Angst vor einem „toxischen Cocktail“

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Die Pläne der Stadtwerke, zur Profilierung der Deponie in Waldering neue Abfälle einzufüllen, treiben dem Stephanskirchener Gemeinderat den Angstschweiß auf die Stirn und beunruhigen die Bevölkerung.

Stephanskirchen – Die Deponie Waldering sorgt wieder für Schlagzeilen: Die Stadtwerke Rosenheim wollen den Betrieb beenden und die Anlage deshalb abschließend zur Profilierung mit Abfällen verfüllen, die auch gefährliche Stoffe enthalten.

Der Gemeinderat, nur zur Stellungnahme aufgefordert, lehnte kategorisch ab. Ob seine großen Bedenken bei der Regierung von Oberbayern Gehör finden werden, ist jedoch fraglich.

Beton, Ziegel, Steine, Rost- und Kesselasche, aber auch teerhaltige Produkte oder Abbruchabfälle, die "gefährliche Stoffe" wie Quecksilber und PCB enthalten, sollen in die Deponie in Waldering eingefüllt werden - "ein toxischer Cocktail", zeigte sich Margit Sievi von der SPD überzeugt. "Dieser Mischmasch gefährlicher Stoffe ist kein sinnvoller Abschluss", fand auch Christine Annies von den Parteifreien Bürgern. Karl Mair von der CSU forderte angesichts der "bedrohlichen Siedlungsnähe der Deponie" eine Offensive des Bürgermeisters gegen die Pläne bei Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Herbert Bauer, Fraktionsvorsitzender der Parteifreien Bürger, zeigte sich empört über die Tatsache, dass "giftiger Müll" aus ganz Oberbayern nach Stephanskirchen gefahren werden solle und forderte, die Einlagerung auf grundwasserneutrale Stoffe zu reduzieren.

Hintergrund der Pläne ist die Tatsache, dass die von 1976 bis Ende 2004 genutzte und immer wieder heftig kritisierte Monodeponie bis 2018 geschlossen werden soll. Denn die Asche aus der Müllverbrennungsanlage Rosenheim wandert nach Informationen von Franz Gerthner von den Stadtwerken jetzt in den Untertagebau, die Anlage in Waldering wird für diese Aufgabe nicht mehr benötigt.

Anlieferung aus ganz Oberbayern

Ende gut, alles gut? Mitnichten, findet der Rat, obwohl die Stadtwerke planen, Materialien zur Profilierung mit einem Deckeln einzulagern, die im Bereich des Bauabschnittes drei der Anlage nicht mehr wie derzeit der Deponieklasse drei, sondern nur noch der Klasse zwei entsprechen. Doch zur Auswahl der Abfallgruppen, die in Absprache mit dem Landesamt für Umweltschutz geschehen ist, gehören auch Materialien mit "gefährlichen Stoffen".

Sie ließen die Alarmglocken klingeln im Gemeinderat, der sich von Gerthners Aussage, "unter Gift versteht man in Deutschland etwas anderes" nicht beruhigen ließ. Zumal zwei Nachfragen Öl ins Feuer gossen: Michael Schweinsteiger von der SPD-Fraktion bekam heraus, dass es im Freistaat nur wenige Anlagen gibt, in denen Materialien der geplanten Zusammensetzung abgelagert werden können, weshalb auf der Hand liegt, dass aus ganz Oberbayern nach Stephanskirchen angefahren werden wird. SPD-Fraktionsvorsitzender Josef Grabmayr wies auf die Formulierung "Zwischenlagerung" im Antrag der Stadtwerke hin - auch nach Überzeugung von Christian Helget von den Parteifreien Bürgern ein Hinweis darauf, dass die Materialien "wieder ausgegraben werden müssen". Mit welchen Einnahmen für die Einfüllung des Abfalls die Stadtwerke kalkulieren, wollte Gerthner auf Anfrage von Senta Schuppenies (SPD) nicht mitteilen. Preise zu nennen, sei angesichts großer Schwankungen am Markt unseriös. "Ein großes Geschäft ist damit jedoch nicht zu machen." Außerdem würden die Stadtwerke für die Einkapselung der Deponie mit Kosten im "zweistelligen Millionenbetrag" rechnen.

Mehrfach wurde im Gemeinderat der Verdacht geäußert, die Deponie sei trotzdem - auch angesichts der geplanten Profilierung durch neue Abfallablagerungen - "eine Goldgrube". Das Gefährdungspotential sei unabsehbar, warnte Mair (CSU), der die Befürchtung äußerte, die Stephanskirchener müssten später die Folgen ausbaden.

Rat kündigt massiven Widerstand an

Zweiter Bürgermeister Jürgen Richter forderte den ersten Rainer Auer auf, "mit der OB in Rosenheim ein ernstes Wort zu reden". Gespräche haben bereits begonnen, teilte Auer mit, der als einziger aus "formalen Gründen" den Beschlussvorschlag der Verwaltung unterstützte. Dieser sah vor, der Zwischenlagerung von Abfällen der Deponieklasse zwei unter der Voraussetzung zuzustimmen, dass sich die Zusammensetzung der Sickerwässer in der gemeindlichen Kanalisation nicht wesentlich ändert. Diese Stellungnahme ging dem Rat jedoch zu weit, er kündigte quer durch die Fraktionen massiven Widerstand gegen die Pläne der Stadtwerke an.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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