Auf Wehrlosen eingeschlagen

Kolbermoor - Wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung standen jetzt zwei junge Schläger vor Gericht.

Weil sie bei einer Streiterei vor einer Diskothek die Kontrolle verloren hatten, sich prügelten und auch dann noch auf die Gegner losgingen, als diese bereits wehrlos waren, wurden sie zu Freizeitarresten und Geldstrafen verurteilt.

"Anfegen" ist nicht sehr selten ein "Sport" unter männlichen Heranwachsenden, wenn man etliche Biere intus hat: "Geh ma naus?" heißt es dann schnell einmal. So ging es auch los am 13. Mai dieses Jahres in der Diskothek "Kiss". Der 19-jährige Angeklagte aus Hausham kam dieser Einladung gerne nach und vor der Tür hob eine tüchtige Prügelei an. Es hätte bei einer straffreien "Einwilligung zur Körperverletzung" bleiben können. Aber als der gleichaltrige Gegner k.o. zu Boden ging, hakte der Monteur aus und schlug hemmungslos weiter auf den Wehrlosen ein.

Beide Angeklagte, die überhaupt nicht wie gewohnheitsmäßige Schläger wirkten, standen nun vor dem Amtsgericht Bad Aibling und sahen sich mit einer heftigen Anklage wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung konfrontiert. "Es mag durchaus sein", so die Staatsanwältin zu den Angeklagten, "dass Provokation von den Geschädigten ausging. Dennoch hätten Sie die Auseinandersetzung so-fort stoppen müssen, als der Gegner wehrlos war. Völlig inakzeptabel aber war die gemeinsame Attacke gegen den Schlichter."

Die Staatsanwältin erklärte den Angeklagten, dass diese großes Glück hätten, weil sie als Heranwachsende nach dem Jugendrecht bestraft würden. Anderenfalls würde ihnen eine Gefängnisstrafe von weit über sechs Monaten drohen. Sie forderte für den Angeklagten aus Hausham eine Woche Dauerarrest und für den Bad Aiblinger einen Wochenend-Freizeitarrest, damit sie ausreichend beeindruckt würden. Die Angeklagten brachten zu ihrer Verteidigung ihr Bedauern über die Entwicklung zum Ausdruck, die diese Auseinandersetzung genommen hatte.

Die Vorsitzende Richterin, Dr. Stephanie Oberländer, verdeutlichte den Angeklagten nochmals, dass es zwingend notwendig sei, in allen Lebenslagen die angemessenen Grenzen einzuhalten. Sie verurteilte die beiden zu Freizeitarresten und - was diese womöglich noch mehr schmerzt - zu einer Geldstrafe von 300 Euro.

au/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa

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