Alte Schätze zum Anfassen

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Das älteste Fahrzeug der Parade war der 1921 von einem französischen Automobilhersteller gebaute Amilcar.

Nußdorf - „Wat is en Dampfmaschin’?“ Diese Frage hätte Lehrer Bömmel aus dem berühmten Film „Die Feuerzangenbowle“ bei der Oldtimer-Parade in Nußdorf recht anschaulich beantworten können.

Als Exemplar hätte ihm die 1904 von der Firma Lanz in Mannheim hergestellte Arbeitsmaschine zur Verfügung gestanden. Fast 5000 Besucher zählte der Veranstalter am Sonntag, die im Laufe des Tages nach Nußdorf kamen. Für Organisation und Bewirtung sorgte Nußdorfs Feuerwehr.

„Eigentlich ist sie eine Brasilianerin“, erzählt der Maschinist der betagten Dampfmaschine, Andreas Wagner. Sie gehörte um 1900 zu den Exportschlager deutscher Technologie und wurde in einem Sägewerk als Antrieb für Nebengetriebe in der Holzverarbeitung eingesetzt. Ihren Dienst stellte sie dort 1948 ein und wurde abgestellt. Dem Umstand, dass sie dabei von ihrem Eigentümer völlig vergessen wurde, hat sie wohl zum Teil ihre weitere Existenz zu verdanken.

Nachdem sie wieder entdeckt wurde, kam sie 1975 in ihre alte Heimat nach Deutschland zurück. Ihr glückliches Schicksal, vergessen zu werden, setzte sich jedoch fort, bis endlich ein Prinz kam, sie wachküsste und sie aus ihrem Dornröschenschlaf holte. Der Prinz war Manfred Holzner aus Nußdorf, einer der Initiatoren der Oldtimerparade. Gemeinsam mit Gleichgesinnten hauchte er der nun betagten, aber deswegen nicht weniger attraktiven Brasilianerin, wieder Leben ein. Über 1000 Stunden Arbeit hat das gekostet. Mit ihren maximal zehn ATÜ Kesseldruck legt sie heute immerhin wieder 18 PS auf ihre Antriebsriemen und war schlicht die Attraktion in Nußdorf.

Zu diesem Exponat gesellten sich dann noch weit über 500 andere Fahrzeuge. Ob Lastkraftwagen, Pkw, Motorrad oder landwirtschaftliche Maschinen, jedes einzelne Stück konnte seine eigene Geschichte erzählen, die ihre Besitzer den interessierten Besuchern dann auch gerne erzählt haben. Längst vergessene Namen wie Horch, DKW, Eifler, Isetta oder Borgward waren zu hören.

Das Treffen der Oldtimer in Nußdorf hat sich offensichtlich herumgesprochen, so waren Aussteller aus Niedersachsen, Hessen und Österreich anzutreffen. "Nur gucken, nicht anfassen", betont Manfred Holzner, "ist heute nicht angesagt." Die Besucher hatten daher auch die Gelegenheit, bei Ausfahrten als Beifahrer teilzunehmen oder sich einfach nur einmal an das Steuer eines Oldtimers zu setzen.

stv/Oberbayerisches Volksblatt

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