Ärger über Schechens Vorgehen

Großkarolinenfeld - Dass direkt an der Gemeindegrenze ein neues Gewerbegebiet entstehen soll - das ärgert die Gemeinde Großkarolinenfeld.

Nicht gerade begeistert von den Plänen der Nachbargemeinde Schechen, im Anschluss an das Gewerbegebiet Nord in Großkarolinenfeld ein weiteres Gewerbegebiet auf Schechener Flur entstehen zu lassen, ist der Großkarolinenfelder Gemeinderat. Im Rahmen der hierfür nötigen Aufstellung des Bebauungsplanes "Lochberg" und der Beteiligung öffentlicher Belange muss die Gemeinde Großkarolinenfeld eine Stellungnahme abgeben.

Bürgermeister Bernd Fessler informierte das Gremium gleich zu Beginn der jüngsten Sitzung darüber, dass die Gemeinde städtebaulich wohl keine Möglichkeit habe, etwas gegen den Plan der Nachbargemeinde zu unternehmen. "Ich sehe das Ganze nicht so problematisch wie einige andere Räte. Schließlich profitiert Karo vielleicht auch von der Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze", meinte Fessler. Seiner Meinung nach wäre es ein "Kirchturmdenken", wenn man die Nachbarn nicht an das Großkarolinenfelder Kanalsystem anschließen lassen würde: "Wir haben Kapazitäten frei, und für Schechen ist es die günstigere Lösung."

Lediglich die Regenwasser-Beseitigung müsse zwischen den beiden Gemeinden zusätzlich abgestimmt werden. Hier bestehe eventuell die Möglichkeit, zugleich die Regenwasser-Beseitigung des Gewerbegebietes "Marienberger Straße" zu optimieren. "Wenn zwei Gewerbegebiete näher zusammenrutschen, hat man weniger Landschaftsverlust, und eine gute Nachbarschaft bringt künftig nur Vorteile", argumentierte Wiltrud Rothmayer (Bündnis 90/Die Grünen). Mit dieser positiven Meinung stand Rothmayer aber ziemlich alleine da. Fast alle anderen Mandatsträger hatten große Bedenken.

"Das Zubetonieren der Landschaft mit kleinen Gewerbegebieten ist für mich so unnötig wie ein Kropf. Deshalb bin ich grundsätzlich dagegen", erklärte Sepp Lausch (fraktionslos). Unterstützung bekam er von Leonhard Krichbaumer (CSU). Auch er kritisierte den Flächenverbrauch, bei gleichzeitigen Freiflächen im angrenzenden Großkarolinenfelder Gewerbegebiet Nord. Des Weiteren stufte Krichbaumer die Zufahrtssituation des Verkehrs "vom Lochberg kommend" als äußerst problematisch ein.

Seinen Ärger über die Vorgehensweise der Nachbargemeinde Schechen brachte Krichbaumer deutlich zum Ausdruck: "Grundsätzlich hätte Schechens Bürgermeister Hans Holzmeier, bevor er ins Verfahren geht, erst einmal mit uns das Gespräch suchen müssen. Holzmeier hätte uns vorher doch mal fragen können, was wir von einem Gewerbegebiet an dieser Stelle halten. Das wäre gute Nachbarschaft gewesen, und das hättest Du so gemacht", beteuerte Krichbaumer mit Blick auf Bernd Fessler.

Noch einen weiteren Gesichtspunkt, der im Gremium viel Zuspruch fand, brachte Krichbaumer ins Spiel. Er wies darauf hin, dass die Gemeinde Schechen ein Mischgebiet plane. "Das bedeutet, die können dann neben unserem Gewerbegebiet auch Wohnhäuser bauen, was für unser Gebiet eine Verschlechterung nach sich ziehen würde", so Krichbaumer weiter. Bernhard Schlosser (CSU) erinnerte an die Vergangenheit, als die frühere Firma Marox in Großkaro bauen wollte. Damals sei der Aufschrei in Schechen groß gewesen.

Deutliche Worte fand auch Albin Schenk (CSU) für das Vorhaben: "Schechen sollte die Hosen herunterlassen und mit uns in Bezug auf die künftigen Entwicklungspläne in Dialog treten." Außerdem fand es Schenk wichtig, den nur teilweise bestehenden Geh- und Radweg von Mintsberg nach Großkarolinenfeld in Richtung Rosenheim weiter zu bauen. Dies sollte ebenfalls als Anregung festgehalten werden.

Johann Kosek (GBV) merkte an, dass man die geplante Schechener Bauleitplanung wohl nicht verhindern könne. Verhindern könne man jedoch mit einem entsprechenden Planzeichen, dass der Verkehr später irgendwann einmal über den Filzenweg geführt werden könne.

Franz Dußmann (SPD) würde sich eine Begrünung für das neue Gewerbegebiet wünschen. Er machte keinen Hehl daraus, dass er ebenfalls nicht erfreut über die Pläne der Nachbargemeinde ist: "Das neue Schechener Gewerbegebiet werden die Leute zu Großkaro zählen. Und es ist an unserem Ortseingang einfach hässlich."

Schließlich ließ Fessler über alle vorgebrachten Argumente einzeln abstimmen. Demnach war sich das Gremium einig darüber, dass Schechens Bürgermeister Hans Holzmeier zu einem Gespräch im Gemeinderat eingeladen werden sollte. Außerdem wurden die Punkte Schmutzwasser-Ableitung, Einfahrtsverbot Filzenweg, Mischgebiets-Ausweisung, Fortführung des Geh- und Radwegs in Richtung Rosenheim, Begrünung und Zufahrtssituation als Anregungen in die Großkarolinenfelder Stellungnahme mitaufgenommen.

Daniela Lindl/Oberbayerisches Volksblatt

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