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Höchste Anerkennung

Bundesverdienstkreuz für die Pflege: Warum eine Frau aus Hohenthann die Auszeichnung erhalten hat

Mit dem Bundesverdienstkreuz wurde Dr.h.c. Ramona Schumacher (links) aus Hohenthann ausgezeichnet. An der Festveranstaltung nahm auch Maria Breuer teil, die Zweite Bürgermeisterin der Gemeinde Tuntenhausen.
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Mit dem Bundesverdienstkreuz wurde Dr.h.c. Ramona Schumacher (links) aus Hohenthann ausgezeichnet. An der Festveranstaltung nahm auch Maria Breuer teil, die Zweite Bürgermeisterin der Gemeinde Tuntenhausen.

Mit dem Bundesverdienstkreuz wurde jetzt Dr. h.c. Ramona Schumacher aus Hohenthann geehrt. Wofür sie die höchsten Anerkennung für Verdienste um das Gemeinwohl der Bundesrepublik Deutschland erhalten hat.

Tuntenhausen – Während einer Festveranstaltung in der Allerheiligen-Hofkirche in der Residenz München überreichte ihr der Bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek die Auszeichnung für ihre beruflichen und ehrenamtlichen Verdienste in der Pflege.

Der Mensch steht bei ihr im Mittelpunkt

Ramona Schumacher hat ihr Leben der Pflege gewidmet. „Die Gesundheits- und Krankenpflege ist ein sehr erfüllender Beruf – anstrengend zwar, aber welcher mit Engagement gelebte Beruf ist das nicht“, blickt sie auf ein erfülltes Berufsleben zurück: „Dieser Beruf bietet eine enorme fachliche Bandbreite – in allen Sektoren der Gesundheitswesen, vom OP bis zur psychiatrischen Klinik, sowohl in der häuslichen Pflege bis zur Hochschullehre. Ich würde mich heute wieder genauso entscheiden.“

Ihr beruflicher Werdegang beginnt mit der Ausbildung in Dortmund. Schon damals sind Fachkräfte rar. Sie kann ihren Einsatzort wählen und entscheidet sich für das südliche Flair und pulsierende Leben in München. Als OP-Schwester startet sie ihre berufliche Karriere am „Klinikum rechts der Isar“ der TUM, qualifiziert sich in Genf in einem internationalen Experten-Team in der Herzchirurgie und wird leitende OP-Schwester in der Herzchirurgie des Klinikums Großhadern der LMU.

Vom OP-Tisch zur Pflegedirektorin

Sie stellt sich immer wieder neuen Herausforderungen, die ihren Lebensweg prägen. Nach der Qualifikation für Krankenhausmanagement und Lehre im Gesundheitswesen kehrt sie ans ‚Rechts der Isar‘ zurück und ist zunächst Pflegedienstleitung und fachlich Verantwortliche für die Fort- und Weiterbildung in der Pflegedirektion. In dieser Funktion installiert sie fachliche Qualifikationen – wie zum Beispiel Fachweiterbildung für den Operationsdienst und den Lehrgang für Stationsleitungen und Leitungen von Funktionsbereichen. Anfang der 1990er-Jahre wird sie im Klinikum Pflegedirektorin – damals die jüngste Pflegedirektorin einer deutschen Universitätsklinik.

Wenig später wird sie als Pflegedirektorin an die Charité nach Berlin gerufen und wirkt in dieser Funktion und als Vorstandsmitglied ab 1998 an der ersten Fusion von Universitätskliniken nach der Wiedervereinigung Deutschlands mit: der Fusion der Charité der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Virchow-Klinikum der Freien Universität Berlin zum Universitätsklinikum Charité. Als Mitglied des Charité-Vorstandes ist sie zugleich Fachansprechpartnerin für das Schulzentrum für Medizinalfachberufe mit damals 350 Ausbildungsplätzen in den Fachrichtungen Krankenpflege, Kinderkrankenpflege, Hebammenwesen, Physiotherapie und Diätetik.

