Bauvorhaben und Baum-Rückschnitt in der Kritik

+

Bad Aibling - Die Ahornallee entlang des Radwegs nach Berbling und ein Bauvorhaben an der Maillingerstraße beschäftigten einmal mehr die Stadträte.

Im Bauausschuss ging Bauamtsleiter Andreas Krämer auf das von Verwaltungsseite genehmigte Mehrfamilienhaus ein, das aufgrund der dichten Bebauung auf Kritik gestoßen war. Wenig glücklich zeigte sich das Gremium auch über den Beschnitt der Baumallee im Bereich Rotwandstraße. Die CSU forderte ein Sanierungskonzept.

Zu einer "unendlichen Geschichte" scheint sich der Zuschnitt der Ahornallee entlang des Radweges nach Berbling zu entwickeln: Anwohner der Rotwandstraße hatten vor Monaten um Rückschnitt der Bäume zwischen Westendstraße und Willing gebeten aufgrund zunehmender Verschattung (wir berichteten). Nach einer Ortsbesichtigung des Stadtrates war dem stattgegeben worden, der Beschnitt wurde durchgeführt - und entsetzt seitdem die Bevölkerung, aber auch den Stadtrat und die Verwaltung. "Das Ergebnis entspricht nicht den Erwartungen und ist optisch betrachtet eine Katastrophe", so CSU-Fraktionssprecher Erwin Kühnel in seinem Antrag an die Stadtverwaltung. Seine Fraktion fordert nun, bis Ende des Jahres ein Konzept über die Sanierung der Baumallee vorzulegen. "Dies auch unter dem Hintergrund, dass vermieden werden soll, dass in kurzen Abständen von Bürgern der unterschiedlichsten Straßenbereiche Einzelmaßnahmen gewünscht werden", so Kühnels weitere Begründung.

Eine schnellere Lösung lag indes Dieter Bräunlich (ÜWG) am Herzen: Er untermauerte seine bereits im Juli angebrachte Forderung auf umgehenden und gleichmäßigen Beschnitt der Allee (wir berichteten). Einen von Bürgermeister Felix Schwaller vorgebrachten Vorschlag, eine Stellungnahme von Stadtgärtner Peter Stefan in nächster Sitzung abzuwarten, lehnte Bräunlich ab - er wollte seinen Antrag sofort beschieden wissen.

Entsetzt über den einseitigen Rückschnitt äußerte sich auch GOL-Stadtrat Max Leuprecht, der zudem forderte, der ausführenden Firma keinerlei Aufträge mehr zukommen zu lassen. Licht ins Dunkel brachte diesbezüglich Bauamtsleiter Krämer: Bislang hätte der Bauhof derartige Aufträge stets an eine bewährte Fachfirma vergeben, in diesem Fall habe man aber ein Gegenangebot eingeholt, das prompt günstiger gewesen sei. "Nach den ersten Bäumen wurde diese Firma von unserem Bauhof regelrecht vom Baum geholt, aber es war leider nichts mehr zu retten", wusste Krämer, der in jedem Fall eine Stellungnahme von Stadtgärtner Stefan empfahl. Dem kam die Mehrheit des Ausschusses dann auch nach, der Antrag auf sofortigen Beschnitt wurde mit 4:6 Stimmen abgelehnt.

Unmut herrschte bei SPD-Stadtrat Richard Lechner nach wie vor wegen eines Bauvorhabens in der Maillingerstraße: Dort wurde, wie berichtet, ein Mehrfamilienhaus mit sieben Wohneinheiten auf dem Verwaltungsweg gebilligt, das seiner Ansicht nach zu einer extrem dichten Bebauung führt. Lechners Befürchtung: ein Präzedenzfall. Bauamtsleiter Krämer begründete die Entscheidung mit der innerstädtischen Kernlage und der umliegenden, ebenfalls dichten Bebauung, darunter ein Vorhaben nördlich des Jugendtreffs Stellwerk mit zwei Mehrfamilienhäusern, vom Bauausschuss im Juli 2007 mehrheitlich befürwortet.

Die von Lechner monierte Tiefgarage des aktuellen Projektes, die nahezu das gesamte Grundstück (etwa 785 Quadratmeter) unterkellere, betrachtete Krämer wiederum als unumgänglich für den Stellplatznachweis. Nach Lechners Berechnung erhöht sie jedoch die überbaute Grundfläche erheblich auf eine Grundflächenzahl von 0,78 - was wiederum beim Bauantrag unter den Tisch gefallen sei: Darin war die längst überholte Berechnung ohne Tiefgarage angegeben worden mit 0,375.

Überdies, wusste Lechner, sei die Genehmigung im Landratsamt ganz und gar nicht reibungslos verlaufen: Der erste Bauantrag sei abschlägig beschieden worden, erst der kaum reduzierte zweite Antrag habe die Genehmigung erhalten - von der Urlaubsvertretung, wie Lechner betonte. "Mich stört die nahezu vollständige Unterkellerung des Grundstücks, noch dazu, dass der Antrag mit der falschen Grundflächenzahl ausgefüllt wurde und so ein Präzedenzfall geschaffen wurde", so sein Resümee. Zudem erbat er sich einen maßvolleren Gebrauch der Geschäftsordnung.

Bürgermeister Schwaller versicherte abschließend, derartige Grenzfälle (die Verwaltung ist bei Gebäudeklasse 3 bis zu einer Höhe von sieben Metern laut Geschäftsordnung entscheidungsbefugt, wir berichteten) in Zukunft in jedem Fall dem Bauausschuss zur Beratung vorzulegen.

Rosi Gantner/Mangfall-Bote

Zurück zur Übersicht: Rosenheim Land

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT