Sex ohne Kondom erzwungen - 4000 Euro Strafe

Kolbermoor - Ein in Kolbermoor lebender Nigerianer gestand vor dem Amtsgericht Rosenheim einen sexuellen Übergriff. Besondere Umstände bewirkten jedoch eine milde Strafe.

Es war ein fröhlicher Freitagabend am letzten Augusttag 2012, an dem die 18-jährige Azubi aus dem Chiemgau mit Freunden nach der "Wiesn" in Rosenheim von Bar zu Bar zog. Ein 20-jähriger Asylbewerber aus Nigeria fand ihr Wohlgefallen, und so fuhren beide mit dem Taxi zu seiner Unterkunft nach Kolbermoor. Dort wurde zu einem Videofilm Rotwein getrunken und geknutscht, wobei es natürlich nicht blieb.

Ungeschützten Sex erzwungen?

Und nun trennten sich die Erinnerungen. Sie behauptete am Tag darauf, generell hätte sie gegen einen Geschlechtsverkehr nichts einzuwenden gehabt. Allerdings unter der Voraussetzung, dass ein Kondom benutzt würde. Das habe er abgelehnt und mehrmals ungeschützten Verkehr erzwungen. Tags darauf hatte sie sich um "die Pille danach" bemüht und über Schmerzen im Vaginalbereich geklagt. Diese waren allerdings auch als Liebkosungsmale interpretierbar. Dennoch erstattete sie Anzeige wegen Vergewaltigung und Körperverletzung.

Seine Version: Einvernehmlicher Sex

Er hingegen erklärte bei der Polizei, dass alles, was in dieser Nacht geschehen sei, völlig einvernehmlich stattgefunden habe. Sie seien gemeinsam mit dem Taxi von Rosenheim in seine Wohnung gefahren und sie sei anschließend nach freiem Willen mit dem Taxi wieder nach Hause gefahren. Probleme habe es zu keiner Zeit gegeben.

Gleich zu Beginn der Verhandlung bat das Gericht die juristischen Vertreter zu einem Rechtsgespräch. Ziel war es, hochnotpeinliche Befragungen zu vermeiden und dennoch allen Beteiligten gerecht zu werden.

Rechtsanwältin Luise Kammermeier bemühte sich, als Vertreterin des "Tatopfers" eine Schmerzensgeld-Zahlung zu erreichen. Rechtsanwalt Dr. Andreas Michel drang darauf, die Rechtsfolgen für seinen Mandanten so gering wie möglich zu halten. Andernfalls könne er seinem Mandanten unmöglich zu einem - möglicherweise unangebrachten - Geständnis raten.

Angeklagter kam 2011 nach Deutschland

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe berichtete, dass die Eltern des Angeklagten 1999 in Nigeria ermordet worden seien. Er sei dann durch eine Nachbarsfamilie in das Grenzgebiet nach Ghana verbracht worden. Damit habe eine Odyssee begonnen. Auf deren Weg sei der junge Mann als Kind und Jugendlicher über Marokko, Spanien und Italien schließlich 2011 in Deutschland gelandet. Er gehe hier einem "1-Euro-Job" nach und dürfe ab kommender Woche regulär in Deutschland arbeiten. Weil er niemals eine Schule besuchen konnte, das berichtete auch die Dolmetscherin, sei er ein Analphabet und habe damit naturgemäß Probleme, einem Deutschkurs folgen zu können.

Dem Vergleich wurde zugestimmt

Das Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Verena Köstner schlug vor, bei einem Geständnis des Angeklagten auf alle Zeugenaussagen zu verzichten, im Gegenzug es für den Angeklagten bei einem Schuldspruch mit Bewährung ohne Strafaussage nach Paragraf 27 des Jugendgesetzbuchs zu belassen. Er habe sich lediglich zu einer moderaten Schmerzensgeld-Zahlung von 4000 Euro zu verpflichten. Dies solle im Wege eines Vergleiches geschehen.

Dem stimmten Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage zu und entsprechend erging das Urteil, wobei das Gericht auch festlegte, dass dem jungen Mann ein Betreuer, und wo notwendig, ein Dolmetscher zur Seite gestellt werden müsse.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Mangfalltal

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Die Redaktion

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT