Graue Maus jetzt schlichte Schönheit

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Die „graue Maus“: Das Rathaus von Vogtareuth.

Vogtareuth - Armut kann „reich“ machen: Dies hat die Gemeinde Vogtareuth bei der Generalsanierung des Rathauses bewiesen. Die finanzschwache Kommune entwickelte bei der Durchführung der Maßnahmen viel Kreativität.

Vom Kämmerer bis zur Sekretärin und zum Gemeindearbeiter: Alle packten mit an und sparten mit diesem Engagement die Hälfte der Kosten ein.

Vorher-Nachher-Fotos beweisen: Die graue Maus hat sich in eine schlichte Landschönheit verwandelt. Aus dem ehemals heruntergekommen wirkenden Rathaus ist zwar kein Brillant, jedoch ein kleiner Edelstein geworden. "Selten haben wir so viel spontanes Lob von der Bevölkerung erhalten wie für die Sanierung unseres Rathauses", freut sich Bürgermeister Matthias Maier, der als Verwaltungschef in einer Kommune, die viele kommunalpolitische Probleme zu lösen hat, nicht gerade verwöhnt ist mit Applaus. Die positive Resonanz auf die Schönheitskur für das Verwaltungsgebäude ist jedoch auch darin begründet, dass hinter den Arbeiten viel Herzblut der sechs Mitarbeiter im Rathaus und vier Gemeindearbeiter aus dem Bauhof steckt. Denn ohne ihr freiwilliges Engagement hätte Vogtareuth das Projekt Rathaussanierung in dieser Form nicht stemmen können. Die Gemeinde liegt beim Steueraufkommen auf Platz 43/44 der 46 Landkreiskommunen. Die Bewältigung der Pflichtaufgaben kostet große Kraftanstrengungen, Geld für freiwillige Leistungen ist rar. Deshalb fristete das Rathaus jahrzehntelang ein Dasein als Mauerblümchen. Seit 1968, als hier die Verwaltung einzog, ist das Gebäude von 1878 nicht renoviert worden. "In einigen Büros hingen noch die 40 Jahre alten Vorhänge", erinnert sich der Bürgermeister.

Bilder von der Renovierung

In der Tat bot das Haus kurz vor der Sanierung ein trauriges Bild: Der Putz blätterte von den Wänden. Die Feuchtigkeit hatte sich tief in das Mauerwerk hineingefressen. Durch die Fenster zog es derart, dass es die Mitarbeiter im Winter nur in dicken Pullovern aushielten. Der Zahn der Zeit hatte außerdem am Dachstuhl genagt. Elektro- und Wasserleitungen waren marode. Neubau oder teure Generalsanierung unter Leitung eines Architekten? Zu teuer, das stand schnell fest. "Da haben wir uns auf das Know-how besonnen, das bei uns im Haus vorhanden ist", berichtet der Bürgermeister. Kämmerer Marco Binder hatte gerade ein Haus gebaut und dabei viel Eigenleistung erbracht, Bauhofleiter Hardy Baumann brachte als Zimmerermeister seine Erfahrungen ein. Gemeinsam entwickelten sie ein Sanierungskonzept, in das sich jeder Mitarbeiter aus der Verwaltung mit eigenem Spezialwissen einbrachte. Farbgestaltung, Leuchtenauswahl, Gardinenstoffe, Fliesen, Armaturen, EDV-Anschlüsse: Jeder durfte seine Ideen vorbringen, die Binder und Baumann bündelten und in einem stimmigen Sanierungsprogramm zusammenführten. Der Bürgermeister ließ seine Leute "im vollen Vertrauen in ihr Können" schalten und walten und brachte sich ebenfalls in einem wichtigen Punkt ein: Die Lieblingsfarbe von Maier, Grün, gibt beim Außen- und Innenanstrich den neuen Ton an.

Nur 90000 Euro hat nach Angaben des Kämmerers die Innensanierung nun gekostet, nur 122000 Euro die Renovierung der Außenfassade mit neuen Fenstern, Anstrich sowie moderner Dämmung. Etwa 150000 Euro seien eingespart worden, freut sich der Bürgermeister. Dass die Kosten trotz des gewaltigen Arbeitsumfanges einer Generalsanierung so gering ausfielen, lag auch an der Tatsache, dass die Mitarbeiter der Verwaltung viele Arbeiten selber durchführten oder vor- und nachbereiteten. Sie rissen persönlich Mauern und Decken ein, griffen selber zum Malerpinsel, schleiften die Böden und ließen sie ein, brachten Vorhänge an und putzten - zum Teil auch nach Feierabend und am Sonntag. Sogar den neuen Sitzungstisch für den Gemeinderat hat ein Mitarbeiter des Bauhofes daheim in seiner privaten Werkstatt geschreinert. Das Verwaltungsteam übte sich außerdem in Bescheidenheit. Deshalb blieb das Geländer aus den 60er-Jahren für die Rathaustreppe aus Kostengründen einfach stehen - eine optische Huldigung an die alten Zeiten.

Nur regionale Firmen kamen zum Zuge

Natürlich gab es Leistungen wie die Installation der neuen Elektrik und der Sanitäranlagen sowie die Wärmedämmung, die von Fachfirmen durchgeführt werden mussten. Da die Kosten der Generalsanierung jedoch so moderat ausfielen, konnte die Gemeinde die Arbeiten beschränkt ausschreiben und örtliche Handwerksbetriebe bevorzugt zur Abgabe von Kostenvoranschlägen einladen. Nur heimische und regionale Firmen kamen so zum Zuge --die Sanierung wurde sozusagen zur Dorfangelegenheit. Derzeit gehen die Arbeiten mit der Dämmung des Dachstuhls ihrem Ende zu. Später soll noch der Rathausplatz neu gestaltet werden --im Zuge der energetischen Sanierung der Schule mit Nahwärmeversorgung für alle gemeindlichen Liegenschaften, für die die Gemeinde Vogtareuth 1,4 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm II erhält. Derzeit wird außerdem die Pfarrkirche im Ortskern renoviert. Vogtareuth scheint aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen.

duc/Oberbayerisches Volksblatt 

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