Architekt: "Gut versteckter Pfusch"

OVB
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Auf 2,84 Millionen Euro haben sich die Kosten für die Sanierung der Grundschule in Schloßberg erhöht.

Stephanskirchen - Eine dicke Kröte hat der Gemeinderat Stephanskirchen schlucken müssen: Die Sanierung der Grundschule Schloßberg wird teurer als geplant.

Die Kosten für die Sanierung der Grundschule Schloßberg haben sich auf 2,84 Millionen Euro erhöht - ein Drittel mehr als ursprünglich veranschlagt. Auch der Termin für die Fertigstellung zum neuen Schuljahr lässt sich nicht mehr einhalten.

Ursprünglich sollte es eine energetische Sanierung mit Dämmung werden. Im Innern waren nur der Einbau eines Liftes und eine Verbesserung des Brandschutzes geplant. Doch jetzt muss die Kommune eine Vollsanierung stemmen. Ein Zurück gibt es nicht mehr, weshalb dem Gemeinderat nichts anderes übrig blieb, als dieses Vorgehen zähneknirschend mit zwei Gegenstimmen von Jürgen Richter (CSU) und Robert Zehetmaier (Bayernpartei) abzunicken.

Grund für die Kostenexplosion sind, wie mehrfach berichtet, Baumängel aus den 50er-Jahren im Schulhaus, die in diesem Ausmaß nach Informationen des Architekturbüros Wimmer und der eingeschalteten Sachverständigen nicht absehbar waren - auch weil sich die Bestandspläne des Gebäudes als lückenhaft erwiesen hätten. Erst während der Sanierungsarbeiten stellte sich zum Entsetzen aller Beteiligten heraus, dass die Decken erhebliche statische Mängel aufweisen und in Bezug auf Kraftübertragung und Brandschutz weder den heutigen noch den damaligen Anforderungen entsprechen. Der Pfusch am Bau aus den 50er- Jahren - in den Augen von Dr. Peter Gemes (SPD) trotz Verjährung "ein Skandal" - soll jedoch die Sicherheit der Grundschüler nicht gefährdet haben. Nur bei einem Brand hätten die Decken, so stellte sich in der Sitzung heraus, ein großes Sicherheitsproblem dargestellt. Sie müssen nun zum Teil sogar komplett ersetzt werden. Doch damit nicht genug: Auch die Böden müssen erneuert werden, weil auch PVC-Beläge mit Asbest gefunden wurden.

Angesichts der Tatsache, dass durch die Decken- und Bodensanierung auch im Innern umfangreich aufgerissen werden muss, empfahl die Verwaltung, Nägel mit Köpfen zu machen und weitere Innenmodernisierungen durchzuführen. Die Mehrkosten beliefen sich nun auf 710000 Euro, die Gesamtkosten der Maßnahmen auf 2,84 Millionen, teilte Bürgermeister Rainer Auer mit. Die Kommune erwartet nach Angaben von Kämmerer Wolfgang Eberle eine Gesamtförderung von 620000 Euro.

Der O-Ton von Radio Charivari

Bauamtsleiter Wolfgang Arnst gab zu, dass sich auch die Bauverwaltung gefragt habe, ob sie Fehler gemacht hätte. "Doch da sind beim Bau massive Fehler gemacht worden, die wir nicht wissen konnten und die wir heute ausbaden müssen." Architekt Wimmer sprach "von gut verstecktem Pfusch". Bürgermeister Auer stellte sich ebenfalls hinter das Bauamt und den Architekten: Die Mehrkosten seien zwar gewaltig, doch mit ihnen sei auch ein großer Mehrwert verbunden. Angesichts des Decken- und Bodenaustausches sei es sinnvoll, auch eine Innensanierung durchzuführen. Das Ergebnis werde eine hochmodern ausgestattete Schule sein.

Die Reaktionen im Gemeinderat reichten von der Bereitschaft, das Positive im Negativen zu sehen, bis hin zu Empörung. Hans Kink (CSU) sprach von einer "großen Enttäuschung". Günther Dörfler (CSU) sieht "Versäumnisse": Sachverständige hätten beauftragt werden müssen, sich das Gebäude im Vorfeld intensiver anzuschauen. In diesem Fall hätten jedoch in jedem Raum zerstörende Prüfungsbohrungen stattfinden müssen, erläuterte Arnst. Zweiter Bürgermeister Jürgen Richter (CSU) erinnerte daran, dass aus den Reihen der CSU mehrfach die Frage nach einem Abriss mit Neubau gestellt worden sei. Stets sei dies mit Kosten, die auf etwa sieben Millionen Euro geschätzt worden seien, vom Tisch gewischt worden. CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Rolf-Jürgen Löffler hatte sogar einen Neubau des gesamten Schulensembles auf der grünen Wiese gefordert.

Christine Annies von den Parteifreien Bürgern zeigte sich angesichts der Kostenexplosion ebenfalls "entsetzt". Sie verwies jedoch auch auf die Tatsache, dass die komfortablen Klassengrößen in der jetzigen Grundschule bei einem Neubau nicht zu halten gewesen wären. Ein Neubau an Ort und Stelle hätte außerdem große logistische Probleme mit einer Auslagerung der Grundschüler verursacht, so der Architekt. Arnst erinnerte daran, dass der Sanierungsbeschluss im Gemeinderat einstimmig gefallen war. "Hätte, hätte, hätte": Herbert Bauer, Fraktionsvorsitzender der Parteifreien Bürger, plädierte schließlich dafür, nicht zurück-, sondern trotz allen berechtigten Ärgers nach vorne zu schauen.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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