Krise Verändert Geschäftsfelder der Brauereien

Gefragt ist gerade nur Bier aus der Flasche – Schlossbrauerei Maxlrain erhöht Lagerkapazitäten

Ein spektakulärer Transport: Die Lagertanks werden mit einem Kran in den Lagerkeller „eingeflogen“.
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Ein spektakulärer Transport: Die Lagertanks werden mit einem Kran in den Lagerkeller „eingeflogen“.

Der Maxlrainer Jubilator – ein für die Fastenzeit gebrauter Dunkler Doppelbock – war schon lange vor dem Osterfest ausverkauft. Und das, obwohl die Maxlrainer Brauer gerade mehr Bier in Flaschen abfüllen als je zuvor.

Tuntenhausen – Um für die Zeit nach dem Lockdown gerüstet zu sein, dann auch für Gastronomie und Export ausreichend Gerstensaft vorrätig zu haben, wurden die Lagerkapazitäten jetzt um sechs Tanks erweitert. Am Mittwoch, 31. März, wird der erste mit „Schloss Gold“ gefüllt.

Ein Jahr lang auf Sicht gebraut

Vor einem Jahr war noch nicht abzusehen, wie sich die Pandemie auf die Brauereien auswirken würde. „Wir sind vorausschauend auf Sicht gefahren, haben in den ersten Lockdown-Wochen weniger Sud angesetzt, um keinen Tropfen umsonst zu brauen“, erklärt Braumeister Josef Kronast, „denn ein Brauprozess dauert abhängig von der Biersorte sechs bis acht Wochen. Den kann man nicht verkürzen oder verlängern, wenn die Qualität des Bieres stimmen soll. Und die hat bei uns oberste Priorität.“

Export kommt zum Erliegen

Mit der Krise verlagert sich auch in der Schlossbrauerei Maxlrain die Nachfrage. Das Exportgeschäft kommt zum Erliegen. Fassbiere für Gastronomie und Volksfeste werden nicht mehr gebraucht. Dafür floriert der Handel mit Flaschenbieren in der Heimat. Alles Bier kommt nun in die Flasche.

Das Dach des Lagers wurde geöffnet, um die Tanks in Millimeterarbeit in der Halle zu platzieren.

„Unsere Abfüllung kam streckenweise an ihre Leistungsgrenze.“ Also wird der Schichtbetrieb ausgebaut und täglich über 14 Stunden abgefüllt. „Wir dürfen sehr zufrieden sein“, resümiert Kronast ein Krisenjahr, das viele Brauereien in Existenznöte brachte, und noch lange nicht überstanden ist. Maxlrain ist mit den drei Standbeinen Binnenhandel, Export und Gastronomie gut aufgestellt und kann die Krise kompensieren: „In der Menge, aber nicht im Ertrag“, stellt der Brauer klar.

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Mit dem Blick in die Zukunft wächst die Hoffnung auf ein Ende des Lockdowns und auf die schrittweise Öffnung der Gastronomie. Um die gestiegene Nachfrage sowie die gewachsenen Verbindungen aus Gastronomie und Export abdecken zu können, hat die Schlossbrauerei jetzt ihre Lagerkapazitäten erhöht.

Heute werden neue Tanks befüllt

Sechs Lagertanks, die zu jedem Zeitpunkt die optimale Temperatur für den Reifungsprozess ermöglichen, wurden Ende Februar in den Lagerkeller „eingeflogen“. Inzwischen sind alle Rohre und Leitungen installiert, die Tanks gründlich gereinigt. Am Mittwoch, 31. März, wird der erste Tank mit jungem Bier gefüllt. Nach acht Stunden im Sudhaus und sieben Tagen im Gärkeller hat das „Schloss Gold“ nun sechs Wochen Zeit zu reifen.

Vor Christi Himmelfahrt wird abgefüllt

Weitere 42 Tage, an denen das Bier von den Brauern aufmerksam begleitet wird. „Einen guten Tropfen muss man pflegen, an jedem Tag“, beschreibt Braumeister Kronast einen natürlichen Prozess, der in der Schlossbrauerei wie eine alte Handwerkskunst gepflegt wird. Am 12. Mai – pünktlich vor Christi Himmelfahrt – ist das Maxlrainer „Gold“ fertig. Vielleicht kann es dann ja schon im Fass abgefüllt werden, weil die Gaststätten wieder offen haben.

Hintergrund: Bierabsatz sinkt in Bayern um eine Million Hektoliter

• Noch nie haben die Deutschen so wenig Bier getrunken, wie im vergangenen Jahr. Die Brauereien und Bierlager setzten 2020 mit 8,7 Milliarden Litern 5,5 Prozent weniger ab als im Jahr 2019. Das ist ein historisch niedriges Maß. Auch in Bayern wurden von Januar bis Dezember 2020 rund eine Million Hektoliter – also 100 Millionen Maß Bier – weniger produziert als im Vorjahr. Das entspricht einem Minus von 4,1 Prozent.

„Entscheidend sind jedoch die enormen Absatzverschiebungen innerhalb des Biermarktes, die viele Brauereien in nackte Existenznot bringen“, betont Georg Schneider, der Präsident des Bayerischen Brauerbundes. Je stärker ein Betrieb mit dem Gastronomie- und Veranstaltungsgeschäft verbunden sei, desto gravierender sei der Umsatzeinbruch. Schneider: „Etwa 30 Prozent des Bayerischen Bieres werden in der Gastronomie abgesetzt. Diese Absätze sind mit zusätzlichen Serviceleistungen oder mit Investitionstätigkeiten zugunsten der Wirte verbunden und so erlösstärker als jeder Handelshektoliter.

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Ähnlich schmerzhaft sind Umsatzverluste der circa eine Million fehlenden Hektoliter, die sonst auf Volksfesten in Bayern ausgeschenkt werden. So schrumpft der wertmäßige Umsatz der Brauereien deutlich gravierender als es die Absatzzahlen suggerieren.“

Die Pandemie habe auch jene Brauereien mit ganzer Wucht getroffen, die sich ein starkes Standbein im Export geschaffen hätten, um so den schrumpfenden Binnenmarkt abzufedern. Deutsche Brauereien, so Schneider, hätten in einem einzigen Jahr so viel an Absatzvolumen wie in den acht vorhergehenden Jahren zusammen verloren. Und das erste Quartal 2021 knüpfte lückenlos an die schwierige Lage des Vorjahres an.

Brauerpräsident Georg Schneider fordert von der Politik wirksame und zielgerichtete Hilfen für Bayerns Brauereien: „Wirksam wäre die Wiederherstellung der alten Biersteuermengenstaffel-Spreizung was gerade den mittelständischen Betrieben Liquidität und Zukunftsperspektive geben würde.“ Auch die Gastronomie brauche dringende Unterstützung über die unmittelbare Corona-Krise hinaus. „Wir fordern die unbefristete Senkung der Umsatzsteuer auf gastgewerbliche Leistungen – auch auf Getränke – von 19 auf 7 Prozent.“

• Im Februar nehmen viele Brauereien Fässer aus den Wirtshäusern zurück und vernichten das Bier, weil es nur kurz haltbar ist. Inzwischen haben viele Brauereien das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) nachträglich verlängert.

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