Schwere Vorwürfe gegen Tuntenhausener Firma

Plakat wirft Fragen auf - Prozess gegen Frischpack am Mittwoch 

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Dieses Plakat hängt seit einiger Zeit neben der Staatsstraße in Kolbermoor
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Tuntenhausen/Rosenheim - Bei der Firma Frischpack aus Tuntenhausen brodelt es. Eine ehemalige Mitarbeiterin erhebt schwere Vorwürfe gegen die Firma und zieht vor Gericht. Der Prozess findet nach einer Verschiebung am Mittwoch um 11.30 Uhr am Rosenheimer Arbeitsgericht statt.

UPDATE, 17.04.2018:

„Prozess gegen Fa. Frischpack wegen Entlassung!“ steht auf einem Kastenwagen an der Staatsstraße in Kolbermoor. Täglich fahren tausende Autofahrer daran vorbei. Es geht um eine Klage einer Ehemaligen Mitarbeiterin, der wegen des Verteilens von Flugblättern vor dem Firmengelände fristlos  gekündigt wurde. Wie uns der Kläger nun mitteilte sei mittlerweile ein Schreiben von Frischpack eingegangen, in dem das Verteilen der Flugblätter akzeptiert wurde. Es wird spannend, wie das Rosenheimer Arbeitsgericht über den Fall urteilen wird.

Vorbericht:

Seit einiger Zeit hängt an der Staatsstraße in Kolbermoor ein Plakat, das auf einen Prozess gegen den Käsespezialist Frischpack in Tuntenhausen aufmerksam macht. Auf Nachfrage unserer Redaktion teilte uns die Geschäftsleitung mit, dass es bei der Sache um einen Arbeitsprozess gegen eine ehemalige Mitarbeiterin gehe, man aber nicht mehr zu der Sache sagen wolle.

Zur Betriebsratswahl kam Polizei

Es ist nicht das erste Mal, dass die Firma Frischpack aus Mailling bei Tuntenhausen in der Öffentlichkeit steht. Bereits im April 2015 berichtete das Oberbayerische Volksblatt davon, dass esgewaltig zwischen der Firmenspitze und dem Betriebsrat krachte. Damals wurde ein neuer Betriebsrat gewählt, den die Firmenleitung aber nicht anerkannte. Es solle sich um Wahlbetrug gehandelt haben. Strafanzeigen wurden gestellt, der Fall kam vors Arbeitsgericht. Sogar die Polizei musste zur Betriebsratswahl anrücken. 2013 kam es bereits zu Streiks der Beschäftigten.

Ehemalige Mitarbeiterinerhebt schwere Vorwürfe

Lesen Sie hier 

- den offenen Brief an die NGG

- das Flugblatt zum Prozess

Auf unseren Artikel über das Plakat hin meldeten sich die Urheber des Transparents, die ehemalige Mitarbeiterin und deren Partner. Nach eigener Aussage sei die Frau seit 25 Jahren bei Frischpack beschäftigt, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und Mitglied der Gewerkschaft NGG. Zusammen mit ihrem Partner habe sie einen "Offenen Brief an die Gewerkschaft NGG" vor dem Betriebstor verteilt und sei daraufhin fristlos gekündigt, mit Hausverbot belegt und aus dem Betriebsrat ausgeschlossen worden. Und all das sei mit ausdrücklicher Zustimmung der NGG geschehen. "Inhalt des Flugblatts ist die Kritik an der NGG und vor allem an Werkverträgen, zweijährigen Befristungen, Leiharbeit und der ständig zunehmenden Samstagsarbeit", so der Verfasser. 

Um auf den anstehenden Prozess gegen Frischpack, der auf den 18. April verschoben wurde, aufmerksam zu machen, haben sie das Plakat auf einem Anhänger gut sichtbar neben der Staatsstraße in Kolbermoor angebracht, was die Firma laut Aussage des Besitzers des Anhängers auf Rechtmäßigkeit hin überprüfen habe lassen. "Auf Betreiben des Anwalts der Firma Frischpack wurde mein abgestellter Hänger überprüft und festgestellt, dass ich bei der Zulassungsstelle in Bad Aibling noch meine Adresse hinterlegen muss. Bei der Polizeiinspektion Bad Aibling bestätigte man mir, dass die Überprüfung vom Anwalt der Firma Frischpack veranlasst wurde. Denn laut des Anwalts darf er nur 14 Tage dort stehen und Frischpack könnte und wird das wohl überprüfen." 

Wir haben bei Frischpack nachgefragt, was die Firma zu den Flugblättern und der Hängerüberprüfung sagt.

Das sagt Frischpack zu den Vorwürfen:

Michael Schultze, Kaufmännischer Leiter Frischpack GmbH gab auf Nachfrage unserer Redaktion folgende Stellungnahme zu dem Fall ab: 

"Unser Unternehmen pflegt seit jeher einen offenen Austausch mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie unseren Geschäftspartnern. Genauso viel Wert legen wir auf Integrität und Vertrauenswürdigkeit. Interna öffentlich zu machen oder gar öffentlich zu diskutieren, gehört aus diesem Grund nicht zum Stil unseres Hauses. Bei Ihrer aktuellen Anfrage kommt hinzu, dass der Arbeitsgerichtsprozess noch bevor steht. Doch wir nutzen die Chance für ein paar aufklärende Informationen:

Vor dem Hintergrund der aktuellen Arbeitsmarktsituation (nahezu Vollbeschäftigung im Raum Rosenheim) sowie aus Gründen der zunehmenden Flexibilisierung müssen wir alle zur Verfügung stehenden arbeitsmarktpolitischen Möglichkeiten ausschöpfen. Nur so können wir die Aufträge unserer Kunden zuverlässig abwickeln und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen dauerhaft sicheren Arbeitsplatz bieten.

Die Aussage, dass die Geschäftsleitung und der Betriebsrat gemeinsame Sache machen würden, entbehrt jeglicher Grundlage. Als irreführend haben wir auch das Wort „Entlassung“ des Plakates auf dem Anhänger empfunden. Es kann aus unserer Sicht so interpretiert werden, dass es sich nicht nur um einen Einzelfall handelt. Doch genau dies ist es. Denn durch die gesunde Entwicklung unseres Unternehmens schaffen wir konstant neue Arbeitsplätze in den unterschiedlichsten Bereichen. Die positive Resonanz bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zeigt, dass Frischpack ein attraktiver Arbeitgeber ist."

Quelle: mangfall24.de

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