerke Rosenheim, Dr. Götz Brühl, äußert sich dazu. 

Den heißen, sonigen Tag verbrachten Mutter und Sohn im Kleinkinder-Bereich im Rosenheimer Freibad. Kleinkinder-Bereich, das heißt sehr flaches Wasser. Da kann nichts passieren, denkt man.

Plötzlich aber ist der Bub weg. Verzweifelt suchen Mutter und andere Badegäste nach dem Kind. Ein Gast entdeckt den Jungen dann zehn Minuten später - im Nichtschwimmerbecken. Er treibt leblos im Wasser.

Noch während der Schwimmer den Jungen aus dem Wasser zieht, ruft er um Hilfe. Der Schwimm-Meister ist sofort zur Stelle. Die Wiederbelebung beginnt, Sanitäter sind auch schon da. Nur knapp zwei bis drei Minuten nach der Alarmierung ist auch der Krankenwagen vor Ort und bringen den Buben in die Klinik. Trotz sofortiger Maßnahmen verstirbt er am Morgen darauf.

Wie konnte das alles passieren?

Es gibt eine Überwachungskamera im Freibad. An einem Beckenende soll sie einen Überblick über das ganze Bassin verschaffen. Dr. Götz Brühl, Geschäftsführer der Stadtwerke Rosenheim, schildert die Situation im Interview mit rosenheim24 so: Die Kamera macht nur alle sechs Sekunden ein Bild. Den Unfall am Mittwochabend hat sie nur vom gegenüberliegenden Beckenrand aufgenommen. Damit ist nicht zu erkennen, wie der kleine Junge in das Becken gekommen ist - ob hineingefallen oder gesprungen.

Was allerdings ganz deutlich auf den Videos zu erkennen ist: Die Menschentraube, die sich bildet, als der Badegast den Buben aus dem Wasser holt und die Retter mit der Wiederbelebung beginnen.

Das Freibad am Tag nach dem Unfall:

Das Freibad am Tag nach dem Unfall

Dr. Brühl: "Es ist auch schwer für die Gäste zu erkennen, ob der Junge plantscht und taucht, oder ob er wirklich in Gefahr ist."

Laut Dr. Brühl wird jetzt die Abgrenzung zwischen dem Kleinkinder-Bereich und dem Nichtschwimmerbecken durch einen Zaun verstärkt. "Die Hecke ist noch nicht hoch genug. Außerdem werden wir über weitere Sicherheitsmaßnahmen beraten."

Dieser Unfall war der erste tödliche Bade-Unfall in der Geschichte des Rosenheimer Freibads. "Unsere Angestellten, die gestern vor Ort waren, sind am Ende", so Götz Brühl. Seiner Einschätzung zufolge war genug Personal vor Ort. Und: "Der Mutter kann man ebenfalls keinen Vorwurf machen."

Der Betrieb im Freibad läuft indes weiter. Die Unfallstelle ist wieder frei.

Lesen Sie hier die Pressemeldung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd:

Am Mittwoch, 14. Juli 2010, kam es im Freibad in Rosenheim zu einem tragischen Badeunfall. Ein 4-jähriger Junge kam dabei ums Leben.

Eine 42-jährige Rosenheimerin vermisste gegen 18 Uhr ihren vierjährigen Sohn. Zusammen mit dem Bademeister und einigen Badegästen suchte sie am Gelände nach dem Kind.

Etwa um 18.10 Uhr entdeckten Badegäste den leblosen Körper des Jungen im Wasser und holten ihn aus dem Schwimmbecken. Ersthelfer begannen sofort mit der Reanimation des Bewusstlosen. Nach Versorgung durch den alarmierten Notarzt und Rettungsdienst wurde der Junge ins Klinikum eingeliefert. Dort verstarb er trotz intensiver ärztlicher Bemühungen am Donnerstag in den frühen Morgenstunden.

Zur Klärung des genauen Unfallherganges hat die Kriminalpolizei Rosenheim die Ermittlungen aufgenommen.

Aus Mitgefühl an die Eltern und Angehörigen wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.

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OVB24-Redaktion

Rubriklistenbild: © Reisner

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