"Vogeldoktor": Frist verlängert

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Weiterer Patient für "Vogeldoktor" Heinrich Warlinski (rechts): Ulrich Gock mit seiner Tochter Meike brachten einen Nynphensittich.

Kolbermoor - Heinrich Warlinski - auch bekannt als "Vogeldoktor" - muss die Fütterung seiner Wildtauben einstellen. Für die Umsiedlung der Vögel wurde jetzt die Frist verlängert.

So trüb wie das Wetter war auch die Stimmung beim Lohholzer "Vogeldoktor" Heinrich Warlinski, der nach einer Verfügung des Amtsgerichts Bad Aibling die Fütterung seiner Wildtauben auf seinem Anwesen an der Aiblinger Straße einstellen muss. Die Frist für die Umsiedlung der Tiere hatte das Gericht gestern um vier Wochen verlängert.

Drei Wochen Zeit hatte Warlinski für die Umsetzung der gerichtlichen Verfügung (wir berichteten), die nun bei der gestrigen Verhandlung vor dem Aiblinger Amtsgericht um weitere vier Wochen verlängert wurde. Ein Nachbar war gegen den "Vogeldoktor" vor Gericht gezogen aufgrund des für ihn unhaltbaren Zustands durch die Massentaubenfütterung.

Warlinski sollte nun den Großteil seiner Tauben auslagern und an fremder Stelle weiter füttern. Mit Hilfe des CSU-Ortsverbandsvorsitzenden Sebastian Daxeder fand man ein kleines Areal im Conradty-Park, das sich aber im Nachhinein als problembehaftet herausstellte. Denn die neue Futterstelle wurde von der Vielzahl des Federtiers nach Angaben von Warlinski nicht angeflogen.

Das lag seiner Einschätzung nach wohl auch darin mitbegründet, dass er nicht die Zeit hatte, seine Tiere behutsam an den neuen Fressplatz heranzuführen. So geschah genau das, was der Vogeldoktor der Richterin schon beim ersten Termin prophezeit hatte: "Die Tauben werden sterben."

Sichtlich bewegt zeigte er jetzt mehrere verhungerte Tauben als traurigen Beweis seiner Vorhersage - weitere "Opfer" schließt er nicht aus. Warlinski vermutet ein Vielfaches mehr an verendeten Tieren, denn auch das Wetter und die natürlichen Feinde wie Sperber und andere Raubvögel, die nun freie Jagd auf die schutzlosen Tieren machen konnten, würden ihren Tribut fordern.

Bestürzung über Taubensterben

Dem Taubensterben konnte der Vogeldoktor zuletzt nicht mehr zuschauen und nach Rücksprache mit seinem Rechtsvertreter entschied er, die noch etwa 40 bis 50 verbliebenen Tauben (von mehr als 100) wieder auf seinem Grundstück in der Aiblinger Straße zu füttern, bis gestern diese weitere Terminverschiebung ergangen war.

Warlinski, der weiter mit Daxeder in Kontakt steht und nach einer Dauerlösung für das Federvieh sucht, weiß, dass das Gelände am Conradty-Park "nicht so ideal ist" und er will einen anderen Platz finden. Doch dazu benötigt er weitere Zeit, die er nun hat, und vor allem auch die Unterstützung der Stadt Kolbermoor oder des Kreises, "aber da ist Funkstille, keine Reaktion", bedauert er. Trotz des für ihn "überwältigenden Zuspruchs" aus der Nachbarschaft und von vielen Kolbermoorern steht er weiter mehr oder weniger allein da mit seinem Problem. " Für viele Kinder, die mir bisher immer ihre Findlinge gebracht hatten, ist das ein riesen Dilemma, da ich die Tiere ja nicht mehr füttern darf, was dann ja meistens deren Tod zur Folge hat", weiß er aus leidvoller Erfahrung. "Da gab`s schon viele Tränen bei den Kleinen, wenn sie mich besuchten und nach ihren Vögeln fragten und ich ihnen dann von dem gerichtlichen Verbot erzählte."

Um nunmehr aber möglichst keine weiteren seiner ihm anvertrauten Kreaturen sterben zu sehen, hat er beschlossen: "Ich werde auf jeden Fall kein Tier mehr verhungern lassen, das zu mir gebracht wird oder vor meiner Haustüre liegt." Und, als wäre es abgesprochen, erscheint in diesem Augenblick Ulrich Gock mit seiner Tochter Meike, denen ein Nymphensittich zugeflogen war. Über das Tierheim in Rosenheim hätten sie die Auskunft erhalten, das Tier beim Vogeldoktor in Lohholz abzugeben. Die Beiden, die selbst einen Graupapagei pflegen - "der verträgt sich aber nicht mit dem Sittich und der leidet unter der Einsamkeit" -, brachten nun nach der "Erstversorgung und Fütterung", den Sittich mit Futterkorb und Trinkflasche zu dem Vogelfreund, der ihm jetzt ein adäquates neues Zuhause unter mehreren Artgenossen bieten kann. Tochter Meike ist "froh, dass er jetzt in guten Händen ist".

Zum gestrigen Gerichtstermin nun, bei dem Richterin Elke Dellner das Urteil verkünden wollte, war auch Heinrich Warlinski erschienen. Doch es kam erst mal ganz anders. Die Richterin gab die Verschiebung des Verkündungstermins auf den 16. Januar nächsten Jahres bekannt, wobei sie allerdings bekräftigte, "die Situation bleibt so, wie sie ist", soll heißen, an der Ursprungsverfügung ändert sich nichts.

Vier Wochen mehr Zeit für Umsiedlung

Diese Verschiebung, der auch der Kläger spontan "im Sinne eines guten nachbarschaftlichen Verhältnisses" zugestimmt hatte, soll dem Vogeldoktor "eine zusätzliche Zeit von vier Wochen zur Umsiedlung seiner Wildtauben geben", so Richterin Dellner, die sich viel Zeit nahm, diese Terminänderung und was dahinter steckt, zu begründen. Ziel sei aber weiterhin die Umsiedlung aller Wildtauben Warlinskis und nach Meinung der Richterin sollte diese Zeit dafür auch genügen.

Warlinski sieht trotzdem schwarz: Er ist sich sicher, dass die Anzahl der toten Tauben weiter steigen wird- "momentan sind es schon zwölf Tiere."

hko/Mangfall-Bote

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