Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

So reagieren Landrat Lederer und Abgeordnete Ludwig

Brenner-Nordzulauf: Keine guten Nachrichten für Anwohner - Inn-Unterquerung kostet bis zu drei Milliarden Euro

Brenner-Nordzulauf
+
Eine Unterquerung des Inns wäre hochkomplex und teuer, so die Deutsche Bahn.

Für die Anwohner einer möglichen neuen zweigleisigen Bahnstrecke bei Rosenheim Richtung Brenner ist es eher keine gute Nachricht: Eine von ihnen gewünschte Unterquerung des Inns nördlich von Rosenheim ist zwar möglich - aber hochkomplex und teuer.

Landkreis Rosenheim - Auf dem Abschnitt entstünden Mehrkosten von rund drei Milliarden Euro, teilte die Deutsche Bahn am Dienstag mit. „Trotz hoher Kosten und Risiken ist die technische Machbarkeit allerdings nicht ausgeschlossen“, erläuterte die Bahn. Im Rahmen der parlamentarischen Befassung habe die Region nun die Möglichkeit, eine Innunterquerung als Kernforderung in den Bundestag einzubringen.

Die neuen Gleise sollen in zwei Planungsabschnitten von Grafing im Landkreis Ebersberg bis zur österreichischen Grenze verlaufen und die Kapazitäten zum Brenner Basistunnel erhöhen, an dem in Österreich und Italien gebaut wird. Bürgerinitiativen kämpfen seit Jahren gegen den Bau des so genannten Brenner-Nordzulaufs. Vor allem bezogen auf den Bereich von Rosenheim bis Österreich gab es immer wieder heftige Proteste. Die Gegner argumentieren, ein Ausbau und eine Modernisierung der bestehenden Trasse genügten. Neue Gleise brächten noch mehr Verkehr und Lärm im ohnehin stark belasteten Inntal.

Die Bahn hat für beide Abschnitte favorisierte Trassen vorgestellt und führt derzeit die Planungen für diese Trassen weiter. Voraussichtlich 2025 soll der Bundestag über den Brenner-Nordzulauf entscheiden.

Brenner-Nordzulauf: So sieht Landrat Otto Lederer das Vorhaben

 „Von den heute vorgestellten Untersuchungsergebnissen bezüglich der Unterquerung des Inns nördlich von Rosenheim und den Schlüssen, die die Deutsche Bahn daraus zieht, bin ich sehr enttäuscht. Technisch gesehen ist die Untertunnelung des Inns möglich, was nach Angaben der Bahn nur mit deutlich höheren Kosten verbunden wäre. Die Kosten allein sollten allerdings nicht der ausschlaggebende Punkt sein, da von einer oberirdischen Trasse zahlreiche Bürger des Landkreises, sensible Naturräume und landwirtschaftliche Existenzen massiv betroffen wären.

Wir werden die Ergebnisse der Bahn noch eingehend prüfen. Ich befürchte aber, dass einige wichtige Punkte nicht in die bisherigen Überlegungen aufgenommen wurden. So endet die Betrachtung der Unterquerung der Planungsvarianten zur Unterquerung an der Landkreisgrenze. Der Brenner-Nordzulauf sollte allerdings als Gesamtes betrachtet werden. Dazu wäre es auch nötig, eine Verlegung der Verknüpfungsstelle bei Ostermünchen in Richtung Nordwesten zu untersuchen.

