Arbeitsmarkt: Niedrigster Dezemberwert seit 18 Jahren

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Rosenheim gehört zu den zehn stärksten Agenturbezirken.

Rosenheim/Landkreis - Weniger als 10.000 Erwerbslose: Der Agenturbezirk Rosenheim gehörte in den letzten zehn Monaten zu den zehn Agenturen mit der niedrigsten Arbeitslosenquote.

„Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise waren zu Beginn des Jahres 2010 bei uns im Agenturbezirk Rosenheim noch deutlich zu spüren. Insbesondere in den ersten drei Monaten konnte man nicht genau sagen, ob und wann sich die Lage entspannen würde, denn auch die Kurzarbeit war mit fast 5 000 Betroffenen im März relativ hoch,“ so Harald Neubauer, Leiter der Rosenheimer Arbeitsagentur in seiner Abschlussbilanz. „Insbesondere in den beiden Wintermonaten Januar und Februar lag die Zahl der Arbeitslosen noch deutlich über den Vorjahreswerten. Erst ab Mai machte sich die zunehmend positive Stimmung der Wirtschaft auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar, die Kurzarbeit ging auf knapp unter 2 000 zurück. Ab diesem Zeitpunkt blieb die Erwerbslosigkeit Monat für Monat unter denen des Krisenjahres 2009. Die mittlerweile stabile Wirtschaftslage, mit einem deutlichen Trend nach oben, lässt sich gut an der Arbeitslosenquote ablesen. Bis April stand eine vier vor dem Komma – im Februar sogar eine fünf, dann erreichte sie im Oktober mit 3,1 Prozent den niedrigsten Stand in diesem Jahr. Sogar jetzt im Dezember liegt die Arbeitslosenquote – trotz der eingetretenen Winterarbeitslosigkeit – nur bei 3,4 Prozent. Was mich besonders freut: Der Agenturbezirk Rosenheim gehörte in den letzten Monaten deutschlandweit zu den zehn Agenturen mit der niedrigsten Arbeitslosenquote.“

Der Agenturleiter weiter: „Mit insgesamt 9 015 Erwerbslosen zum Stichtag 15.12.2010 haben wir einen Wert, der sogar unter dem des Boom-Jahres 2008 liegt. Lässt man die letzten Jahre Revue passieren, wird deutlich, dass es sogar der niedrigste Dezemberwert seit 18 Jahren ist. Auf Grund des relativ guten Wetters, das in diesem Jahr bis Mitte Dezember herrschte, hat die saisonale Winterarbeitslosigkeit noch nicht in vollem Umfang eingesetzt. Es haben sich zwar viele, zum Teil langjährig Beschäftigte des Bauhaupt- und Baunebengewerbes bei uns gemeldet, Arbeitslosigkeit tritt aber häufig erst nach den Weihnachtsfeiertagen, also nach dem statistischen Dezember-Zähltag, ein. Die meisten haben eine Wiedereinstellungszusage ihres bisherigen Arbeitgebers für das Frühjahr mit dabei. Firmen nutzen dieses Instrument in diesem Jahr verstärkt, da sie so ihre guten Fachkräfte sofort wieder einstellen können, wenn es das Wetter zulässt. Insgesamt gesehen ist es so, dass sich einmal mehr der gesunde Branchenmix, sowie die Struktur aus Inhaber geführten Klein- und Mittelbetrieben als sehr positiv für den Arbeitsmarkt erwiesen hat.“

Gegenüber dem Vormonat wurden zum Stichtag (Mitte Dezember) „nur“ 440 Arbeitslose mehr registriert. Dieser Anstieg von November auf Dezember liegt damit deutlich unter der üblichen Zunahme der letzten Jahre. Neubauer dazu: „Mit 9 015 Männern und Frauen ohne Beschäftigung sind im Vergleich zum Vorjahr 1 910 Arbeitslose weniger gemeldet, ein Ergebnis, das zu Jahresbeginn so noch nicht zu erwarten war. Folgt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit dem jahreszeitlich üblichen Zyklus ist in den nächsten zwei/drei Monaten mit weiter steigenden Arbeitslosenzahlen zu rechnen, obwohl viele Betriebe des Gerüstbaus, des Baugewerbes, des Dachdeckerhandwerks und des Garten- und Landschaftsbaues die Saisonkurzarbeitergeld-Regelung nutzen. Sie gibt den Betrieben die Möglichkeit, dass sie ihr Stammpersonal, trotz der schlechten Witterung halten können.“

