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Neue Betrugsmasche am Telefon

Üble Abzocke: Wie ein Ehepaar aus Tuntenhausen fast einen Stromvertrag abgeschlossen hätte

Den Strom für ihr Licht hätte Kerstin Groeper beinahe von einem anderen Anbieter bekommen – ohne ihr Wissen. Solche Betrügereien sind kein Einzelfall.
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Den Strom für ihr Licht hätte Kerstin Groeper beinahe von einem anderen Anbieter bekommen – ohne ihr Wissen. Solche Betrügereien sind kein Einzelfall.

Bruno Schmäling und Kerstin Groeper wären beinahe einer Betrugsmasche zum Opfer gefallen. Ihr angeblicher Stromanbieter rief an und verlangte nach ihrer Zählernummer. Das kam den beiden seltsam vor. Ein Anruf bei den Rosenheimer Stadtwerken brachte ans Licht, dass der Versorgen gar nicht angerufen hatte.

Tuntenhausen – Die Frau rief zuerst bei Bruno Schmäling an, auf seiner Firmennummer. Bereits da sei der 67-Jährige „extrem misstrauisch“ geworden. Er fragte sich, wie die Stadtwerke auf seine Firmennummer kommen. Denn der Stromvertrag läuft auf ihr Privathaus in Hohentann bei Tuntenhausen. Deshalb hat das Ehepaar auch nur die private Telefonnummer angegeben. Weil sich seine Frau um den Strom kümmert, gab er ihre Nummer jedoch an die Anruferin weiter.

Angebliche Computerprobleme

„Sie hat sofort bei mir angerufen und mir einen günstigeren Tarif angeboten“, sagt Kerstin Groeper. Die Frau habe ihr dann auch erklärt, dass es Computerprobleme im Unternehmen gebe und sie deshalb die Zählernummer und den Zählerstand benötige. Das fand die 60-Jährige „total ungewöhnlich“. Normalerweise bekomme sie im Dezember eine Karte von den Stadtwerken zugeschickt, auf der sie alles eintragen muss. Torsten Huffert von den Stadtwerken Rosenheim bestätigt das: „Um den Zählerstand zu erfragen, kontaktieren wir unsere Kunden schriftlich.“ Vertragsdaten wie die Zählernummer seien dem Unternehmen ohnehin bekannt. Deshalb würden die Stadtwerke nie anrufen, um diese zu erfahren.

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Anruferin wich von „standardisierten Sätzen“ ab

Die 60-Jährige lag also richtig mit ihrem Misstrauen gegenüber der ominösen Anruferin. Die sei jedoch hartnäckig und aufdringlich gewesen, wollte einfach nicht aufgeben. „Es hat mich total geärgert, dass ich jetzt sofort in den Keller gehen sollte“, sagt Groeper. Dafür sei sie „schlichtweg zu faul“ gewesen. Die Schriftstellerin habe gerade an etwas gearbeitet, wollte die Aufgabe nicht einfach unterbrechen und sei im Stress gewesen. Dennoch habe die Anruferin sie weiter gedrängt. „Wäre sie seriöser gewesen, hätte sie gesagt: Ich melde mich nachher nochmal“, sagt die 60-Jährige. Doch das wollte sie nicht tun, wurde „schnippisch“ und habe plötzlich schlechtes Deutsch gesprochen. Wenn Groeper mit Mitarbeitern der Stadtwerke telefoniert, dann klinge das immer „ziemlich bayrisch“. Sie vermutet, dass die Anruferin von ihren „standardisierten Sätzen“ abweichen musste.

Mit der Zählernummer können Betrüger Verträge umschreiben

Dann habe sie der Frau gesagt, dass sie sich bei den Stadtwerken erkundigt, ob das seine Richtigkeit hat. Sie könne sich in einer halben Stunde noch einmal bei ihr melden. „Sie hat natürlich nicht wieder angerufen“, sagt Groeper. Eine Mitarbeiterin der Stadtwerke sei auf ihre Nachfrage „aus allen Wolken gefallen“ und hätte ihr mitgeteilt, dass es richtig war, die Zählernummer nicht herauszugeben. Denn das kann gefährlich werden.

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„Wenn die Betrüger die erforderlichen Daten haben, leiten sie unter Umständen einen Anbieterwechsel ein, ohne dass der Kunde es will“, sagt Huffert. Mit der Zählernummer und der Anschrift der Kunden könnten die Betrüger deren bestehenden Vertrag ohne Unterschrift und Zustimmung auf einen neuen Stromanbieter umschreiben und ihnen so einen neuen Vertrag „unterschieben“.

„Ein richtiges Callcenter“ im Hintergrund

Groeper war darüber sehr überrascht. „Das war so harmlos. Es war mir nicht klar, dass mir dadurch ein Schaden entstehen kann“, sagt die 60-Jährige. Hätte sie die Daten herausgegeben, sei sie „aus der Nummer nicht mehr so einfach rausgekommen.“ Nun will sie andere Bürger in der Region warnen und so vermeiden, dass andere auf die Betrüger reinfallen. Denn im Hintergrund habe sie viele andere Gespräche wahrgenommen. „Da war ein richtiges Callcenter zu hören“, sagt die 60-Jährige.

Das rät die Verbraucherzentrale.

Auch ihr Mann ist schockiert von einer solchen Arbeitsweise: „Mich würde interessieren, welcher Anbieter mit solchen kriminellen Methoden arbeitet.“ Das haben die beiden glücklicherweise nicht auf schmerzhafte Weise herausgefunden. Sie sind den Betrügern gerade noch entwischt. „Meine Faulheit hat uns davor gerettet“, sagt Kerstin Groeper und lacht ins Telefon.

Tipps bei Betrugsanrufen

Torsten Huffert ist Bereichsleiter für den Vertrieb bei den Stadtwerken Rosenheim und rät Bürgern bei Betrugsanrufen einfach das Gespräch zu beenden. „Niemals persönliche Daten weitergeben“, ergänzt der Experte. Sollten Menschen Anrufe „komisch vorkommen“ oder Zweifel haben, sollten sie sich an ihren Stromanbieter wenden. Ist jemand dennoch in die „Telefonfalle getappt“, könne der Vertrag nach den gesetzlichen Regelungen widerrufen werden. Die Frist beträgt 14 Tage ab Vertragsschluss.

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