"Vogeldoktor" zwischen den Fronten

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"Vogeldoktor" Heinrich Warlinski in einer seiner Volieren, in denen er die Vögel pflegt.

Kolbermoor - Heinrich Warlinski muss die Fütterung für den Großteil seiner über 100 Tauben einstellen. Das sagt jetzt eine Verfügung des Amtsgerichts Rosenheim.

Für Heinrich Warlinski aus Lohholz brach dieser Tage eine Welt zusammen, in der er und seine vielen Vögel lebten und sich seit Jahrzehnten wohl fühlten. Der Grund: eine Verfügung des Amtsgerichts Rosenheim, in der dem "Vogeldoktor", wie er liebevoll und anerkennend von der Bevölkerung genannt wird, auferlegt wird, innerhalb von drei Wochen die Fütterung für den Großteil seiner über 100 Tauben auf seinem Anwesen an der Aiblinger Straße einzustellen.

Die Richterin am Amtsgericht führte in der Begründung aus, dass auf dem Anwesen nur noch "in ortsüblicher Menge" Tauben (bis zu maximal 30 Tiere) gefüttert werden dürfen, auch und vor allem zum Schutze der Nachbarn, von denen einer vors Amtsgericht gezogen war.

Einen verletzten Bussard peppelte Heinrich Warlinski auf, links CSU-Vorstandsmitglied Renate Huber.

Für den Vogelliebhaber kommt die Verfügung für viele seiner Tauben einem "Todesurteil" gleich, denn sie werden "mit Sicherheit verhungern, da sie von klein auf von mir gefüttert worden sind". Warlinski, der sich noch mit seinem Anwalt besprechen will, ob ein Rechtsmittel gegen diese richterliche Verfügung eingelegt werden kann, will aber bis dahin nicht die Hände in den Schoß legen, denn die Zeit drängt. Er muss nun kurzfristig für seine Tiere eine neue Futterstelle suchen, eventuelle Eigentumsverhältnisse klären und gegebenenfalls bauliche Maßnahmen treffen, um den Futterplatz sowohl wetter- als auch feindsicher zu machen.

Als Lösung schwebt Warlinski ein Areal im Conradty-Gewerbepark vor, der nicht so weit weg ist von seinem Haus und wo seine Tiere weitestgehend sicher wären vor weiteren Anfeindungen von Mensch und Tier. Aber dazu will er zunächst einmal Gespräche führen mit dem CSU-Ortsverbandsvorsitzenden Sebastian Daxeder, der ihm jüngst bei einem Vor-Ort-Termin in seiner "Vogelklinik und Aufzuchtstation" schon Hilfe angeboten hatte.

Beim Thema Hilfe zeigte sich Warlinski im Gespräch mit unserer Zeitung indes sehr enttäuscht, vor allem von der Stadt Kolbermoor, von der er bisher "nichts gehört" hat. Und da sieht auch die Leiterin des Rosenheimer Tierheims, Johanna Halisch, die ebenfalls bei dem Gerichtstermin anwesend war, Stadt und Kreis in der Pflicht. "Herr Warlinski ist die einzige Auffangstation für pflegebedürftige Vögel im gesamten Rosenheimer Kreis, und weder Stadt noch Landkreis helfen ihm", so die Tierheimleiterin gegenüber unserer Zeitung. Sie selbst unterstützt den engagierten Vogelschützer mit Rat und Tat und arbeitet eng mit ihm zusammen.

Weiter führte Halisch aus, dass viele Tierheime und auch Tierärzte in der Region die erkrankten oder verletzten Vögel einfach bei Warlinski abgeben und er dann meist allein die Pflege übernimmt, ohne Erstattung irgendwelcher Kosten. "Die lassen ihn alle im Regen stehen", meint sie und betrachtet zudem die richterliche Verfügung als umstritten.

Unterstützung erfährt der Vogelfreund neben dem Rosenheimer Tierheim auch von der Münchner Tierklinik oder von Tierärzten; die zeit- und kostenintensive Arbeit und die Pflege der Vögel lastet aber weitgehend auf seinen Schultern. In mehreren Kleinvolieren in Haus und Garten pflegt er Spechte, Tauben, Finken, Stare' Amseln und auch den seltenen Dompfaff. In einer großen Freivoliere finden Saat- und Nebelkrähen, Dohlen und Elstern ein angemessenes Zuhause. Die Tiere würden ihm, wie Warlinski ausführte, von Tierärzten, Nachbarn oder der Polizei gebracht, nicht selten fände er sie auch anonym morgens auf der Treppe vor seinem Haus. So brachte ihm beispielsweise jüngst die Rosenheimer Autobahnpolizei einen schwer verletzten Bussard, der von einem Lkw angefahren worden war. "Der war schon fast tot, hat leblos dagelegen", so Warlinski. Doch mit seinem "Zaubertrank" und intensiver liebevoller Pflege fast rund um die Uhr hat er ihn wieder aufgepäppelt und will ihn im Frühjahr wieder auswildern.

Viele weitere, teils seltene Vögel wie beispielsweise eine Schleiereule, hat der Vogeldoktor zurzeit in Pflege und hilft ihnen. Bis zu 14 Stunden täglich ist der 63-jährige Frührentner für sein Federvieh im Einsatz, vom Füttern, ausmisten und Pflegen bis hin zur Erstversorgung bei Brüchen und Verletzungen.

Das Futter kauft er eigenen Angaben zufolge überwiegend selbst ein, Hilfe kommt dabei aber immer wieder vom Rosenheimer Tierheim. "So um die 200 Euro gebe ich monatlich für Futter aus", zeigt er auf. Und: "Schon als Bub war ich die erste Adresse bei den Lohholzern", erinnert sich Warlinski. Sie und viele andere bringen ihm seit Jahrzehnten pflegebedürftige Vögel und seine Volieren platzen zwischenzeitlich aus allen Nähten.

Dass das für die Nachbarschaft auch eine gewisse Belastung darstellt ist ihm klar, und so erhofft er sich vom CSU-Ortsverband, an den er sich in seiner Not gewandt hatte, Hilfe. "Wir sind sofort dem Hilferuf gefolgt", erklärt Daxeder, "und haben uns jetzt erst einmal vor Ort ein Bild gemacht." Das weitere Vorgehen wird auch von der gerichtlichen Verfügung entscheidend beeinflusst, die nun ein zeitnahes Handeln und Helfen impliziert. Dass dabei auch andere Institutionen bei Stadt und Kreis mit ins Boot geholt werden sollen, ist nicht nur der Wunsch des Lohholzer Vogeldoktors Heinrich Warlinski.

hko/Mangfall-Bote

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