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Ortschef über Nordzulauf und neue Ortsmitte

Ostermünchen – ein Ort geteilt in Existenzangst und Vorfreude

Ostermünchen ist nicht nur der Brenner-Nordzulauf, es ist auch eine neue Ortsmitte, die Bügermeister Georg Weigl am Modell präsentiert. Kaum ein Kilometer Luftlinie trennt im Ort die Menschen in jene mit Existenzangst und jene mit Vorfreude.
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Ostermünchen ist nicht nur der Brenner-Nordzulauf, es ist auch eine neue Ortsmitte, die Bügermeister Georg Weigl am Modell präsentiert. Kaum ein Kilometer Luftlinie trennt im Ort die Menschen in jene mit Existenzangst und jene mit Vorfreude.

Mit Ostermünchen verbinden sich zwei gegensätzliche Seiten. Großflächige Zerstörung von persönlichen Existenzen und wertvoller Landschaft durch den Brenner Nordzulauf auf der einen Seite. Und eine neue Mitte, die mit bezahlbarem Wohnen, Bürgerladen, Ärzten, Apothekern und Seniorenwohnformen neues Leben in den Ort bringt.

Tuntenhausen – Im Interview spricht Bürgermeister Georg Weigl über den in Existenzangst und Vorfreude geteilten Ort.

Die Zukunft Ostermünchens wird vom Brenner-Nordzulauf beschnitten. Wie sehen die aktuellen Planungen aus?

Georg Weigl: Aktuell kann man nur von einer Verhinderungsplanung sprechen. Nach ihren jüngsten Untersuchungen hat die Deutschen Bahn festgestellt, dass ein 30 Meter tiefer und 40 Meter breiter Trog in Ostermünchen zu teuer wäre. Meiner Meinung nach wird hier etwas konstruiert, was sowieso nicht funktioniert. Für mich ist ein Trog auf freiem Feld eine unsinnige Planung.

War nicht auch schon die Rede von insgesamt sechs Neubautrassen bei Aubenhausen?

Georg Weigl: Das ist eine der beiden vorher diskutierten violetten Varianten. Zwei oder vier Neubaugleise und dazu noch zwei Überholgleise auf Höhe von Aubenhausen. Es gibt keine klare Positionierung zum Erhalt der Bestandsstrecke. Im schlimmsten Fall bekommen wir also sechs Neubaugleise und eine Verknüpfungsstelle, verlieren aber die Bestandsstrecke und unseren Bahnhof in Ostermünchen.

Das wäre ein immenser Eingriff in die Natur und ins Leben der Menschen.

Georg Weigl: Allein in unserer Gemeinde würde sich das Gebiet von Aubenhausen über Brettschleipfen, Berg, Stetten und Ostermünchen bis nach Weiching auf einer Breite von etwa 60 Metern über mindestens zehn Jahre in eine einzige Großbaustelle mit immensen Erdbewegungen verwandeln. Dieses Projekt würde zahlreichen Landwirten die Existenz rauben und das gesellschaftliche Leben in Ostermünchen zerstören.

Was fordern Sie?

Georg Weigl: Die einzige Rettung für unsere Dörfer und unsere Menschen entlang der Trasse wäre ein Tunnel. Deshalb fordern wir konsequent die bergmännische Untertunnelung, den Erhalt und die Auslastung der Bestandsstrecke sowie die Verlagerung der Verknüpfungsstelle gen Norden – etwa in den Bereich zwischen den Bahnbrücken in Weiching. Wir sind auf allen Ebenen aktiv – in Bürgerinitiativen, Dialogforen, Landkreis, Bayerischem Bauernverband, der Regierung Oberbayerns und dem bayerischen Verkehrministerium. Wir fordern zudem, dass sich die Bahn von Planungsräumen verabschiedet und die gesamte Strecke von Grafing bis Kiefersfelden betrachtet.