Mentorin für Pflegeberufe

Sie engagiert sich auch in der Lehre in den Ausbildungsgängen, hält Vorlesungen vor Studenten, betreut als Mentorin Studenten im Pflegemanagement und wirkt mit bei den Vorbereitungen zum Reformstudiengang Medizin. Beim Aufbau von Studiengängen der Pflegewissenschaften berät Schumacher ehrenamtlich im Ausland und ist auch dort als Dozentin oder als Seminarleiterin für Themenkreise wie „Organisation von Einrichtungen im Gesundheitswesen“ tätig. Mehrere Jahre war sie zudem Bundesvorstandsmitglied des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe.

Als bei der Bundeswehr im Jahr 2009 zum ersten Mal der Dienstposten einer leitenden Krankenschwester installiert wird, fällt die Entscheidung für Ramona Schumacher. Für die damals 55-Jährige ist es „eine Chance, wieder etwas aufzubauen.“ Sie bringt ihr Wissen auch als erste Inspizientin für Medizinalfachberufe des Kommandos Sanitätsdienst der Bundeswehr ein. In diesen Funktionen ist sie Mitglied im Wehrmedizinischen Beirat, der den Bundesverteidigungsminister in allen Fragen der Wehrmedizin berät. Ferner engagiert sie sich für die Wiedereröffnung einer Krankenpflegeschule am Bundeswehrkrankenhaus in Ulm. „Sie haben den Gesundheits- und Sanitätsberufen die Bedeutung gegeben, die sie verdienen, sich möglichen Widerständen entgegengestellt und die Herausforderungen herausragend gemeistert“, würdigte Gesundheitsminister Holetschek die Bundesverdienstkreuzträgerin.

Die Pflege ist die Berufung von Ramona Schumacher, die sie seit vielen Jahren auch im Ehrenamt lebt. So ist die Johanniteroberin unter anderem stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende der Johanniter-Schwesternschaft sowie Vorsitzende der Gesellschafterversammlung und stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende der Johanniter-Bildungs GmbH. Ferner war sie stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende der Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften, der sie heute weiterhin als Kuratoriumsmitglied angehört.

Die Akkon-Hochschule wurde 2009 als erste und bislang einzige Hochschule einer Hilfsorganisation etabliert. Hier werden praxisorientierte Lehre und angewandte Forschung eng mit nationalen und internationalen sozialen und humanitären Projekten verknüpft. So erhalten die Studierenden wertvolle Einblicke in die Praxis und Abläufe von Hilfsorganisationen.

Eines ihrer Herzensprojekte ist das Chak-e-Wardak Hospital in Afghanistan. Um das Projekt finanziell abzusichern, ist auch Schumacher regelmäßig auf Spenden-Tour, aktuell beim diesjährigen Chirurgenkongress in Leipzig. „Mit den Spendengeldern finanziert der Verein vor Ort alle Sach- und Personalkosten, wie zum Beispiel die Gehälter des Ärzte- und Pflegepersonals, der Köche, Bäcker, Fahrer und aller anderen unermüdlichen Helfer, die das Krankenhaus am Laufen halten“, erklärt sie.

An 365 Tagen im Jahr erreichbar

Seit 36 Jahren lebt Ramona Schumacher mit ihrem Ehemann Bernd in Hohenthann, der ihr immer zur Seite steht. Nach dem Eintritt in den Ruhestand engagiert sie sich auch weiterhin für andere Menschen – so beispielsweise als Patientenfürsprecherin am kbo-Isar-Amper-Klinikum. An 365 Tagen im Jahr hat sie das Patiententelefon dabei und hilft, wenn Hilfe gebraucht wird. Auch in ihrer Heimatgemeinde Tuntenhausen will sich die 68-Jährige noch stärker sozial engagieren. Einer ihrer erster Anlaufpunkte war die Nachbarschaftshilfe in Tuntenhausen.

Eine Ehrung für alle Pflegenden

Maria Breuer, Vorstandsmitglied der Nachbarschaftshilfe und zugleich Zweite Bürgermeisterin der Gemeinde Tuntenhausen, hat Ramona Schumacher zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes nach München begleitet und freut sich über eines ganz besonders: „Ramona Schumacher hat ihr Leben anderen Menschen und der Pflege gewidmet. Das Bundesverdienstkreuz wurde ihr stellvertretend für alle in der Pflege Tätigen überreicht. Das war auch eine Wertschätzung für all unsere Helferinnen der Nachbarschaftshilfe.“

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