OVB-Weihnachtsaktion: Ein besonderer Geburtstag

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Hand in Hand in die Zukunft: Johanna mit der Mama. Sie war noch ein Baby, als ein Tumor entdeckt wurde. Inzwischen ist aus dem Kleinkind ein Mädchen geworden (kleines Bild). Diese Woche wurde Johanna acht Jahre. Ihre Geburtstagswünsche: gesund werden und eine Reise an den Chiemsee.

Rosenheim/Gstadt - Für die kleine Johanna ist ihr Geburtstag etwas ganz Besonderes. Das Mädchen, das diese Woche acht Jahre alt geworden ist, kämpft schon seit Jahren gegen einen Tumor.

Johannas Schicksal zeigt, wie wertvoll Einrichtungen sind, in denen sich krebs- und schwerstkranke Kinder mit ihren Familien wohl fühlen und ausspannen können. Am Chiemsee entsteht jetzt ein Haus für Kinder wie Johanna. Dabei setzen Betroffene auf die große Hilfsbereitschaft unserer Leser.


Ein kleiner Engel mit großen, braunen Augen, wachem, neugierigem Blick und roten Locken - das ist Johanna. Ihren Puppenhaushalt führt das wissbegierige Mädchen perfekt: Es räumt gern auf, putzt den Puppenherd, hält alles in Ordnung. Doch eine Atemkanüle (Trachealkanüle) am Kehlkopf macht ihr das Sprechen schwer. "Sie war noch ein Baby, als der Tumor entdeckt wurde", erzählt die Mama. Es handelt sich um einen speziellen Tumor im Kleinhirn. Viele Jahre lang hing Johannas Leben am seidenen Faden. Die Angst vor einem lebensbedrohlichen Atemaussetzer begleitete ihre Eltern auf Schritt und Tritt.

Was das Familienquartett - Johanna, Schwester Mascha (11) und die Eltern - aber nach einem kräftezehrenden und zermürbenden Therapie-Marathon im Nachsorgehaus der Björn-Schulz-Stiftung auf Sylt erleben durfte, entschädigte für vieles. Ihren Lebensmut hatte Johanna auch zuvor nie verloren, aber an der Nordseeluft entfaltete auch ihr Körper ungeahnte Kräfte. Nach den vielen Behandlungen ging es ihr plötzlich besser, sie konnte sogar den Rollstuhl verlassen und wieder laufen - zwar noch etwas wacklig, aber für die Eltern grenzte es an ein kleines Wunder.


"Diese Reise hat uns allen sehr, sehr gut getan. Wir sind heute noch dankbar für die Möglichkeit, gemeinsam an der frischen Luft ausspannen zu können, haben viele schöne Erlebnisse mitgenommen, von denen wir heute noch zehren", sagt der Vater von Johanna. "Wir freuen uns sehr, dass auch unsere gesunde Tochter Mascha bei der Gruppenreise dabei war."

Die Gruppenreisen für krebskranke Kinder und ihre Geschwister führen ab Sommer 2011 auch an den Chiemsee. Dort wird in Mitterndorf bei Gstadt der leerstehende Irmengardhof der Klosterfrauen von Frauenchiemsee zu einer Nachsorge- und Ferieneinrichtung für Kinder wie Johanna umgebaut.

Bauträger ist die Björn-Schulz-Stiftung, die das Anwesen in Erbpacht genommen hat. "Die Reisen fördern das Selbstvertrauen der Kinder, machen ihnen Mut und zeigen ihnen, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein sind", sagt Stiftungsvorstand Jürgen Schulz. Die Familien werden von Sozialpädagogen und anderen Fachkräften begleitet und liebevoll betreut.

Weil das bundesweit einmalige Projekt ohne Spenden nicht zu stemmen ist, fließt jeder Cent aus der OVB-Weihnachtsaktion "Gemeinsam für krebskranke Kinder" direkt nach Mitterndorf.

So ist jede Spende auch ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk für Johanna - oder schon eines für den nächsten: Wenn Johanna im November 2011 neun wird, ist ein Teil des Irmengardhofs schon fertig - und eines der Kinderbetten für sie frei.

von Frauke Frodl und Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

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