Diese Untersuchung fordere ich seit Jahren und ist Bestandteil der Resolution des Rosenheimer Kreistages sowie der betroffenen Kommunen. Da der Landkreis aufgrund seiner Topografie, Siedlungsdichte, Natur, Landwirtschaft, des Tourismus und der vorhandenen Infrastruktur besonders anspruchsvoll und empfindlich ist, sehe ich keinen Spielraum für eine verträgliche oberirdische Neubautrasse. Auf Tiroler Seite erhöht sich der Tunnelanteil im Laufe der Planungen weiter und zwei der drei Inn-Querungen werden untertunnelt. Ich denke, hier muss die Bahn auf deutscher Seite zwingend nachbessern und eine Optimierung der Querung vornehmen, damit dies technisch und finanziell machbar ist.“ 

Brenner-Nordzulauf: Das sagt Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig zu den Planungen

„Diese Ergebnisse sind keine guten Nachrichten für unsere Region und für mich auch in dieser Form nicht akzeptabel. Wir bleiben dabei: Der Brenner-Nordzulauf muss soweit wie möglich unterirdisch verlaufen. Der Schutz von Mensch und Natur muss oberste Priorität haben. Die vorgestellten Ergebnisse der Deutschen Bahn hinterlassen deshalb viele Fragen. Hier sind gründliche Nacharbeiten und Verbesserungen angesagt.

Zum einen kann ich die Mehrkosten von rund 3 Milliarden Euro für eine Inn-Unterquerung anhand der getroffenen Aussagen nicht nachvollziehen. Sie müssen auf jeden Fall genauer überprüft werden.

Zum anderen würde der Bahnhof Ostermünchen bei einer Inn-Unterquerung nach Angaben der Bahn weit unter dem Gelände liegen. Auch das erscheint mir nicht nachvollziehbar. Wir halten an unserem Vorschlag fest, den Bahnhof Im Bestand beizubehalten und die Verknüpfungsstelle weiter Richtung Norden zu verlegen.

Bei einer oberirdischen Lösung wäre der Landschaftsverbrauch bei Langenpfunzen zu hoch und ebenfalls nicht zu akzeptieren. Insgesamt haben wir nördlich von Rosenheim also noch viele offene Fragen und ungelöste Probleme, auch zwischen Schechen und Tuntenhausen.

Wir werden die heute vorgestellten Ergebnisse noch einmal im Detail analysieren. Wir bleiben bei unseren jahrelangen Forderungen nach einer Inn-Unterquerung, einer Verlegung der Verknüpfungsstelle bei Ostermünchen in Richtung Norden und nach massiven Verbesserungen für den Bereich nördlich von Rosenheim. Beim Brenner-Nordzulauf im Tiroler Unterinntal wird der Inn dreimal gequert - davon zweimal unterirdisch. Was in Tirol möglich ist, muss auch bei uns möglich sein.“

Brenner-Nordzulauf: Auch Oberbürgermeister Andreas März äußert sich

„Die Untersuchungen der Bahn haben eindeutig gezeigt: Technisch ist eine Untertunnelung des Inns möglich. Möglich, mit einer immensen Kostensteigerung um rund drei Milliarden Euro. Möglich, mit einer Verlängerung der Bauzeit um zwei bis drei Jahre. Ganz erschwerend kommt nach der Planung der Deutschen Bahn hinzu, dass ein Schienentrog mit einer Breite von 40 Metern und einer Tiefe von 30 Metern errichtet werden müsste, was einen enormen Flächenfraß bedeuten würde. Leider geht die Deutsche Bahn nach wie vor von einer Verknüpfungsstelle vor Ostermünchen aus.

Ich bin der Meinung, dass durch eine Verknüpfungsstelle weiter nördlich von Ostermünchen die von der DB eingebrachten Tunnellösungen und Schienenvertiefungen nicht erforderlich sind. Eine Verlagerung der Verknüpfungsstelle als Voraussetzung für eine einfachere Trassenführung samt  Untertunnelung des Inns wurde aber nicht geprüft, obwohl der Rosenheimer Stadtrat mit seiner Resolution vom 30. Juni genau diese Verschiebung fordert.

Die Mitglieder des Bundestags werden im Jahr 2025 über das Brennerprojekt und damit verbunden über die Kernforderungen aus der Region entscheiden. Die Untertunnelung des Inns wird eine solche Kernforderung sein.“

dpa/Pressemeldung Landkreis Rosenheim/Abgeordnetenbüro Daniela Ludwig

Kommentare