Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Resozialisierung im Tierheim Ostermünchen

Wurde Dobermann Jamie als Welpe auf Menschen abgerichtet?

Ein eingespieltes Team: Tierpfleger Sebastian Etzkorn ist im Tierheim Ostermünchen die engste Bezugsperson von Dobermann Jamie. Bei Spaziergängen muss der Hund immer einen Maulkorb tragen.
+
Ein eingespieltes Team: Tierpfleger Sebastian Etzkorn ist im Tierheim Ostermünchen die engste Bezugsperson von Dobermann Jamie. Bei Spaziergängen muss der Hund immer einen Maulkorb tragen.

Jamie ist ein wunderschöner Dobermann. Doch als Welpe genoss er eine fragwürdige Erziehung und wurde offenbar darauf trainiert, Menschen gezielt anzugreifen. Weil er gebissen hat, brachte ihn die Polizei aus Bruckmühl ins Tierheim Ostermünchen. Wie sich Tierpfleger und erfahrene Hundetrainer hier um den Rüden kümmern.

Bruckmühl/Tuntenhausen – Jamie ist ein Bruckmühler – ein wunderschöner Hund zwar, doch zugleich ein Sorgenkind. Im Ostermünchener Tierheim der Interessengemeinschaft Mensch und Tier hat er ein Zuhause auf Zeit gefunden, so wie pro Jahr mehr als 20 weitere Tiere aus dem Gemeindebereich. Der Marktgemeinderat hat jetzt beschlossen, den Verein mit knapp 9300 Euro zu unterstützen.

Die Geschichte von Jamie ist eine außergewöhnliche: Der Dobermann war gerade acht Monate alt, als er auf Ersuchen des Marktes Bruckmühl von der Polizei sichergestellt wurde.

Intensives Training mit dem Hund

Jamie – damals hieß er noch Nagant – hatte wiederholt gebissen und wurde seinem Besitzer daher weggenommen. „Wir haben einen Vertrag mit der Gemeinde bezüglich Fundtieren, kümmern uns jedoch auch zusätzlich um Abgabetiere“, sagt Vereinsvorsitzender Tilman Rieger. Also wurde Jamie im April 2018 im Ostermünchener Tierheim aufgenommen. Seitdem arbeiten Tierpfleger und Hundetrainer täglich daran, seinen Charakter zu verändern. „Wir hatten keine Informationen über das Tier, keinen Kontakt zum Vorbesitzer. Doch die Vermutung liegt nahe, dass der Hund in seinen ersten Lebensmonaten scharfgemacht wurde, damit er gezielt Hände und Arme angreift“, beschreibt Hundehausleiter Sebastian Czernia den fast fünfjährigen Rüden.

Seit vier Jahren arbeitet Tierpfleger Sebastian Etzkorn mit ihm. In täglichem Training lehrt er den Hund das Vertrauen zum Menschen und das Verhalten Fremden gegenüber. „Wer Jamie heute hier in seiner gewohnten Umgebung mit den ihm vertrauten Menschen sieht, erlebt einen lieben Hund“, beschreibt Czernia. Trotzdem berge Jamie noch immer Gefahrenpotenzial, denn: „Er hat seine Angst noch nicht ganz überwunden, auch wenn seine Reizschwelle schon besser geworden ist. Der Erstkontakt mit Fremden ist aber immernoch kritisch. Da reicht ein falscher Blick, und schon geht er nach vorn.“ Deshalb sind Spaziergänge mit Jamie auch nur mit Maulkorb erlaubt.

Es gibt Interessenten, die den Dobermann gern adoptieren würden, doch noch ist es nicht soweit: „Aber ich bin mir sicher, dass wir Jamies Resozialisierung hinkriegen“, meint Tierheimchef Rieger optimistisch. Doch auch wenn Jamie irgendwann wieder für ein „normales“ Leben außerhalb des Tierheimes bereit sein sollte, wird er Menschen brauchen, die sehr hundeerfahren sind.

Für Jamie hat die Marktgemeinde Bruckmühl dem Verein eine einmalige Pauschale von circa 2000 Euro gezahlt. „Weil es sich in diesem Fall um ein Abgabetier handelt“, erklärt Rieger. Die Stunden mit den Hundetrainern, die der Dobermann noch heute braucht, bezahlt der Verein nun aus eigener Tasche. Wie Jamie kommen auch andere Tiere nach Ostermünchen – unter anderem, wenn das Herrchen verstorben ist. 2021 waren darunter beispielsweise Yorkshire Terrier, Katzen, Farbratten und Kaninchen. „Wir nehmen sie auf und helfen so den Bürgern der Gemeinde“, betont Rieger.

Hinzu kommen die Fundtiere, für die Kommunen eine Fundtierpauschale zahlen. Die IG Mensch und Tier hat Verträge mit zahlreichen Gemeinden in der Region – von Haag bis Tuntenhausen. Die Pauschalen sollen den Aufwand für die Unterbringung, Betreuung und medizinische Versorgung der Tiere abdecken. Der liegt pro Jahr und Tier etwa bei 320 Euro.

Während Bruckmühl pro Einwohner eine jährliche Pauschale von 50 Cent zahlt, unterstützt die Gemeinde Tuntenhausen das Tierheim mit einem Euro pro Einwohner. „Jedes Fundtier wird mit Bild und Informationen zum Fundort der Gemeinde gemeldet, damit sie eine Übersicht über unsere Arbeit erhält“, beschreibt Rieger das Prozedere. Die Tiere werden in Ostermünchen und – wenn es dort zu eng wird – auch auf Pflegestellen betreut. So päppeln ehrenamtliche Helfer Katzenwelpen in fünf Pflegestellen im Raum Bruckmühl auf, bis sie gesund und groß genug sind, um vermittelt zu werden.

Vorbeugende Fundtiervermeidung

Mit Kastrationen von streunenden Katzen engagiert sich der Verein auch in der vorbeugenden Fundtiervermeidung. „Im vergangenen Jahr haben wir im Bereich der Marktgemeinde 21 Kastrationen durchgeführt“, informiert Rieger. Der Marktgemeinderat hat sich mit einer knappen Entscheidung (10:9) dazu bekannt, sich daran mit einer einmaligen Zahlung von 1000 Euro zu beteiligen. Die Fundtierpauschale von insgesamt 8284,50 Euro im aktuellen Jahr wurde einstimmig befürwortet.

Die Gemeinde Feldkirchen-Westerham ist ein Sonderfall. Hier werden die Fundtiere nicht pauschal, sondern einzeln abgerechnet. „Die Gemeinde übernimmt die Kosten für medizinische Versorgung, Unterbringung und Betreuung dann für 28 Tage“, informiert der Vereinschef.

Kommentare