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Alkohol - meine Geschichte

Immer wieder wachte ich mit fremden Männern auf 

Nathalie Stüben in grauem Pullover
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Nathalie Stüben

Ich war gerade mal 30, als ich begriff: Wenn ich nicht aufhöre zu trinken, fahre ich alles vor die Wand. Auf meinem Weg in die Unabhängigkeit merkte ich dann, dass vieles von dem, was ich über Alkoholsucht zu wissen glaubte, nicht stimmt. Heute kläre ich auf und helfe Betroffenen, es ebenfalls zu schaffen.

Dieses Leben, das ich heute führe, hätte ich vor fünf Jahren nicht mehr für möglich gehalten. Nichts habe ich mir sehnlicher gewünscht als zu heiraten und Kinder zu bekommen. Aber allein beim Gedanken daran, schwanger zu sein, schoss mir in den Kopf: „Wie willst Du denn bitte neun Monate lang auf Alkohol verzichten?“

„Ich muss trinken...“

Es erschien mir unmöglich. Ich schaffte es gerade mal drei bis vier Tage ohne Wein. Heute lebe ich mit meinem Mann und meinen beiden Kindern in Rosenheim. Damals war ich alkoholabhängig. 

„Die ersten 30 Tage ohne Alkohol“

Sagen Sie der Sucht den Kampf an!

In Deutschland trinken rund zehn Millionen Erwachsene so viel, dass sie damit ihrer Gesundheit schaden. Hinzu kommen nochmal rund 1,6 Millionen, die abhängig sind. Entweder körperlich oder psychisch. Da gibt es einen Unterschied, den aber viele nicht kennen. 

„Abstinenz stabilisieren“

Holen Sie sich Ihre Freiheit zurück!

Ich kannte ihn lange auch nicht. Wir haben ja so ein Bild im Kopf, wie Abhängigkeit aussieht: gebeugte Gestalten, die sich morgens als erstes die Wodkaflasche zum Mund führen, um ihr Zittern zu lindern. Das ist aber die Ausnahme. Abhängigkeit beginnt schon viel früher. 

In meinem Fall äußerte sie sich vor allem dadurch, dass mich alle paar Tage ein unglaublicher Drang überkam zu trinken – und wenn ich dann trank, fand ich meistens kein Ende. Dann war’s oft so, als hätte jemand einen Schalter umgelegt in meinem Kopf. Aber ich hatte halt auch immer nüchterne Phasen. Am Anfang Wochen und Monate, später immerhin Tage. Deshalb dachte ich, dass ich kein Problem habe. Falsch gedacht. 

 
Ein Doppelleben aus Schein und Sein 

In meinem You Tube-Video: Mein Weg aus der Abhängigkeit – Nathalie Stüben beschreibe ich das Doppelleben, das ich damals führte. Auf der einen Seite machte ich Karriere beim Bayerischen Rundfunk, wurde gelobt und geschätzt. Auf der anderen Seite, hinter den Kulissen, da fing der Alkohol an, mein Leben zu beherrschen.

Da war ich permanent damit beschäftigt, Wein zu organisieren, ihn zu trinken und mich davon zu erholen. Mir Trinkregeln aufzustellen, sie zu brechen, abzustürzen und aufzuwachen mit nackten Typen neben mir, an deren Namen ich mich nicht erinnerte. Und immer wieder fragte ich mich: Wie konnte es nur so weit kommen? Wie konnte ich nur so tief sinken? 

Denn ich hatte eine schöne Kindheit. Fing dann in der Pubertät an, beim Essengehen ein Glas Wein zu trinken, beim Feiern dann später auch mal mehr. Wie man das so macht als Jugendliche, wenn man dazugehören will. Ich habe nicht getrunken, um irgendwas zu betäuben oder so.

Nathalie Stüben: Coach für Suchtbewältigungs-Management.

Ich habe getrunken, weil man in Deutschland trinkt. Und ich habe unterschätzt, dass Alkohol eine Droge ist, die mein Hirn verändert und abhängig macht. So wurde aus dem kultivierten Glas Wein über die Jahre hinweg eine schlechte Gewohnheit und aus der schlechten Gewohnheit eine Abhängigkeit.  

Das letzte Jahr meiner Alkoholzeit über war mir klar, dass ich abhängig bin. Trotzdem trank ich weiter. Meine Scham war zu groß. Nichts fürchtete ich mehr, als mich Alkoholikerin nennen zu müssen. Und das muss man schließlich, wenn man ein Problem hat und dann aufhört. Wieder falsch gedacht. Niemand muss sich so nennen. Erst recht nicht, wenn es einen daran hindert, was zu ändern. 
 

Ich will verändern, wie wir über Alkoholabhängigkeit und Abstinenz denken. Ich möchte Betroffene so früh wie möglich dazu motivieren, die Reißleine zu ziehen. Und ich möchte ihnen zeigen, dass Abstinenz wenig mit Kampf und Qual zu tun hat – und ganz viel mit Freiheit. 

Nathalie Stüben

Aufklärung mit Unterhaltungsfaktor 

Heute spreche ich über meine Alkoholvergangenheit, sowohl offen als auch öffentlich. Das ist eher untypisch, zumindest noch. Ähnlich untypisch verlief aber auch mein Weg aus der Sucht. Ich habe es mit einem Mix aus Recherche und Ausprobieren herausgeschafft. 

Mein Programm - Die ersten 30 Tage ohne Alkohol mit Nathalie

In US-amerikanischen Podcasts hörte ich denjenigen zu, die dieser Hölle vor mir entkommen sind. Und parallel dazu informierte ich mich über Neurobiologie, ökonomische und politische Hintergründe, über Suchtmedizin, Verhaltenspsychologie, positive Psychologie, ja, einfach über alles, was ich zu dem Thema finden konnte. Und so bahnte ich mir einen eigenen Weg hinaus aus der Abhängigkeit.  

Und auf diesem Weg dachte ich mir immer wieder sowas wie: Wieso hat mir keiner gesagt, dass ich nicht jeden Tag trinken muss, um abhängig zu sein? Wieso wusste ich nicht, dass ich mich nicht Alkoholikerin nennen muss? Wie kann es sein, dass Abstinenz einen so schlechten Ruf hat? Je besser es mir ging, desto größer wurde der Wunsch, mein Wissen zu teilen. Ich fing an, ein Angebot zu schaffen, das sich an die Menschen richtet, die sich im Graubereich zwischen schlechter Gewohnheit und körperlicher Abhängigkeit befinden.

Mein 60 Tage Programm: „Abstinenz stabilisieren“

Aufklären statt Totschweigen

 
Mittlerweile betreibe ich den YouTube-Kanal „Ohne Alkohol mit Nathalie“, meinen gleichnamigen Podcast, einen Blog, einen Instagram-Account und die beiden Online-Programme „Die ersten 30 Tage ohne Alkohol und „Abstinenz stabilisieren“. Vor Kurzem habe ich mich damit selbstständig gemacht, Mitarbeiter:innen eingestellt und beim Bayerischen Rundfunk gekündigt. Ich möchte mich ganz meinem Ziel widmen: Ich will verändern, wie wir über Alkoholabhängigkeit und Abstinenz denken. Ich möchte Betroffene so früh wie möglich dazu motivieren, die Reißleine zu ziehen. Und ich möchte ihnen zeigen, dass Abstinenz wenig mit Kampf und Qual zu tun hat – und ganz viel mit Freiheit

Nathalie Stüben

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