Spart viel Zeit

Ein High-Tech-Kamerad für Tuntenhausen: Feuerwehr nimmt Schlauchpflegeanlage in Betrieb

Testlauf der Schlauchpflegeanlage: Kommandant Josef Merk präsentiert Bürgermeister Georg Weigl und Christine Kiener (von links) den neuen „Kameraden“.
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Testlauf der Schlauchpflegeanlage: Kommandant Josef Merk präsentiert Bürgermeister Georg Weigl und Christine Kiener (von links) den neuen „Kameraden“.

Die Feuerwehr Tuntenhausen hat eine vollautomatische Anlage zum Waschen, Druckprüfen, Trocknen und Wickeln von Schläuchen in Dienst gestellt. Die Kosten für die Anlage belaufen sich auf 58.000 Euro.

Tuntenhausen – Damit können die circa 500 Schläuche der sechs Gemeindefeuerwehren Tuntenhausen, Ostermünchen, Beyharting, Schönau, Hohenthann und Lampferding nun automatisch gereinigt und geprüft werden. Bislang war dazu viel Muskelkraft und aufwendige Handarbeit nötig.

Gemeinde und Land investieren 58 .000 Euro

Die Kosten für die Anlage belaufen sich auf 58 000 Euro. Schon im November 2019 hatte der Gemeinderat der Investition zugestimmt. Im März 2020 erhielt die Gemeinde von der Regierung von Oberbayern den Zuwendungsbescheid in Höhe von 19 800 Euro.

Bei den Feuerwehren in Bad Aibling und Bad Endorf informierten sich Kommandant Josef Merk und Bürgermeister Georg Weigl über verschiedene Technologien und favorisierten das Modell der westfälischen Firma Bockermann. Im April 2020 wurde die Anlage bestellt. „Ihre Lieferung war für August 2020 avisiert, doch durch die Corona-Pandemie kam es zu Verzögerungen“, informiert Christine Kiener, in der Gemeindeverwaltung für die Feuerwehren zuständig.

Automatische Druckprüfung hinter Sicherheitsglas.

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Am 22. März wurde die Schlauchwaschanlage nun endlich installiert. Sie passt mit einer Länge von fünf Metern, einer Höhe von 2,25 Metern und einer Tiefe von 1,60 Metern perfekt in den Keller des Feuerwehrgerätehauses in Tuntenhausen. Am 24. März wurden die Kameraden geschult.

Jetzt präsentierte Kommandant Merk die High-Tech-Anlage dem Bürgermeister und der Feuerwehrbeauftragten. Die Handarbeit ist nur noch auf das Kuppeln begrenzt. Die Schläuche werden aus dem „Einweichbottich“ in die Anlage gesteckt. Diese zieht sie automatisch ein, misst die Länge und reinigt den Schlauch gleichzeitig mit rotierenden Rundbürsten und Hochdruck-Reinigungsdüsen.

Mit der Schlauchmanager-Software werden alle Daten gespeichert.

Automatischer Prozess hinter Glas

Dann wird der Schlauch angekoppelt, von der Anlage komplett eingezogen, am anderen Ende gekoppelt, und los geht es. Alle Arbeitsschritte werden vollautomatisch hinter Sicherheitstüren durchgeführt. Mit einem Druck von 12 bar erfolgt die Sicherheitsprüfung. „Haben wir bisher pro Schlauch etwa 80 Liter Wasser verbraucht, sparen wir jetzt Wasser und Betriebskosten, denn das Prüfwasser bleibt im Kreislauf“, erklärt Merk. Danach wickelt die Anlage den getrockneten Schlauch automatisch auf. Über die dazugehörige Software werden alle Daten erfasst. Jeder Schlauch bekommt einen Barcode, über den alle Informationen abrufbar sind. Nach zehn Minuten sind die Schläuche wieder einsatzbereit.

Bisher wurden zehn Kilometer Schläuche per Hand gewaschen

Im Feuerwehrhaus Tuntenhausen werden die Schläuche für alle sechs gemeindlichen Feuerwehren gewaschen und geprüft. Nach jedem Einsatz und jeder Übung – mindestens aber einmal pro Jahr – müssen sie einzeln abgewickelt, gereinigt und geprüft werden. Damit wird ihre Sicherheit und Lebensdauer erhöht. Die ältesten Schläuche der Tuntenhausener Feuerwehren stammen aus dem Jahr 1973, sind also schon fast 50 Jahre im Einsatz.

Bisher erfolgte das alles in Handarbeit. Das bedeutete: 20 Meter Schlauch im Keller des Feuerwehrgerätehauses ausrollen, mit Wasser befüllen, Druckbeständigkeit prüfen, Wasser wieder ablassen. Danach im Bottich einweichen, per Hand in die Schlauchwaschanlage einführen, am anderen Ende per Hand rausziehen und im Schlauchturm aufhängen. Nach zwei Wochen Trockenzeit wurden die Schläuche wieder aufgerollt. Ebenfalls per Hand.

Die alte Schlauchwaschanlage erforderte zu 95 Prozent Handarbeit und Muskelkraft.

Neue Anlage erhöht Leistungsfähigkeit der Feuerwehren

Da für die optimale Einsatzbereitschaft der Wehr pro Feuerwehrfahrzeug die doppelte Menge an Schläuchen vorhanden sein soll, sind inzwischen 500 Schläuche á 20 Meter bei den Gemeindefeuerwehren vorhanden. Pro Jahr mussten die Tuntenhausener also etwa zehn Kilometer Schläuche reinigen. Eine Aufgabe, die die Tuntenhausener Kameraden neben dem aktiven Dienst mit Einsätzen und Übungen für die Gemeindefeuerwehren übernahmen.

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Jetzt steht ihnen dafür die vollautomatische Schlauchpflegeanlage SPZ-K zur Verfügung. „Ich bin begeistert von der neuen Anlage. Sie macht wirklich Sinn, denn sie entlastet die Kameraden, steigert die Leistungsfähigkeit unserer Feuerwehren und erhält die Qualität der Schläuche“, so Bürgermeister Georg Weigl. In der Gemeinde Tuntenhausen leisten 400 Kameraden ihren ehrenamtlichen Dienst für das Gemeinwohl. In den Jugendfeuerwehren werden 48 künftige aktive Kameraden ausgebildet. „Ihre Einsatzbereitschaft kann man nicht hoch genug bewerten“, ist Weigl dankbar.

Die alte Schlauchwaschanlage spendet die Gemeinde an griechische Kameraden. Sie geht mit dem nächsten Sammeltransport des Landkreises Rosenheim auf die Reise. Im vergangenen Jahr wurde schon das Ostermünchener Löschgruppenfahrzeug LF16 der Feuerwehr Neos Voutsas in Nea Makri zur Verfügung gestellt. Dort leistet seit einigen Jahren Manfred Pavlos Westermeier seinen Dienst.

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