Das Warten geht weiter

Ärzte in der Region Rosenheim sind ratlos: Corona-Impfstoff nicht vor Mitte April

Das begehrte Vakzin: Die Äzte in der Region warten derzeit Vergebens auf den Corona-Impfstoff.
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Das begehrte Vakzin: Die Äzte in der Region warten derzeit Vergebens auf den Corona-Impfstoff.

Personal, Schutzausrüstung und Räume wären bereit- allein der Impfstoff lässt in den Praxen der Region auf sich warten. Während der Unmut und die Ungewissheit in den Praxen wächst, wird man in Traunstein aktiv.

Rosenheim – „Wir stehen schon lange in den Startlöchern“, betont Dr. Josef Stein. Der Allgemeinarzt erlebt derzeit einen massiven Ansturm an Anfragen, wann denn eine Impfung gegen des Coronavirus endlich auch bei ihm in der Praxis möglich wäre. Wie die anderen Ärzte im Landkreis muss er jedoch seine Patienten vertrösten.

Zwar habe er alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, um seine erstellte Priorisierungsliste sogleich abarbeiten zu können. Der so wichtige Corona-Impfstoff wird aber nach dem derzeitigen Stand erst Mitte April für die privaten Praxen verfügbar sein.

Praxen wären schon seit langem bereit

Ein Umstand, den der Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands, Dr, Nikolaus Klecker, als „absolute Katastrophe“ bezeichnet. Er ist im Moment „stinksauer“, ständig nur vertröstet zu werden und keine Planungssicherheit zu haben. Nach zahlreichen Aufschüben rechnet er daher nicht damit, die Vakzine auch wirklich Mitte April zu bekommen. „Wenn man das ihm Moment so hört, würde ich eher auf Mitte Mai tippen.“

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Um die Zeit der Ungewissheit zu überbrücken, begann im Impfzentrum vom Landkreis Traunstein ein Pilotprojekt. Mit mobilen Einsatzteams versuchte man, eine Impfung auch in den umliegenden Praxen zu ermöglichen. Dr. Christoph Schmied war von dieser Idee sofort überzeugt und stellte dafür seine Räume in Unterwössen zur Verfügung.

„Über 60 Risikopatienten konnten sich über das Impfzentrum anmelden und haben die Spritze in einem optimalen Umfeld hier in der Praxis erhalten.“ Aufgrund des großen logistischen Aufwands für das Traunsteiner Zentrum wird es allerdings laut Dr. Schmied vermutlich bei einer einmaligen Aktion bleiben. Doch gerade die älteren Patienten, die nicht mehr so mobil sind, können am 27. März erneut nach Unterwössen kommen, um dort ihre zweite Dosis zu erhalten.

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Von einer Impfung vor Ort kann Dr. Simon Weber in Pang derzeit nur träumen. Seit Dezember hat er eine Liste in der Schublade, die seine Patienten nach Risikogruppe priorisiert. Er würde demnach liebend gerne sein Zelt aufbauen, um eine sichere Corona-Impfung zu ermöglichen und hatte dafür sogar ursprünglich geplant, seinen Osterurlaub zu verschieben. Ohne Freigabe und Mittel seien allerdings auch ihm die Hände gebunden.

Auch Dr. Fritz Ihler, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim, weiß um den Ärger seiner Kollegen und „wie sehr alle mit den Füßen scharren“. Die allgemein hohe Bereitschaft sei in nahezu allen Praxen deutlich zu spüren. Ob der begehrte Stoff im April aber wirklich dort ankommt, sei wiederum eine völlig andere Frage.

Impfzentren bleiben vorerst alternativlos

Für Dr. Weber steht daher fest, dass man, abgesehen von Projekten wie in Traunstein, weiterhin auf die Impfzentren wie auf der Loretowiese angewiesen ist. Auch wenn der Ablauf dort mit mehr Hürden verbunden sei, wie bei den Hausärzten, sei es gerade für die Risikogruppen weiterhin die einzig richtige Wahl.

Aus diesem Grund wurde das Rosenheimer Impfzentrum auch um ein großes Zelt erweitert, wie Pressesprecher Thomas Bugl bestätigt. Demnach will man sich auf die erst kürzlich vom Freistaat geplanten Erweiterung der bestehenden Impfkapazitäten einstellen. Da über diese Planungen der Staatsregierung noch Unklarheit herrscht, wird das neue Zelt aber erst einmal noch nicht genutzt werden.

Nichtsdestotrotz bleiben die Zentren erst einmal die erste Anlaufstelle für den begehrten Impfstoff. Auf die Freigabe für die Praxen sollte man, da ist man sich bei den Ärzten in der Region einig, lieber nicht warten.

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