Abzocke: "Insider-Tipp" kommt per Fax

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Gut ausgedacht: Sehr überzeugend kommt der vorgebliche "Irrläufer" aus dem Faxgerät. Nun ermittelt die Finanzaufsicht.

Rosenheim - Eine neue perfide Abzock-Masche hält derzeit in der Region Einzug: Es handelt sich um einen vermeintlich guten Aktientipp per Fax, der aus Versehen an den falschen Empfänger gelangt ist.

Mit einem guten Aktientipp an der Börse abräumen - nicht wenige träumen davon, auf diese Weise schnell und ohne Mühe zu Geld zu kommen. Welch ein Glück, wenn man in seinem Faxgerät einen heißen Insider-Tipp findet, weil sich jemand bei der Faxnummer vertan hat. Auch in der Region Rosenheim landete das massenhaft verschickte Schreiben in vielen Büros. Nicht wenige sind wohl auf den perfiden Abzocktrick hereingefallen.

Der Tipp scheint todsicher. Handschriftlich ist auf dem Fax notiert: "Holger, die Übernahme ist durch und gesichert, jetzt kannst bzw. musst Du die Aktie kaufen! wie besprochen: sichere 300 % !!!" Dann folgt der Name eines Unternehmens mit Sitz im kanadischen Ontario, die Dynamic Systems Holdings Inc. "Lieben Gruß Wolfgang", so schließt das Schreiben.

Doch bei dem vermeintlichen Versehen handelt es sich um ein massenhaft verschicktes Spam-Fax, das gutgläubige Anleger dazu bringen soll, die Aktie zu kaufen und so den Kurs künstlich in die Höhe zu treiben. Da die Aktien der Dynamic Systems Holdings, die an der Börse in Frankfurt notiert ist, normalerweise kaum gehandelt werden, reichen dazu vergleichsweise wenige Kauforder aus. Die Urheber der Aktion haben sich schon vorher mit Aktien eingedeckt, um sie im Erfolgsfall schnell zu verkaufen. Auch in der Region Rosenheim landete das Schreiben in zahlreichen Faxgeräten, bevorzugt in Firmen und Unternehmen.

In diesem Fall ist das Kalkül aufgegangen, wie ein Blick auf die Kursentwicklung der letzten Tage zeigt: Die Aktie des kanadischen Unternehmens, das sich mit der Vermarktung und Lizenzierung von Umwelttechnik beschäftigt, dümpelte bei einem Wert von gut 75 Cent dahin, ohne dass größere Käufe oder Verkäufe erkennbar waren. In den ersten Juli-Tagen änderte sich das schlagartig. Mit einem Mal schoss die Zahl der Käufe in die Höhe - und damit auch der Kurs. Der Wert der Aktie verdoppelte sich fast auf 1,35 Euro, bevor massenhafte Verkäufe einsetzten. Der Aktienkurs stürzte daraufhin auf 50 Cent ab und kletterte schließlich wieder in einen Bereich von knapp unter 75 Cent.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) warnt in einer Pressemitteilung ausdrücklich vor den Faxaussendungen. Denn "Wolfgang" empfiehlt "Holger" nicht nur Dynamic Systems Holdings, sondern in einer anderen Variante des Schreibens auch die Idea Fabrik Plc - mit ähnlichem Ergebnis. "Die Bafin kann nicht ausschließen, dass es sich (...) um die Verbreitung falscher Gerüchte handelt", formuliert die Aufsichtsbehörde vorsichtig: Noch ist keine Straftat nachgewiesen.

Fax kam von den Cayman-Inseln

Die Bafin empfiehlt allen Anlegern, vor einem Aktienkauf sehr genau zu prüfen, wie seriös die Angaben zu angeblich bevorstehenden Übernahmeangeboten sind und sich vor allem auch aus anderen Quellen zu informieren. Darüber hinaus hat die Bafin eine Untersuchung wegen des Verdachts der Marktmanipulation eingeleitet. Doch ob die Hintermänner jemals identifiziert werden können, ist mehr als ungewiss. Laut Vorwahl kam das Fax von den Cayman-Inseln. Das karibische Steuerparadies ist bekannt für sein striktes Bankgeheimnis.

Die Gelackmeierten sind die Anleger, die auf den üblen Trick reingefallen sind. Sie sitzen jetzt auf ihren Aktien, die deutlich weniger wert sind, als sie dafür bezahlt haben. Eine alte Börsenweisheit mag da nur zynisch wirken: "Das Geld ist nicht weg. Es hat nur jetzt jemand anderes."

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

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