Seit November zu

Für Rosenheimer Fitnessstudios sind Corona-Probleme mit einem Lockdown-Ende nicht unbedingt vorbei

Leere Plätze an den Geräten: Aufgrund der verschärften Corona-Maßnahmen können die Räume im Robinson WellFit Rosenheim nicht zum Fitnesstraining genutzt werden.
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Leere Plätze an den Geräten: Aufgrund der verschärften Corona-Maßnahmen können die Räume im Robinson WellFit Rosenheim nicht zum Fitnesstraining genutzt werden.

Wo sonst die Mitglieder an den Geräten ins Schwitzen kommen, ist mittlerweile der Angstschweiß ausgebrochen: Einige Fitnessstudio-Betreiber in Rosenheim kämpfen aufgrund des coronabedingten Lockdowns nach eigenen Angaben ums Überleben. Doch Sorgen bereitet auch der Blick auf die Wiedereröffnung.

Rosenheim – Trotz Hygienekonzepten und strengen Auflagen im vergangenen Sommer sind die Fitnessstudios in Rosenheim seit November wieder geschlossen. Für die Betreiber eine nicht nachvollziehbare Maßnahme der Deutschen Bundesregierung. Viele von ihnen haben staatlichen Hilfen beantragt, diese allerdings noch nicht erhalten. In der ungewissen Zeit versuchen die Inhaber deshalb, den Kundenkontakt mit Online-Kursen aufrecht zu halten und stemmen sich gegen eine coronabedingte Bankrotterklärung.

Betreiber sind teilweise ratlos

„Es ist eine riesen Katastrophe“, berichtet Michi Steinkohl, Inhaber des Rosenheimer Fitnessstudios „37 Grad Celsius“. „Normalerweise sind die Wintermonate für uns mit Abstand die stärksten und wir sitzen einfach nur da“. Anstatt mit dem gewohnten Umsatzplus in das neue Jahr zu starten versuche man, mit Online-Kursen gerade einmal das Schlimmste zu verhindern.

Richtig Angst hat der Inhaber allerdings erst, wenn das Studio wieder geöffnet werden kann. Dann, so Steinkohl, hätte man plötzlich wieder alle laufenden Fixkosten ohne die nötige Anzahl an Mitgliedern. Von Vorfreude auf das noch nicht absehbare Ende des Lockdowns ist bei ihm daher noch wenig zu spüren.

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Funktionierendes Hygienekonzept

Anders im Studio Robinson Wellfit Rosenheim: Dort wartet Geschäftsführer Michael Rauscher nur darauf, nach monatelanger Schließung endlich wieder zu seinem gewohnten Fitness-Angebot zurückzukehren. Mit einem funktionierenden Hygienekonzept sei man schließlich sogar dafür da, kontrolliert für die Gesundheit der Menschen zu sorgen und kann somit dabei helfen, dass die Leute weniger anfällig für das Virus sind.

Vollstes Verständnis für die staatlichen Maßnahmen zeigt dagegen Dr. Martin Weiß. Er ist nicht nur Geschäftsführer des Rosenheimer Kieser Training, sondern gleichzeitig als Arzt in der Praxis neben dem Fitnessstudio tätig. Er sieht keinen Sinn darin, jetzt herumzujammern, nur wenn die staatlichen Hilfen noch nicht da sind. „Wenn man in andere Länder schaut, hätten die meisten Läden bereits zumachen müssen, während man hier einfach in Ruhe darauf warten kann, irgendwann wieder aufzumachen.“

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Gut mit dem Lockdown kommen derzeit die Personaltrainer wie die Rosenheimer Fritz Gerhager und Dominik Winkler zurecht. Sie haben zwar ihre im vergangenen März frisch eröffneten Räume von FD-Performance direkt wieder zusperren müssen, profitieren allerdings auch von der Schließung der großen Fitness-Ketten. „Es kommen schon einige Leute, die fit bleiben wollen und es jetzt mal mit einem persönlichen Coach versuchen“, erzählt Gerhager. Die Ausfälle der Räumlichkeiten ließen sich daher ganz gut auffangen.

