Schläger kommt glimpflich davon

Bad Aibling - Wegen Körperverletzung musste sich ein 45-Jähriger vor dem Aiblinger Amtsgericht verantworten. Trotz Watsch'n, Nasenbluten und einem abgebrochenen Zahn bekam er Bewährung.

Wegen Körperverletzung musste sich jetzt ein 45-Jähriger vor dem Aiblinger Amtsgericht verantworten: Die ihm vorgeworfenen brutalen Tätlichkeiten stritt der Angeklagte allerdings ab, räumte aber ein, seiner Lebensgefährtin während einer Auseinandersetzung eine deftige Watsch'n verpasst zu haben. Trotz erheblicher Vorstrafen kam er mit einer achtmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie einer Geldstrafe noch glimpflich davon.

Streit, lautstarken Krach, Beschimpfungen und Vorwürfe sowie hin und wieder auch Tätlichkeiten, so bestätigen die Hausbewohner, habe es zwischen dem Paar des Öfteren gegeben; die Beziehung sei sehr turbulent und labil gewesen. Dennoch, so versichert der Angeklagte vor Gericht, habe er stets zu seiner geschiedenen Lebensgefährtin schon wegen der gemeinsamen Tochter gehalten.

Die permanenten Auseinandersetzungen eskalierten nach einer Faschingsveranstaltung, die beide besucht hatten. Nach reichlichem Alkoholgenuss beiderseits kam es abermals zu verbalen gegenseitigen Beschimpfungen und Vorwürfen, worauf der Angeklagte die Veranstaltung verließ und sich in einer nahe gelegenen Wirtschaft "getröstet" habe.

Danach, in die gemeinsame Wohnung zurückgekehrt, heißt es in der Anklageschrift, sei es zu Tätlichkeiten gekommen, weil der Angeklagte seiner Lebensgefährtin mehrmalige Untreue und Fremdgehen vorwarf, was diese auch nicht be-stritt.

Deftige Watsch'n, Nasenbluten, ein abgebrochener Zahn und nicht belegbare Fußtritte brachten dem Angeklagten deshalb die Anklage wegen Körperverletzung ein.

Deftige Watsch'n wegen Untreue

Strafrichterin Isabella Hubert belehrte denn auch den Angeklagten, dass "die Untreue seiner Lebensgefährtin diesem kein Recht zum Schlagen gibt". Die Lebensgefährtin bekam es zum Zeitpunkt der tätlichen Auseinandersetzung mit der Angst zu tun und telefonierte hilfesuchend mit ihrer Psychotherapeutin.

Diese riet ihr, die Wohnung zu verlassen, doch ohne der gemeinsamen Tochter wollte diese das nicht tun. Und umgekehrt wollte der Angeklagte seine Lebensgefährtin nur allein, also ohne der Tochter gehen lassen. Die Psychotherapeutin, die die Lebensgefährtin wegen einer "Borderline-Störung" seit längerem behandelt und auch die Drogen- und Alkoholprobleme des Angeklagten kennt, verständigte letztlich die Polizei, um Schlimmeres zu verhindern.

Die vor Gericht als Zeugin aussagende Therapeutin erläuterte, das "Borderline-Syndrom" sei ein psychisches Krankheitsbild im Grenzbereich zwischen Neurose, Psychose und schwerer Charak-terstörung, unter welchem die labile Lebenspartnerin leide, aber auch der Angeklagte nicht ganz frei davon sei. In Stresssituationen führe dieses Syndrom zu einem Emotionsstau, der sich dann in gesteigerten, intensiven und teils auch in aggressiven Reaktionen einen Ausweg suche.

Freiheitsstrafe auf Bewährung

"Beide haben Schuld - er war wütend, sie war wütend" und die Steuerungsfähigkeit sei bei beiden ob des Dauerstreites und Emotionsstau eingeschränkt gewesen, meint die Psychotherapeutin.

Für Richterin Hubert kein leichtes Unterfangen, aufgrund der beschriebenen Hintergrundsituation für den Angeklagten das "richtige" Strafmaß trotz dessen Vorstrafenliste wegen mehrfachen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und mehrerer noch offenen Bewährungen, zu finden. Und so lautete der salomonische Spruch denn auch: "Sie einzusperren, nachdem Sie jetzt seit vier Jahren drogenclean und damit auf einem positiven Weg sind, wäre kontraproduktiv und würde nur dem gemeinsamen Kind schaden."

Mit einer achtmonatigen Freiheitsstrafe, die mit der höchst möglichen Bewährungszeit von fünf Jahren verbunden ist sowie einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro, zu zahlen an eine soziale Einrichtung, sei der Angeklagte "nochmals haarscharf am Knast vorbei geschrammt", kommentierte abschließend Richterin Hubert das milde, aber nachvollziehbare Urteil. je

Rubriklistenbild: © dpa

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