Urteil gegen Kolbermoorer "Vogeldoktor"

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Einen verletzten Bussard peppelte Heinrich Warlinski auf, links CSU-Vorstandsmitglied Renate Huber.

Kolbermoor - Keine Taubenfütterungen mehr sowie die Übernahme der Anwalts- und Gerichtskosten, so das jetzt gefallene Urteil des Bad Aiblinger Amtsgerichts gegen den Kolbermoorer "Vogeldoktor".

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Offensichtlich eine Welt brach für Heinrich Warlinski aus Lohholz zusammen, als ihm am Amtsgericht Bad Aibling Richterin Elke Dellner per Beschluss verkündete, ab sofort kein Taubenfutter mehr ausstreuen zu dürfen. Für den Fall der Zuwiderhandlung setzte die Richterin ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro an, ersatzweise bis zu zwei Jahre Haft.

Das Urteil im Nachbarschaftsstreit um den Lohholzer "Vogeldoktor" ist nun gefallen: Neben dem Fütterungsverbot muss Warlinski zudem die Anwaltskosten des Klägers in Höhe von rund 960 Euro plus Zinsen und die Gerichtskosten übernehmen.

Hintergrund der Streitsache ist die Klage eines Nachbarn wegen des für ihn unhaltbaren Zustandes der Massentaubenfütterung auf dem angrenzenden Grundstück Warlinskis.

"Soll ich denn für meine Tierliebe jetzt auch noch bestraft werden", fragte er sichtlich ratlos die Richterin, die jedoch auf das "vorläufig vollstreckbare Urteil" hinwies und dem "Vogeldoktor", wie er liebevoll in der Bevölkerung genannt wird, abschließend dringend riet, "kein Taubenfutter mehr auszustreuen".

Doch mit dem Urteil will sich Warlinski noch nicht zufrieden geben. Nach Zustellung des amtlichen Textes will er sich mit seinem Anwalt überlegen, "ob Berufung eingelegt wird". Dazu wollen die Beiden weitere Recherchen anstellen, etwa bei Tierschutzvereinen und ähnlichen Institutionen. Danach wird eine Entscheidung fallen; ein Monat Zeit bleibt ihm noch nach Zustellung des Beschlusses.

Zwischenzeitlich bewegt er sich auf einem schmalen Grat: Hier tut sich der Abgrund der richterlichen Verfügung auf, mit der Androhung des horrenden Bußgeldes oder gar zwangsweiser Haft, und dort sind immer noch einige Tauben, die ohne seine Futterhilfe den "Winter nicht überleben", so Warlinski im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Großteil der vormals etwa 100 Wildtauben sei zwischenzeitlich, nachdem er die Fütterung auf seinem Anwesen in Lohholz einstellen hatte müssen, "verhungert oder Beute von Raubtieren geworden", vermutet der Beklagte.

Auch die Fütterung auf dem Ausweichplatz im Conradtypark habe er zwischenzeitlich eingestellt, "weil es sinnlos ist und das Futter nur von anderen Vögeln gefressen wird". Obwohl er, wie er versichert, auf seinem Grundstück "keine Taubenfütterung mehr vornimmt", kämmen die Vögel immer noch zu ihm. "Da brauche ich nur die Volierentüre offen zu lassen, um zu meinen anderen gefiederten Pfleglingen zu gehen, und schon sind sie da", weiß er zu berichten. "Was soll ich dann machen, die Vögel rausscheuen und die kranken und verletzten mit dazu?" lautet seine Frage, auf die er keine Antwort weiß.

Für den Lohholzer, der sich in weiten Teilen Kolbermoors und darüber hinaus als "Vogeldoktor" einen Namen gemacht hat und bei Verletzungen oder Erkrankungen von Vögeln von Polizei, Tierschutzvereinen oder gar Tierärzten oft zu Rate gezogen wird, ist die Welt seit der Beschlussverkündung aus den Fugen geraten. Geradezu schizophren mutet ihn die Situation an, hier die (gesetztlich gestützte) Tierliebe, dort die richterliche Entscheidung, die gerade dies ihm nun verbietet.

hko/Mangfall-Bote

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