Von Wachtelkönig bis Baumschaden

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Die Ausweitung des Trinkwasserschutzgebietes in der Willinger Au sieht die Umweltreferentin positiv.

Bad Aibling - Die Umweltreferentin hat im Stadtrat ihren Bericht verlesen. Unter anderem sieht sie die Ausweitung des Trinkwasser-Schutzgebietes in der Willinger Au als positiv.

Mit der Rettung einiger feuchten Streuwiesen als artenreiche Kulturrelikte habe die Stadt Bad Aibling immerhin einen kleinen Beitrag zum großen Projekt "Rosenheimer Stammbeckenmoore" geleistet. So die erfreute Feststellung der Umweltreferentin Anita Fuchs in ihrem Bericht vor dem Stadtrat.


Sie hatte Fotos mitgebracht von Wachtelkönig und Bekassine, die als Wiesenbrüter für den Lebensraum Wiese stehen. Durch den Schutz der Flächen am Fernpeiler im Weitmoos und südlich des Blumenhofs Kefer im Rahmen der Ausgleichsregelung gehe deren Lebensraum nicht verloren.

Nach wie vor unbefriedigend gestaltet seien die Hochwasserschutzmaßnahmen an der Mangfall, schloss sich Anita Fuchs der Aussage von ÜWG-Stadtrat Stefan Roßteuscher an: "Kein Bauabschnitt zwischen Rosenheim und Feldkirchen Westerham ist so hässlich geworden wie dieser." Sie warte immer noch auf die Reaktion des Wasserwirtschaftsamtes, erklärte die Referentin. Denn die Verwaltung sei gebeten worden, mit den Sachbearbeitern Verbesserungen auszuhandeln.


Bereits im Januar sollten dem Stadtrat, so Fuchs weiter, eigentlich die Umplanungen zum Hochwasserschutz zwischen Glonnmündung und Bahnbrücke vorliegen. Sie habe gehört, dass durch Einsparung der Erdbetonwände beträchtliche Kosteneinsparungen möglich seien. Stattdessen könnten ihrer Meinung nach im Zuge der Arbeiten vermehrt die hohen Schwellen in Mangfall und Glonn aufgelöst werden. Diese Querbauwerke seien für Menschen gefährlich und für Tiere schlecht passierbar.

Sehr überzeugt zeigte sich die Referentin von dem städtischen Baumkataster. Es zahle sich in mehrfacher Hinsicht aus, den Baumbestand zu kartieren und zu pflegen. Stadtbäume seien einem hohen Stress ausgesetzt und bräuchten deshalb besonders große Pflanztiefen und Scheiben.

Doch gebe es immer wieder auch Situationen wie am Wilhelm-Leibl-Fußweg und dem Radweg auf Höhe Sonnenstraße. Dort sei im Sommer direkt unter den Kronen, an den Stämmen, ein Graben für ein Telekomkabel ausgebaggert worden. Der Hinweis einer Bürgerin habe zum Baustopp geführt, sonst wäre die gesamte Baumreihe Fuchs zufolge bis zum Triftbach beschädigt worden. "Die Verlegung des Kabels im Wurzelbereich war völlig unnötig", kritisierte die Stadträtin. Für vier geschädigte Bäume sei eine Schadensersatzsumme von 10.000 Euro fällig geworden.

Anita Fuchs ging überdies auf die Bekämpfung des Indischen Springkrauts und der Kanadischen Goldrute ein, an der sich auch Schulklassen beteiligten. Als wünschenswert bezeichnete sie eine Flutung des Madau-Auwaldes in halbjährlichem Rhythmus (zur Wiederherstellung einer natürlichen Überflutungsdynamik) sowie verbesserten Hochwasserschutz durch Renaturierung des Feldbaches und der angrenzenden Wiesen.

Die Referentin berichtete des Weiteren aus Sitzungen der Mangfall-Allianz und begrüßte überdies die Fertigstellung des Regenüberlaufbeckens und Stauraumkanals in der Rosenheimer Straße zur Rückhaltung ungeklärter Haushaltsabwässer. Fuchs forderte aber auch, die Ursache für die Keimbelastung der Brunnen in der Willinger Au "nicht länger zu verschleiern, sondern zu beheben." Mit der konsequenten Ausweitung des Trinkwasserschutzgebietes sei man auf dem richtigen Weg. In diesem Zusammenhang wünschte sie sich aber auch einen Bericht des Stadtwerkeleiters zu Fragen und Entwicklungen bei der Trinkwasserqualität sowie auch dazu, ob die bestehende Schutzgebietsverordnung noch den Erfordernissen entspreche oder ergänzt werden sollte.

Lob hatte die Umweltreferentin für das "überzeugende Gesamtkonzept" für die neue Stadtmitte, das sie auf die gute Zusammenarbeit der Behnhisch-Architekten mit dem Verkehrsplaner Dr. Baier zurückführte. Es handle sich um eine reizvolle Umsetzung der neuen Philosophie des gemeinschaftlich genutzten Verkehrsraums (Shared Space), ohne starre Trennung der Verkehrsarten. Schon jetzt mache man gute Erfahrungen mit der "Notlösung" Zebrastreifen.

Ebenfalls positiv hob sie die Entwicklung der Null-Energiestadt auf dem B&O-Parkgelände hervor. Anita Fuchs ging auch auf das neue Angebot "Immer mobil" für die Generation 50 plus ein, das die Mobilitätsangebote im ländlichen Raum einfacher und komfortabler machen soll. Unter anderem sollen spontan und ortsbezogen geeignete Fahrdienste bestellt werden können. Zudem regte Anita Fuchs an, über Elektrofahrzeuge für städtische Mitarbeiter nachzudenken, den 23 Jahre alten Flächennutzungsplan mit Landschaftsplan und den Stadtentwicklungsplan zu überarbeiten sowie sich genauer über Bürgerbeteiligungen bei Ökostromprojekten zu informieren.

Eine besondere Anerkennung sprach die Referentin letztlich dem Arbeitskreis Umwelt am Aiblinger Gymnasium für seine Klimawoche aus. Die Schüler hätten es ihrer Meinung nach verdient, den ersten Aiblinger Umweltpreis zu erhalten, der zu ihrem Bedauern jedoch erst 2012 erstmals verliehen werde.

Eva Langwieder (Mangfall-Bote)

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