Über drei Promille: Radler gegen Auto

Bad Aibling - Sturzbetrunken hatte sich ein 47-Jähriger an einem Sommerabend noch auf sein Rad gesetzt und prompt einen Verkehrsunfall verursacht.

Sowohl bei dem Zusammenstoß mit einem stehenden Auto als auch bei der nun folgenden Gerichtsverhandlung kam der Angeklagte noch einmal glimpflich davon.

Der gerichtsbekannte Radlfahrer stand allerdings nicht zum ersten Mal wegen des gleichen Deliktes vor Gericht. Autofahren darf er ohnehin nicht mehr, und wegen des Verdachts der Alkoholabhängigkeit hatte ihn Strafrichterin Hubert schon zum Besuch der Orientierungsgruppe bei der Suchtberatung "verdonnert". Eigentlich wollte der Angeklagte an jenem Abend nach erheblichen Alkoholgenuss gar nicht mit dem Radl auf der Pullacher Straße (Kreisstraße 16) in Bad Aibling nach Hause radeln, sondern hatte ein Taxi bestellt. Doch als dieses nach dem zweiten Anruf immer noch nicht kam, schwang er sich doch auf seinen Drahtesel, den er zufälligerweise einige Tage vorher bei einem Besuch im dortigen Gasthaus zurückgelassen hatte.

Die geschädigte Autofahrerin sagte, an jenem verhängnisvollen Abend habe sie im Dunklen irgendetwas Blinkendes auf der Straße bemerkt. Doch war sie sich im ersten Moment nicht sicher, was es war. Erst dann habe sie festgestellt, dass es ein sturztrunkenener Radlfahrer war, der ihr schwankend entgegenkam.

Radfahrer hatte "tausend Schutzengel"

Sie habe daraufhin sofort ihren Wagen angehalten und die Warnblinkanlage eingeschaltet. Doch alles habe nichts genützt. In seiner Trunkenheit schien der Radlfahrer das überhaupt nicht zu bemerken und prallte gegen das stehende Auto. Glücklicherweise waren die Verletzungen des Mannes nur gering. "Er muss tausend Schutzengel gehabt haben," meinte die Autofahrerin. Sie verständigte Polizei und Sanitäter, die Erste Hilfe leisteten. Denn aufgrund des übermässigen Alkoholgenusses des Gestürzten war nicht sicher, ob dieser außer Schürfwunden noch andere Verletzungen davon getragen hatte.

"Sie sind doch kein Krimineller und haben einen geregelten Lebenslauf", ermahnte Richterin Hubert fast vorwurfsvoll den Angeklagten und fragte ihn, ob er sich bewusst sei, dass es diesmal um seine Freiheit gehe. Dieser war sich dessen bewusst und versicherte, dass er keinesfalls alkoholsüchtig sei, leider nur manchmal etwas zu tief ins Glas schaue. Obwohl der Angeklagte noch unter offener Bewährung wegen eines zurückliegenden Alkoholexzesses steht, verurteilte ihn das Gericht nochmals zu einer, wenn auch empfindlichen, Geldstrafe in Höhe von 170 Tagessätzen à 20 Euro wegen vorsätzlicher Gefährdung im Straßenverkehr.

Geständnis sprach zu seinen Gunsten

Zu seinem Gunsten, so hieß es in der Urteilsbegründung, würden sowohl das vollständige Geständnis als auch der Umstand sprechen, dass der entstandene Blechschaden in Höhe von rund 2000 Euro vom Angeklagten bereits im Vorfeld beglichen worden sei. Hinterfragt wurde auch, ob es für den Angeklagten aufgrund seiner vermuteten Alkoholprobleme nicht doch besser sei, diesen in eine Entziehungsanstalt einzuweisen, doch letztlich nahm das Gericht davon Abstand.

je/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa

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