Vom Winzling zum Wildfang

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Rosenheim - Nur eine "Handvoll Mensch" war Caroline, als sie viel zu früh das Licht der Welt erblickte. Beim "Frühchen-Fest" im Garten des Romed-Klinikums Rosenheim tobte sie fröhlich umher. Rund 70 andere Frühchen waren mit ihren Eltern dabei. **Video**

Für die Ärzte und das Pflegepersonal der Kinder-Intensivstation ist das Frühchen-Fest immer etwas ganz besonderes. Mit kaum einem anderen Patienten verbringen sie so viel Zeit. Denn die kleinen Erdenbürger bleiben meist bis zu ihrem errechneten Geburtstermin in der Obhut des Krankenhauses, das sind im Durchschnitt gerne zehn bis 15 Wochen. 

Bereits Winzlinge in der 24. und 25. Schwangerschaftswoche haben heutzutage eine Chance zu überleben, wenn sie auf die Welt kommen. "Da leistet die Medizin schon Unglaubliches", so Chefarzt Dr. Thorsten Uhlig. Die lange Zeit, die man mit dem Frühchen verbringe, verbinde dann auch sehr. Man leide oft mit den Eltern mit, wenn es Komplikationen gebe und diese seien nun mal bei Frühchen häufig der Fall. "Denn Atmung und viele andere Körperfunktionen sind oftmals noch nicht ausgereift", erklärt der Chefarzt.

Das erste Bild, das Eltern darum von ihren Neugeborenen bekommen, sei deshalb das eines "roten, dürren Wesens an vielen Schläuchen", wie es Vater Rainer Kotzenbauer beschreibt. Dieser Anblick verunsichere. "Man wagt es zunächst überhaupt nicht, dieses winzige Leben aus Haut und Knochen anzufassen", erinnert er sich. Doch schnell werde dann der Umgang mit dem - im Fall von Caroline - 36 Zentimeter großen Säuglings zur Routine. Nicht zuletzt, betont Kotzenbauer, durch die liebevolle Umsorgung von Schwestern und Ärzten des Romed-Klinikums.

Caroline hat schon einen älteren Bruder und dem eifert sie zunehmend nach. "Das tut ihrer Entwicklung sehr gut. Man merkt, wie sie den zu frühen Start ins Leben immer mehr aufholt", freut sich ihr Papa. Für ihn habe seine Tochter aber nach wie vor zwei Geburtstage. Den am eigentlichen Geburtstermin und den, an dem sie zehn Wochen zu früh das Licht der Welt erblickte.

Rund 100 Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm kamen in den vergangenen vier Jahren im Romed-Klinikum Rosenheim zur Welt. Rund 70 davon kamen anlässlich des Frühchen-Fest an den Ort ihrer Geburt und ersten Lebenswochen zurück. Das Klinikpersonal hatte sich für seine kleinen Gäste viele Programmpunkte einfallen lassen: Es wurde gemalt, gebastelt und gespielt.

Unter den Gästen war auch Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, die sofort Drillinge in ihr Herz schloss, die sich ebenfalls unter den kleinen Besuchern befanden. Esra, Eduard und Edmond Hasimi sind heute 13 Monate alt. Auf die Welt kamen sie zwei Monate zu früh. Doch den zu eiligen Start ins Leben hat das Dreiergespann mittlerweile ebenfalls gut aufgeholt. Die Kinder haben sich zu wahren Temperamentsbündeln gemausert, wie ihre stolzen Eltern erzählen.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © df

Zurück zur Übersicht: Mangfalltal

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser