Umweltschutz und Fortbildung ineinem

Zwischen Mangfall (vorne) und Kanal (Hintergrund) ist der Bruckmühler Auwald angesiedelt. Auf einem Rundweg durch die verschiedenen Themenbereiche erfährt man vieles über die Natur.

Bruckmühl - Mystisch präsentiert sich der Eingang des Salus-Auwald-Biotops, umrankt von Bäumen. Hier tauchen Besucher in eine andere Welt ab.

Nach wenigen Metern ist der Straßenlärm verklungen, nur die Enten hört man von der Mangfall her noch quaken. Seit 16 Jahren gibt es das Biotop mitten in Bruckmühl. Neben dem dort gelebten Umweltschutz bietet das Areal naturkundliche Fortbildung für Alt und Jung. Inhaber Otto Greither und sein Bruder Hans haben es sich zur Aufgabe gemacht, einen der letzten natürlichen Auwälder in der Region für die Nachwelt zu erhalten.

Eine Oase der Ruhe für Mensch und Tier ist das rund 27000 Quadratmeter große Biotop. Die Natur ist sich dort weitgehend selbst überlassen. Umgestürzte Bäume bleiben als Totholz liegen und bilden Nahrung für Insekten, Pilze und Moose. Außer dem Wegebereich - nur dieser wird von Gehölz frei gehalten - darf der Auwald nicht betreten werden. Er ist als Ruhezone ausschließlich den Tieren und Pflanzen vorbehalten.

Entstanden ist das Biotop durch den Besitzerwechsel des Wasserkraftwerks der Firma Steinbeis an die Firma Salus im Jahre 1968. Zu dem gekauften Grundstück gehörte auch der Auwald zwischen der Mangfall und dem Kanal. 1995 wurde dann der dortige "Dschungel" durch einen zirka 800 Meter langen Rundgang erschlossen.

"Bereits seit 1955, damals noch mit dem vorherigen Besitzer arrangiert, gab es einen Pachtvertrag mit dem Fotografen und Ornithologen Adolf Peschke", erinnert sich Otto Greither bei einem Rundgang mit unserer Zeitung. Peschke betrieb auf dem Areal eine Vogelfang- und Beringungsstation. Durch die jahrelange Beringung, die in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Radolfzell erfolgte, zeigte sich, dass der Auwald eine wichtige Funktion für viele Vögel als Brut- und Durchzugsgebiet hatte. Außerdem gründete Peschke das bis heute bestehende Tierkundemuseum, in dem heimische Tiere (präpariert) zu sehen sind.

Das Auwald-Biotop ist ein so genanntes Arboretum, eine Sammlung von Bäumen. Fast alle in Bayern vorkommenden Bäume und Sträucher sind hier vertreten. Auwälder sind allgemein Mischwälder aus Weichhölzern. Doch es sind auch Eichen, Buchen und Nadelbäume wie Fichten und Föhren vorhanden.

Im Laufe der Jahre pflanzten die Greither-Brüder überdies Raritäten wie Speierling, Mehlbeerbaum, Ginkgo sowie Eukalyptus oder Lorbeerbaum. In den Bäumen sind 60 Nistkästen (auch welche für Eulen und Kautze) verteilt. "Doch nicht immer werden sie von Vögeln bewohnt. Auch Mäuse oder Siebenschläfer nutzen die Behausungen", so Hans Greither. Eine Besonderheit gibt es bei einem Nistkasten: Er ist videoüberwacht. Im Tierkundemuseum kann man dann auf einem Monitor die Vögel beim Schlüpfen oder Füttern beobachten.

Ein Auwald ist nicht nur schön anzusehen, sondern hat auch eine ganz konkrete Funktion: Er umrahmt Bäche und Flüsse, ist bei Hochwasser öfters überflutet und dient als Rückhaltebecken bei Regenfällen. In den Überschwemmungsgebieten lagern sich Schlamm und Erde ab, die für das Gedeihen des Auwaldes unerlässlich sind. "Seit dem letzten Hochwasser hat sich auch ein Flusskarpfen in unserem See angesiedelt", freut sich Hans Greither über den mittlerweile in Flüssen selten gewordenen Gast.

Eine besondere Attraktion ist in der Mitte der Kräutergarten, in dem zahlreiche Heilpflanzen wachsen. Viele dieser Arten verwendet die Firma Salus auch in ihren Naturarzneimitteln und Gesundheitsprodukten. Ein extra Giftpflanzenbeet zeigt vor allem den Kindern, von welchen Pflanzen man die Finger lassen sollte.

Angrenzend zum Kräutergarten befindet sich ein künstlich angelegtes Hochmoor, in dem seltene Moorpflanzen wie die Moorbirke und der fleischfressende Sonnentau zu entdecken sind. Mit einer Lupe können die Besucher hier auf Erkundungstour gehen. In der angrenzenden Torfhütte ist das frühere Leben der Torfarbeiter nachgestellt. Daneben ist für Schulklassen und Gruppen ein keiner Rast- beziehungsweise Lehrplatz angelegt.

Viele zum Teil bereits selten gewordene Alpengewächse, wie der Frauenschuh oder die Feuerlilie, gedeihen zudem im "Alpinum". Lebende und anschauliche Informationen liefern des Weiteren die große Minzensammlung mit 35 Arten (der Botanische Garten in München hat nur fünf Arten), das Insektenhotel (vergittert zum Schutz vor Spechtangriffen), und vor allem der Bienenbaum. Über 250 Schilder geben dem Besucher zudem Auskunft über die Namen der Bäume, Sträucher und Stauden.

2009 wurde der Farnwald eröffnet. Auf einer kleinen, schattigen Lichtung, die von einem Rinnsal bewässert wird, wachsen über 35 verschiedene Arten. Farne sind die Leidenschaft von Hans Greither. Ein kleiner Energie-Park stellt des Weiteren verschiedene alternative Energien dar, mit welchen man Strom erzeugen kann. Ein Wasserrad am Kanal veranschaulicht die Wasserkraft, kleine Windräder die Windkraft, ein Rohr aus dem Boden die Erdwärme und eine Solaranlage die Sonnenkraft. "Die Kinder sind immer fasziniert, wie man mit Wasserkraft das Bremslicht eines Fahrrades betreiben kann", so die Gebrüder Greither.

Ein Novum ist auch die Beobachtungshütte am See. Dort kann man einen Eisvogel bei der Futtersuche beobachten. Das Auwald-Biotop ist ab 9. Januar wieder für Besucher geöffnet.

Mangfallbote

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