Auch der Geschäftsführer des Quest-Club-Fitnessstudios, Klaus Werndl, bleibt derzeit gelassen. Er habe die ersten beiden Monate des zweiten Lockdowns keine Mitgliederbeiträge erhoben, was bei den Kunden laut eigener Aussage sehr gut ankam. Da er keine Räume anmieten muss, sieht er sein Studio erst einmal nicht finanziell gefährdet. Jedoch „nagt es schon an den Nerven“, dass man derzeit sowohl den Mitgliedern als auch den Mitarbeitern nicht genau sagen kann, wann es denn wieder weitergeht.

Verleih der Geräte an Unterstützer

Problematisch wird es für kleinere Fitness-Betreiber wie Michael Berger von CrossFit Rosenheim. Er muss sich auf die durchgehende Unterstützung seiner Mitglieder verlassen und verleiht im Gegenzug seine Geräte an die treuen Unterstützer. Die begehrten Rudermaschinen wurden dafür beispielsweise aus dem Fitness-Center in die Rosenheimer Wohnzimmer gebracht und werden sogar untereinander durchgetauscht. So hofft der Inhaber, „notfalls noch ein paar Monate über die Runden zu kommen.“

Wiedereröffnungen auf April ausgelegt

Aufgrund der derzeitigen Situation planen die Rosenheimer Studios bereits voraus und rechnen damit, dass sie ihre Flächen erst wieder im April zur Verfügung stellen dürfen. Wie in den vergangenen Sommermonaten soll dann wieder ein klares Hygienekonzept greifen, um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Laut Inhaber Steinkohl wird es „dann erst so richtig spannend“.

Stichwort Bewegungsmangel: Tipps für einen dynamischeren Arbeitsplatz

Nicht nur die Betreiber der Fitnessstudios sehnen sich danach, ihre Räumlichkeiten wieder für die Mitglieder und Kunden öffnen zu dürfen. Auch die Mitglieder hoffen darauf, bald wieder an den Geräten oder bei den Kursen vor Ort trainieren zu dürfen. Zumal die Bewegung im Arbeitsalltag – egal ob im Büro oder im Homeoffice – meistens deutlich zu kurz kommt. Damit Beschäftigte keine körperlichen Schäden davontragen, empfiehlt das Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) etwa den Arbeitsplatz möglichst dynamisch einzurichten, also beispielsweise den Drucker oder den Papierkorb in den Flur zu stellen. So muss für jeden Ausdruck oder jede verworfene Idee aufgestanden und ein paar Schritte gegangen werden.

Auch ein Steharbeitsplatz ist sinnvoll. Doch nicht in jedem Büro oder Homeoffice gibt es einen verstellbaren Schreibtisch. Die Lösung ist so simpel wie unkonventionell: Auf einer Kommode oder einem Regal zu arbeiten, kann eine echte Alternative darstellen, Bücher oder Kisten können als zusätzliche Erhöhung dienen. So ist es auch möglich, die sogenannte 40-15-5-Regel einzuhalten: 40 Minuten sitzen, 15 Minuten stehen und dann fünf Minuten bewegen – damit auch der Körper in Bewegung bleibt.

Wenn die Gedanken nicht so fließen wollen, eignet sich während der Arbeitszeit auch mal ein Spaziergang. An der frischen Luft lösen sich Denkblockaden oft von alleine auf und es lässt sich wunderbar brainstormen.

Wer regelmäßig kleinere Übungen oder sogar Bewegungsrituale, etwa nach jedem Toilettengang, einführt, kann damit nicht nur den Körper entspannen, sondern auch für eine bessere Konzentration sorgen. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt: Von regelmäßigem Arm-, Schulter- Kopf- und Handkreisen bis hin zu Körperstreckungen oder sogar Hampelmännern ist alles erlaubt. „Und warum eigentlich nicht mal während der Arbeit tanzen?“, ermutigt das IFBG.

Apropos Toilettengang: Allein der sorgt schon für ziemlich viel Bewegung. Je häufiger also, desto besser. Und das klappt am besten mit viel trinken, was ohnehin für die Gesundheit gut und wichtig ist.

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