Uneinsichtiges Diebespärchen vor Gericht

Bad Aibling - Diebesgut im Wert von zwölf Euro bescherte jetzt einem Pärchen Gefängnis- und Geldstrafen. Vor dem Aiblinger Amtsgericht zeigten sich die beiden uneinsichtig.

Der 40-jährige Kraftfahrer, italienischer Staatsbürger, und seine gleichaltrige Freundin aus der Slowakei versuchten am Amtsgericht Bad Aibling lautstark und gestenreich, ihre absolute Unschuld zu belegen. Richterin Isabella Hubert hatte Mühe den - zumeist unverständlichen - Redeschwall einzudämmen.

Nur weil er eine "Karre" von draußen holen wollte, die zum Zwecke des Einkaufs in dem Aiblinger Kaufhaus nötig geworden sei, habe ihn dieser Hausdetektiv dreist aufgehalten und ihn wie einen Verbrecher behandelt. Und das inmitten von hunderten Kunden. Er wolle gegen den Mann eine Anzeige machen.

Was der Mann nicht erwähnte, war, dass er nach draußen eine Reihe von Waren mitgenommen hatte, die er nicht bezahlt hatte, und dass er und seine Partnerin die Preis-Etiketten von diesen Waren entfernt hatten: eine Sonnenbrille, die er auf dem Kopf trug, eine Tragetasche mit diversen anderen Waren über seiner Schulter und zwei Haarspangen, die seine Partnerin sich bereits (ohne Preisschilder) ins Haar gesteckt hatte. Ausnahmslos Billigwaren von den Ramschständen, die des Aufwands kaum wert waren. Aber immer wieder beschwerte sich das Paar, wie sehr ihm Unrecht geschehen sei.

Der Hausdetektiv bestätigte als Zeuge, dass er die Angeklagten dabei beobachtet hatte, als diese die Preisschilder entfernten. Er seinerseits habe diese Schilder hinter den beiden wieder aufgesammelt und als Beweisstücke sichergestellt. Als der Mann dann das Kaufhaus verlassen hätte, habe er zugegriffen. Während die Frau vorher erklärt hatte, die Haarklammern hätte sie bereits in das Kaufhaus mitgebracht, berichtete der Detektiv, ihm habe sie damals gesagt, sie hätte die Artikel noch bezahlen wollen.

Es entbehrte nicht einer gewissen Komik, als die Ausgangskontrolleurin berichtete, zu ihr habe der Mann gesagt, er müsse nur kurz zu seiner Frau hinaus, während der Angeklagte ihr gleichzeitig einen fiktiven Euro entgegen reckte, weil er vorher ausgesagt hatte, er hätte ihr damit signalisiert, einen Einkaufswagen zu holen.

Während der Mann bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten war, hatte seine Freundin auch schon früher "lange Finger" gemacht. Nur vier Monate vor diesem Diebstahl hatte sie versucht, im Geschäft einer großen Schuhkette ein Paar Schuhe "spazieren zu führen".

Die Staatsanwältin, sichtlich beeindruckt von soviel Unverfrorenheit, meinte, wenn auch der Warenwert lächerlich gering sei, so könne man doch nicht so viel Unbelehrbarkeit durchgehen lassen. Sie beantragte für den Mann eine Geldstrafe von 400 Euro. Ganz anders bei der Frau. Wegen der Vorstrafen und der unglaublichen Rückfallgeschwindigkeit könne es nicht bei einer Geldstrafe bleiben. Sie beantragte hier eine Gefängnisstrafe von vier Monaten, die letztmalig zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. 80 Stunden gemeinnützige Arbeit sollten den Strafeindruck noch vertiefen.

In seinem Schlusswort erklärte der Mann nochmals, er könne nicht verstehen, dass man ihn wegen dieser zwölf Euro, die die vorgehaltenen Waren wert gewesen seien, hier wie einen "Verbrecher" behandle.

Die Richterin führte in ihrem Urteil aus, dass sie die Anklage gegen den Mann normalerweise wegen Geringfügigkeit eingestellt hätte. Da er sich aber derart grob uneinsichtig gezeigt hätte, sei eine Bestrafung unabweisbar. Eine Geldstrafe von 300 Euro soll ihm klarmachen, dass ein Diebstahl keine Gaudi sei. Bei der Frau stimmte sie dem Antrag der Staatsanwältin zu. Vier Monate Gefängnis auf Bewährung.

Die Arbeitsauflage erhöhte sie auf 100 Stunden. "Sie müssen wissen" erklärte sie der Frau, "dass sie ganz dicht vor dem Gefängnis stehen. Nur noch ein kleines Vergehen - und sie landen dort."

au/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Mangfalltal

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT