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„Gelbe Trasse“ zwischen Ostermünchen und Grafing kommt

Brenner-Nordzulauf: Lokal-Politiker wüten nach Entscheidung - „Schlag ins Gesicht“

DB stellt Auswahltrasse für Brenner-Nordzulauf vor
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Matthias Neumaier (r) von der Deutschen Bahn stellt während einer Pressekonferenz den Plan für die Trasse der Neubaustrecke des Brenner-Nordzulaufs vor.

Mehr Güter auf die Schiene: Der Brenner Basistunnel soll in Zukunft die Autobahn über die Alpen entlasten. Doch der Bau neuer Gleise sorgt in Bayern seit langem für Proteste. Auch die Pläne für das letzte Teilstück kommen in der Region gar nicht gut an.

Ebersberg - Es klingt nach Frische und Urlaub: „Limone“ nennt die Deutsche Bahn (DB) ihre favorisierte Trasse für das letzte Teilstück des Brenner-Nordzulaufs nördlich von Rosenheim. Am Mittwoch stellte die Bahn den Streckenverlauf für die neuen Gleise vor, mit dem sie nun in die weitere Planung gehen will. In der Region stoßen die Pläne auf scharfe Kritik.

Neue Gleise sollen westlich der bestehenden Bahnstrecke verlaufen

Die neuen Gleise zwischen Ostermünchen im Landkreis Rosenheim und Grafing im Landkreis Ebersberg sollen weitgehend westlich der bestehenden Bahnstrecke laufen. Die Trasse „Limone“ - in DB-Plänen gelb gezeichnet - sei nicht die günstigste, aber die ausgewogenste und verträglichste Trasse, sagte DB-Projektleiter Matthias Neumaier. „Sie stellt eine Umfahrung dar und vermeidet Ortsdurchfahrten. So reduzieren wir den Lärm für die Menschen in der Region.“

Das sehen Anwohner und Politiker in der Region anders. Sie kündigten Widerstand an. Der Ebersberger CSU-Landrat Robert Niedergesäß und der CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Huber sprachen von einem „Schlag ins Gesicht“ der Menschen vor Ort.

„Wir sind entsetzt“

„Wir sind entsetzt darüber, mit welcher Arroganz und Ignoranz sich die Bahn über die gemeinsamen Vorschläge von Kreistag, Gemeinden, engagierten Bürgern und Landwirtschaft für einen bestandsnahen Ausbau hinwegsetzt“, sagte Niedergesäß. Der CSU-Bundestagsgeordnete Andreas Lenz aus Ebersberg ergänzte: „Infrastrukturprojekte kann man nur mit, nicht gegen die Bevölkerung durchsetzen.“

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sagte, es sei hilfreich, dass nun Klarheit über die Pläne der Bahn herrsche. „Andererseits sind wir enttäuscht, dass die Bürgervariante nicht den Vorzug bekommen hat.“ Die Staatsregierung setze sich dafür ein, dass nur eine möglichst anwohner- und umweltschonende Variante umgesetzt werde - „sofern der Bund denn auch den Bedarf für dieses Infrastrukturprojekt wirklich nachweist“. Ob der gesamte milliardenschwere Neubau von Grafing bis zur österreichischen Grenze überhaupt nötig ist, darüber wird seit Jahren gestritten.

Landrat kündigt Widerstand an

Positiv äußerte sich der Vorsitzende der Grünen in Bayern und Kreisrat in Ebersberg, Thomas von Sarnowski: „Reisende und Güter können mit der neuen Schienenverbindung klimaneutral und rasch von Bayern nach Italien kommen“, lobte er. Landrat Niedergesäß kündigte hingegen Widerstand an. „Wir werden uns gemeinsam dafür einsetzen, dass die jetzt im Raum stehende Lösung nicht das letzte Wort bleibt. Die Bahn meint, sie sei am Ziel ihrer Planung angekommen, wir sagen: zurück auf Los.“

Fünf Vorschläge hatten auf dem Tisch gelegen. Politiker der Region favorisieren - wenn ein Neubau nötig sein sollte - eine Trasse entlang der bestehenden Strecke. Diese Möglichkeit hatte die Bahn nach heftigen Protesten im März aufgenommen und als türkise Variante - neben gelb, pink, rot und orange - in den Plänen nachgetragen.

Politiker sprechen von „Einkesselung“ von Gemeinden

Mit der nun gewählten gelben Variante würden einige Siedlungen zwischen zwei Gleissträngen liegen. Örtliche Politiker hatten schon früher von einer „Einkesselung“ gesprochen. Der Grafinger Bürgermeister Christian Bauer (CSU) nannte die Wahl der Bahn „keine gute Lösung“ und forderte erneut den Ausbau an der Bestandsstrecke. „Das Dialogverfahren ist ein Witz. Alle Beteiligten sind entsetzt.“

DB-Projektleiter Neumaier betonte hingegen, die Wahl sei aufgrund einer objektiven Beurteilung anhand von 14 Hauptkriterien getroffen worden. Demnach habe die Variante „Limone“ insbesondere bei der Frage nach Lärm und Erschütterungen am besten angeschnitten, die türkise Variante hingegen am schlechtesten. Tunnel und Einschnitte schonten bei „Limone“ das Landschaftsbild und wirkten positiv auf die Ausbreitung des Schalls, betonte Neumaier.

Bahn geht auf rund 200 Vorschläge ein

Laut Bahn gingen für das letzte Teilstück aus der Region rund 200 Vorschläge für einen Trassenverlauf ein, 27 hätten sich auf die bestehende Strecke bezogen. Ob es noch ein Raumordnungsverfahren geben wird, in dem betroffene Verbände, Anwohner und Kommunen ihre Kritik einbringen könnten, muss die Regierung von Oberbayern entscheiden.

Die gut 15 Kilometer lange Trasse schließt die letzte Lücke der geplanten Bahnstrecke bis zur österreichischen Grenze als Zubringer zum Brenner Basistunnel, an dem in Österreich und Italien gebaut wird.

Bürgerinitiativen kämpfen auch gegen den südlichen Teil des Brenner-Nordzulaufs von Rosenheim bis Österreich. Für diesen Bereich hat die Bahn schon eine favorisierte Trasse vorgestellt. Sie will nun die Planungen für beide Trassen bis 2024 weiter führen. Voraussichtlich 2025 soll der Bundestag darüber entscheiden. Etwa 2040 könnten laut Bahn erste Züge auf der umstrittenen Strecke rollen. Der Brenner Basistunnel soll schon 2032 fertig werden.

Sabine Dobel, dpa

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