2025 entscheidet der Bundestag über den Bau des Brenner-Nordzulaufs.

Georg Weigl: Dass es eine Neubautrasse geben wird, ist uns bewusst. 116 der 735 Bundestagsabgeordneten kommen aus Bayern. Es bleibt uns also nicht mehr viel Zeit, unseren Kernforderungen bis nach Berlin Gehör zu verschaffen, wenn wir unsere Heimat retten wollen.

Kaum einen Kilometer Luftlinie entfernt – zwischen Fritz-Schäffer-Straße, Niedergartenweg, Schulzentrum und Dahlienweg – sieht die Zukunft des Ortes weitaus besser aus.

Georg Weigl: Unsere neue Ostermünchener Mitte nimmt Gestalt an. Ich freue mich sehr darüber, dass wir im Rahmen des Vergabeverfahrens die Entwicklung des Areals an die Quest Baukultur GmbH aus Kolbermoor vergeben konnten, deren Geschäftsführer in unserer Gemeinde lebt.

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Die Baupreise sind explodiert. Ist das Projekt überhaupt noch finanzierbar?

Georg Weigl: Die Entwicklung am Bau macht natürlich auch die Kalkulation der neuen Ostermünchener Mitte komplizierter. Deshalb bin froh, dass wir mit Quest einen verlässlichen Partner und einen erfahrenen Projektentwickler gefunden haben, der soziale, ökologische und ökonomische Dimensionen zu einem lebenswerten Umfeld verschmelzen kann, ganze Ortskerne revitalisiert oder neue Gebäude in historisches Ambiente eingefügt hat. Ich denke dabei unter anderem an den Bundwerkstadel in Aubenhausen, den Spinnereipark in Kolbermoor, den Ludwigsgarten in Schechen, den Tannenhof in Bad Feilnbach oder den Klosteranger in Weyarn. Das Unternehmen ist für zukunftsweisende Ideen und für kooperatives Bauen bekannt, bei dem die Menschen vor Ort in den Planungsprozess eingebunden werden. Und das war uns in Ostermünchen von Anfang an besonders wichtig.

Wie ist der aktuelle Planungsstand?

Georg Weigl: Wir haben jetzt viel zu tun, wenn der erste Abschnitt der Ostermünchener Mitte 2026 fertig sein soll. Das Wichtigste ist es, jetzt mit einem genehmigten Bebauungsplan Baurecht für das Areal zu schaffen, um den Boden für die Bauleitplanung zu bereiten. Der Kaufvertrag mit dem Investor wird erst abgeschlossen, wenn der Bauantrag eingereicht werden kann.

Welche Bedeutung hat die Ostermünchener Mitte für den Ort?

Georg Weigl: Es ist ein tolles Projekt, eine absolute Bereicherung. Zur Ostermünchener Mitte gehören ärztliche Versorgung durch Allgemein- und Zahnarzt, Apotheke, Wohnen im Alter, Tagespflege, Dorfladen, Gastronomie, neue Mobilitätsangebote und bezahlbarer Wohnraum für unsere Bürger. Die Ostermünchener Mitte wird voraussichtlich 40 bis 50 jungen Familien die Chance geben, in ihrer Heimatgemeinde zu bleiben, denn bei den heutigen Bodenpreisen kann sich kaum eine Familie mehr den Bau eines eigenen Hauses leisten.

Dann können jetzt auch die Vorbereitungen für den Dorfladen beginnen?

Georg Weigl: Ja, jetzt ist es an der Zeit, dass sich der Arbeitskreis bildet und darüber berät, ob und wie der Dorfladen ein Bürgerladen werden soll, an dem sich die Bürger mit ihrem Kapital ähnlich wie an einer Genossenschaft beteiligen.

Wird es eine Bürgerversammlung zur neuen Ostermünchener Mitte geben?

Georg Weigl: Ja, wir werden noch im Herbst dazu einladen.

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