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen: Die erwerbslosen Bürgerinnen und Bürger werden entweder von der Agentur für Arbeit oder den Jobcentern betreut. Die Geschäftsstellen der Agentur für Arbeit sind zuständig für 4 920 Männer und Frauen die Arbeitslosengeld I nach dem Sozialgesetzbuch III (SGB III) erhalten, sowie für Erwerbslose, die keine Beschäftigung haben und keinerlei finanzielle Leistungen bekommen. 4 095 Menschen fallen unter die Regelungen des Sozialgesetzbuches II (SGB II). Sie werden von den jeweiligen Jobcentern (offizielle Bezeichnung der bisherigen ARGEn) in der Stadt Rosenheim, in den Landkreisen Rosenheim und Bad Tölz-Wolfratshausen, beziehungsweise von der optierenden Kommune Miesbach betreut.

Der Jahresrückblick: Im Februar hatte der Agenturbezirk Rosenheim mit 13 180 Erwerbslosen den Höchststand bei der Arbeitslosigkeit, es errechnete sich eine Arbeitslosenquote von 5,0 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen lag zu diesem Zeitpunkt um 1 725 über dem Vorjahreswert. Die Wirtschaft gewann aber zunehmend an Fahrt. Betriebe und im Besonderen die Zeitarbeitsfirmen stellten verstärkt Personal ein, so dass die Arbeitslosigkeit im Oktober auf 8 330 Betroffene zurück ging.

Von der positiven Entwicklung profitierten die Jugendlichen unter 25 Jahren am stärksten. Im Februar dieses Jahres hatte die Jugendarbeitslosigkeit mit 1 480 betroffenen Jugendlichen unter 25 Jahren den Höchststand, im Oktober dagegen waren nur noch 660 junge Menschen arbeitslos gemeldet. Im Jahresdurchschnitt waren 980 Jugendliche unter 25 Jahren von Arbeitslosigkeit betroffen, 150 weniger als im Vorjahr.

Bei den Älteren (55 Jahre und älter) waren im Jahresdurchschnitt 2 220 Arbeitslose gemeldet, 235 mehr als im Jahr 2009.

Insgesamt liegt die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen für den gesamten Agenturbezirk im Jahr 2010 mit 10 170, davon 5 720 SGB III-Kunden und 4 450 SGB II-Kunden, um 410 oder 3,9 Prozent unter der des Vorjahres. Es errechnet sich eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent (Vorjahr 4,0 Prozent). Die Arbeitslosigkeit sank im Laufe des Jahres im Rechtskreis SGB III um 485 (minus 7,8 Prozent) während sie im SGB-II Rechtskreis leicht gestiegen ist (plus 75 oder 1,7 Prozent). Die Mehrzahl der Erwerbslosen war vor ihrer Arbeitslosmeldung sozialversicherungspflichtig beschäftigt, sind also SGB III -Kunden mit einem Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Rosenheims Agenturleiter ergänzt: „Ich weiß, dass beim Blick auf die Arbeitslosigkeit immer der so genannte „Bestand“ und die aktuelle Quote im Fokus der Öffentlichkeit liegen. Dabei wird aber die enorme Dynamik, die sich in den Bewegungsdaten, also den An- und Abmeldungen, ausdrückt nicht sichtbar. Im Laufe des Jahres haben sich im Agenturbezirk Rosenheim fast 38 000 Menschen neu oder erneut arbeitslos gemeldet, fast 40 000 haben sich abgemeldet. Beeindruckende Zahlen, wie ich meine!“

Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Rosenheim

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