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Prüfung von Tunnellösungen

Keine „Beschleunigung von Blödsinn“: Weiter viel Ärger über Planung für Brenner-Nordzulauf

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Mehr Güter auf die Gleise: Der Brenner-Nordzulauf beschäftigt viele Gemeinden nach wie vor.

Im Nordwesten viel Neues: Im Landkreis Ebersberg macht sich in den Gemeinden entlang des Brenner-Nordzulaufs Protest Luft. In einer Online-Dialogveranstaltung, in der die Bahn ihre Grob-Planungen vorstellte, zollten Besucher der Bahn Respekt für ihre Offenheit, viele andere aber kritisierten die Planungen.

Tuntenhausen – Vor gut zwei Wochen hatte die Bahn ihre Pläne für eine mögliche Neubaustrecke zwischen Grafing und Ostermünchen bekanntgegeben.

Sie sind nach Ausführungen der Bahn nötig, um den zunehmenden Güterverkehr auf der Schiene zum Brenner-Basistunnel abzuwickeln.

Reaktion auch aus Tuntenhausen

Viele Menschen sehen das anders. Schon wenige Tage nach Bekanntwerden der vier Grobtrassen gab es unter anderem in Aßling und Grafing Demos. Bürgerinitiativen nach Rosenheimer Muster sind im Gespräch.

Im Chat schlugen sich die Sorgen in einer lebhaften Beteiligung nieder. 300 Besucher in der Spitze, rund 280 im Mittel habe man gezählt, sagte ein Sprecher der Bahn. 600 Einträge im Chat, Hunderte Fragen bewiesen das hohe Interesse der Bürger. Manche Besucher spornten die Bahn zu Tempo beim Ausbau an, insgesamt überwogen aber die Kritiker.

Auch in Tuntenhausen sorgen die Planungen der Deutschen Bahn für Unruhe. Vor allem die Variante „Pink“ macht Sorgen. Sie führt westlich der Bestandsstrecke nah am Tuntenhauser Ortsteil Hohenthann vorbei in Richtung Grafing. So besuchte Tuntenhausens Bürgermeister Georg Weigl das Onlineforum. Auch weil er die Veranstaltung grundsätzlich begrüßt: „Das war wichtig, es gab ja schon viel Aufklärungsbedarf.“

Tuntenhausen will weiter mit Bahn verhandeln

Allerdings betont er, dass der Chat die Kür sei, für die Gemeinde aber gelte: „Wir bleiben in engem Kontakt mit den Planern.“ Schließlich gelte es, die eigene Ortskundigkeit in die Waagschale zu legen.

„Ich finde den Aufwand, den man für die Strecke betreiben muss, zu groß“, sagte Weigl. „Erst geht‘s durch einen Tunnel, dann muss man über ein Riesen-Tal – da kann man doch fragen, ob das in einem vernünftigen Verhältnis steht.“ Man sehe, „wie wichtig es ist, dass wir unsere örtliche Kenntnis einbringen“.

Im Landkreis Rosenheim prüft die Bahn Alternativen

Tuntenhausen blickt im Nordwesten auf die Grobtrassen-Planung – und im Südosten auf die verschiedenen Phasen der Vorplanung entlang der Vorzugstrasse „Violett“. In weiten Teilen des Landkreises Rosenheim ist die Bahn bereits einen großen Schritt weiter als bei den Planungen für den Neubauabschnitt Grafing-Ostermünchen.

Dort nehmen Teams der Planer an verschiedenen Punkten bereits Probebohrungen, um sich vor Überraschungen im Untergrund zu schützen. Immer noch warten müssen sie damit auf die Ergebnisse aus der Gegend von Stephanskirchen: Die Gemeinde hatte gegen die aus ihrer Sicht voreilige Genehmigung der Bohrungen durch das Landratsamt geklagt.

Derweil prüft die Bahn eben bei Stephanskirchen eine Alternative. Vorgestellt wurde die Vorzugstrasse „Violett“ mit einer Brücke über den Inn. Die Regierung von Oberbayern will aber nachgebessert haben. Die Bahn solle einen Tunnel auch bei Stephanskirchen erwägen. Projektleiter Matthias Neumaier beschrieb das im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen als technisch kaum machbar. Man sei „zu dem Ergebnis gekommen, dass wir bei einer Unterquerung des Inns zu tief am Endpunkt in Ostermünchen ankommen würden“.

Wie ein Bahnsprecher erklärt, untersuche man wegen der Maßgabe der Regierung aktuell aber dennoch die Möglichkeit einer „bergmännischen Untertunnelung“. Die müsste aber noch tiefer liegen als bei einem Tunnel in offener Bauweise – was diese Lösung wohl nicht wahrscheinlicher macht.

Eine weitere Wunschlösung der Region hängt ebenfalls in der Schwebe: Das Gutachten zu einer unterirdischen Verknüpfungsstelle im Wildbarren im Inntal sei noch in Arbeit, hieß es aus dem Verkehrsministerium.

Initiativen äußern weiter harsche Kritik

Bis 2024 sollen die Vorplanungen abgeschlossen sein. Auch die Ampel-Koalition setzt auf einen Fortgang der Arbeiten. Was wieder Protest in der Region Rosenheim hervorruft. „Eine Beschleunigung von Blödsinn braucht niemand“,sagt Thomas Riedrich vom Brennerdialog Rosenheimer Land.

„Der Bau immer neuer Verkehrsinfrastrukturprojekte, die ein unbegrenztes Verkehrswachstum über die Alpen ermöglichen, wird die Region und den Alpenraum dauerhaft schädigen“, rügt Jakob Mangoldt-Boldt vom Bürgerforum Inntal.

Warum die Bahn ausbauen will: Konzern sagt extreme Verkehrszuwächse voraus

Schaffen neue Gleise mehr Verkehr, oder macht mehr Verkehr neue Gleise erst notwendig? Die Bahn machte sich im Verbund mit den Verkehrsministerien Deutschlands, Österreichs und Italiens und zusammen mit deren Bahnbetreibern ÖBB und RFI und der Projektgesellschaft Brenner-Basistunnel an eine Studie.

Ergebnis: Der viergleisige Infrastrukturausbau müsse „konsequent vorangetrieben werden“. 2030 seien im Schienengüterverkehr mit Steigerungen von bis zu 95 Prozent zu rechnen. Die Prognose 2040: Ein Plus von bis zu 215 Prozent.

Auch mehr Menschen sollen mit der Bahn reisen. In den Berechnungen kommt die Bahn bis 2040 auf 370 Züge, die zwischen Rosenheim und Wörgl verkehrten – pro Tag. Weitere Zahlen: Wörgl-Innsbruck 507 Züge; Innsbruck-Trient 376 Züge; Trient-Verona 337 Züge. Der 435 Kilometer lange Brenner-Korridor zwischen München und Verona sei das Herzstück des Kernnetzkorridors von Skandinavien zum Mittelmeer. we

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